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Bis hierhin war's cool und lustig - was kommt jetzt?

22.02.2022

Was jetzt mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga Halle in seinen vorläufigen Höhepunkt gipfelte, hatte seinen Ursprung in einer „Nacht- und Nebelaktion“ vor knapp fünfeinhalb Jahren. So bezeichnet Alexander Stahr seinen damaligen Entschluss, die fünfte Herrenmannschaft des TC 1899 Blau-Weiss in Berlin vom Spielverkehr abzumelden und gleichzeitig ein neues Team in der Hallensaison 2016/17 beim Berliner Hockey-Verband anzumelden.

Seinerzeit war er der Trainer der 1. Herren und sehr erfolgreichen männlichen Jugend.

Hierzu gründete Stahr mit einigen anderen Mitgliedern kurzerhand einen neuen Verein, den HC Roseneck. Unter diesem Namen wurde die Mannschaft dann in der 2. Verbandsliga Berlin, der untersten Spielklasse, an den Start gelassen. Die Namenswahl nimmt Bezug zum gleichnamigen Platz am Hohenzollerndamm in der Nähe der Blau-Weiss-Clubanlage in Berlin-Grunewald. Das erinnert auch ein wenig an die Geburtsstunde des Feudenheimer HC. Dort wurde der Stadtteilname des Ursprungsclubs Mannheimer HC herangezogen, um jenen MHC-Talenten eine neue sportliche Heimat zu geben, die es (noch) nicht in die Bundesligamannschaft geschafft hatten, aber die mit dem Farmteam FHC eine höhere Liga erreichen konnten, als das mit einer zweiten MHC-Mannschaft gemäß den DHB-Statuten jemals möglich gewesen wäre. Heute, zwölf Jahre nach der Gründung des FHC, spielen die Feudenheimer Damen schon eine ganze Weile in der 2. Bundesliga Feld und ihre zweite Saison in der Hallen-Bundesliga, auch die FHC-Herren sind im Begriff, an der Tür zur 2. Bundesliga anzuklopfen. 

Die Motivation hinter der Gründung des HCR sah laut Alexander Stahr ähnlich wie in Mannheim aus. „Wir hatten 2016 mit weit über 100 gemeldeten Herrenspielern, fünf gemeldeten Teams und einem richtig starken U18-Team (Anmerkung der Redaktion: Das Team um Paul Dösch und Thies Prinz holte drei DM-Wimpel) vor allem in der Halle das Problem, dass nur 12 bis 14 Jungs auf höchstem Niveau spielen können. Alle anderen, vor allem die jüngeren Spieler, mussten in den Berliner Ober- und Verbandsligen ran. So kam die Idee, mit dem HCR ein weiteres Team mit blau-weisser DNA an den Start zu bringen, das dann ein paar Jahre später den Unterbau der 1. Herren bilden könnte.“ Sein erstes Punktspiel am 13. November 2016 gewann das neue Ensemble mit 18:0 gegen den Neuköllner SF, Mentor Stahr schwang noch selber den Schläger. Vier Monate später war der erste Aufstieg geschafft. „Nie mehr 2. Liga“, skandierte die Truppe.

Erfolgsstory HC Roseneck: Der Erstligaaufstieg wird mit den Fans zusammen gefeiert. Foto: privat

 

DAS PROJEKT ENTWICKELTE SCHNELL EINE GEWISSE EIGENDYNAMIK  

Die Jahre darauf wurde der HC Roseneck auf seiner Reise durch die Berliner Ligen eher ein Sammelbecken für „meine ehemaligen Bundesliga-Spieler von Blau-Weiss, die das Projekt von Anfang an mit viel Herzblut begleitet haben und froh waren, ihrer Leidenschaft Hallenhockey immer noch auf hohem Niveau, aber nicht mehr mit dem ganz großen Aufwand und Biss nachgehen zu können“, so Hendrik Gay, der sportliche Leiter des TC  Blau-Weiss.  

Fünf Jahre später kann der gleiche Text erneut angestimmt werden. Aber statt nie mehr 2. Verbandsliga heißt es plötzlich: nie mehr 2. Bundesliga. „Unser Projekt HCR hat schnell eine gewisse Eigendynamik entwickelt und auch über Blau-Weiss hinaus viele spannende Spieler angezogen“, sagt Stahr im Rückblick auf fünf Hallen-Aufstiege in Folge. Non-stop von der sechsten in die erste Liga. Wohl einmalig im deutschen Hockey. Und das bei einer Mannschaft, die im Feldhockey gar nicht existiert. 

