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Was macht eine erfolgreiche Turniermannschaft aus?

01.09.2026 - Doppel-Weltmeisterschaften von Damen und Herren zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind im Hockey bislang eher die Seltenheit. 2026 war so eine Ausnahme, und so boten die WM-Auftritte in Wawre einen direkten, unmittelbaren Vergleich (ähnlich wie bei Olympia), wie die beiden deutschen Mannschaften den Hürdenlauf solch eines zweiwöchigen Turniers bestehen.

Die Schere ging bei dieser Doppel-WM weit auseinander. Auf dem Weg zum (erneuten) Titelgewinn zeigten die Honamas nicht zum ersten Mal all das, was zu einer erfolgreichen Turniermannschaft gehört: Tiefe Überzeugung in die eigene Qualität, stabile Leistungen mit geringer Fehlerquote, Fähigkeit zur Bestleistung gerade in Druckspielen, Widerstandsfähigkeit bei Rückschlägen, ehrliche Fehleranalyse mit schneller Anpassungsfähigkeit und Entwicklung während des Turniers. Viele dieser Faktoren konnten die Danas bei dieser WM nicht ausreichend genug auf den Platz bringen.

Platz sechs ist deshalb ein Resultat, das die Leistung der deutschen Damen bei dieser WM in etwa richtig einordnet. Das Ziel, ins Halbfinale vorzustoßen und den Abstand zur Nummer eins (trotz der Endspielniederlage immer noch die Niederlande) zu verringern, ist deutlich verfehlt worden. Es ist aber weniger die Platzierung an sich, sondern die Entwicklung des Teams insgesamt, der die sportliche Leitung des DHB zu einem ungewöhnlich harten Einschnitt in Form der sofortigen Trennung von Bundestrainerin Janneke Schopman bewogen hat.

 

Hugo von Montgelas (in weiß) im WM-Finale gegen Spanien (hier Nicolas Alvarez). Der 22-jährige Mittelfeldspieler legte bei seinem ersten Meisterschaftsturnier in der Herren-Nationalmannschaft beeindruckende Auftritte in Serie hin - auch weil er sich bestens aufgenommen und integriert im Honamas-Kosmos fühlen konnte. Auf weiblicher Seite sind solche leistungsfördernden Strukturen aus verschiedenen Gründen nicht immer gegeben. Foto: Worldsportpics

 

War von einer relativ unerfahrenen Mannschaft mit 13 WM-Neulingen überhaupt mehr zu erwarten? „Unerfahrenheit schützt vor Leistung nicht!“, sagt DHB-Sportvorstand Martin Schultze im DHZ-Interview. Sein Verweis auf die Handvoll Neulinge im Herrenteam, die seiner Meinung nach alle auf sehr hohem Niveau performt hätten, mag zutreffend sein. Doch man sollte bei solch einem Vergleich jeweils auch das gesamte Umfeld im Blick haben. Nehmen wir als Beispiel Hugo von Montgelas: Mit welcher Selbstverständlichkeit er bei seinem ersten Meisterschaftsturnier im Herrenbereich ein gutes Spiel nach dem anderen abgespult hat, selbst in den wirklich großen Spielen kein bisschen wackelte, lässt ahnen, dass er in einem Team und in Strukturen mitwirkte, die ihm total den Halt für solche Auftritte geben. Bei den Damen dagegen scheint ein Neuling ein Schiff zu betreten, das nur selten ruhigen Seegang hat und wo manchmal schon ein kräftiger Windstoß genügt, den ganzen Betrieb ins Wanken zu bringen und alle erfasst werden, egal ob 5 oder 150 Länderspiele zu Buche stehen.

Einen „André Henning 2.0“ für die Damenseite zu finden, der dieses Schiff robust macht, wird für den DHB eine große Herausforderung.

 

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