Alexander Stahr, der sechs Jahre lang gemeinsam mit Hendrik Gay die erfolgreichste Phase der Blau-Weiss-Clubgeschichte geprägt hat und zum Beispiel in der Hallen-Bundesliga 2016/17 im Osten den Berliner HC hinter sich ließ und im DM-Viertelfinale nur hauchdünn am Club an der Alster scheiterte, ahnt, dass sein HC Roseneck nun an einer Art Weggabelung angekommen ist. „Bis hierhin war’s cool und lustig“, so Stahr. Selbst in der 2. Bundesliga Ost hätte man aufgrund eines stark besetzten Teams „ohne Athletik- und Videoeinheiten, aber mit viel Lust und Feuer im Stocktraining“, wie es der Teamchef überspitzt ausdrückt, bestehen können. Mit viel Spaß, Erfahrung und individueller Klasse am Schläger sowie einem gesunden Ehrgeiz auf dem Platz sei es möglich gewesen, sich am Ende durchzusetzen.  

Stahr selbst leitet den HC Roseneck gemeinsam mit seinem Mitgründer Jan Ziechmann ehrenamtlich als 1. Vorsitzender und Kassenwart. Zudem ist der 42-Jährige noch Trainer und Teammanager und sieht sich als jemand, der hier seine besondere Stärke voll ausleben kann: Menschen zusammenzubringen, die Lust auf Hockey haben oder ihnen die Lust wieder neu zu vermitteln. „Teams bilden und Stimmung kreieren – das macht mir am meisten Spaß“, so Alexander Stahr. 

 

"KEIN PROBLEM" FÜR DEN MUTTERVEREIN TC 1899 BLAU-WEISS, EHER EINE "CHANCE"

Aber nun, nach dem Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse, stellt sich für ihn die spannende Frage: Wie stellt sich HCR nominell auf? Welcher Spieler will die Reise weiter fortsetzen, welche jungen Spieler kommen dazu? Training gab es zuletzt durchschnittlich nur einmal die Woche, mehr war für die meisten aus beruflichen Gründen, aber auch wegen anderer Interessen nicht drin. Einige spielen noch nicht einmal Feldhockey, weil sie da keiner Mannschaft angehören. „Sicherlich müssen wir in der 1. BL einen Tick mehr machen“, denkt Stahr beispielsweise an ein paar zusätzliche Einheiten. Dabei hofft er auch auf eine gewisse Einsicht bei seinen Spielern. „Keiner von meinen ehrgeizigen Jungs will in die erste Liga aufsteigen, um dort von BHC & Co. abgeschossen zu werden“, sagt der Trainer.  

Doch wollen und können da auch alle mitziehen? Welche Identität gibt man sich als neuer Erstligist? Und wie sieht man die ganze Entwicklung eigentlich beim Mutterverein TC Blau-Weiss, mit dem der HC Roseneck jetzt ligatechnisch plötzlich auf einer Stufe steht? Zunächst einmal unterstützt und ermöglicht der TC Blau-Weiss diesen Aufbau, indem er dem Team des HC Roseneck eine der Hallentrainingszeiten sowie die Ruhemann-Halle für die Heimspiele der 2. BL zur Verfügung stellt und „Nicki“ Stahrs Arbeit auch in der Hallensaison mit einer Übungsleiter-Pauschale honoriert. Zudem sind der Großteil der Spieler erfahrene Blau-Weisse, die gern an der strategischen Entwicklung des Clubs mitwirken. Hendrik Gay sieht dementsprechend "keine Probleme, ganz und gar nicht“.  

Der neue Vorsitzende der TCBW-Hockeyabteilung, Sebastian Händschke, der damals auch einer der Mitgründer des HC Roseneck war, ergänzt: "Wir sind sehr stolz auf die sportliche Leistung und danken Alexander Stahr, Jan Ziechmann und unseren Blau-Weiss-,Legenden' wie Benedikt Limberger, Johannes Häner, den Rinckens-Brüdern und vielen anderen Weggefährten wie Max Jesse, die diesen Weg gegangen sind, sehr für ihr Herzblut und Engagement, das sie in das Projekt HC Roseneck gesteckt haben.“  

Hendrik Gay betont noch einmal die Chancen: „Zwei Teams mit blau-weissem Blut in der 1. Liga bieten unserem Club die Möglichkeit, sowohl die älteren Spieler möglichst lange auf höchstem Niveau spielen zu sehen, aber auch jüngere Spieler mit Hilfe der Erfahrung der älteren zu entwickeln. Das bleibt weiterhin das Ziel von HC Roseneck, auch wenn man ehrlich sagen muss, dass wir durch einige Abgänge der jüngeren Spieler (Paul Dösch, Luis Gill, Adrian Lehmann-Richter zum BHC und Thies Prinz zu RW Köln) in der Vergangenheit von der Ursprungsidee eines klassischen Farmteams zeitweise abweichen mussten.“   lim 

 

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