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Kooperation unter Nachbarn: TV Jahn Hiesfeld und HTC Uhlenhorst Mülheim arbeiten zusammen

Jan Schiffer, Moritz Ludwig, Jonas Seidemann, Alec von Schwerin, Mia Rosser – alles Stammkräfte in den Bundesligamannschaften des HTC Uhlenhorst Mülheim. Alle mit einer Gemeinsamkeit: Sie lernten das Hockeyspielen im TV Jahn Dinslaken-Hiesfeld. Talente, die es aus dem beschaulichen Dinslaken in die nationale und sogar internationale Spitze geschafft haben. Dies soll auch in Zukunft so bleiben, denn der HTC Uhlenhorst und der TV Jahn Hiesfeld kooperieren ab sofort in den Bereichen Talent-, Sport- und Vereinsentwicklung.

Doch wie kommt es, dass der deutsche Rekordmeister mit einem direkten Nachbarn kooperiert, statt konkurriert? „Wie der TV Jahn Hiesfeld ist auch der HTC Uhlenhorst ein Ausbildungsverein“, erklärt Hanns-Peter Windfeder, Präsident des Mülheimer Traditionsklubs. „Beide Vereine leben durch die eigene Jugendarbeit. Zwar auf unterschiedlichen Leistungsniveaus, aber mit ähnlicher Philosophie. Das verbindet uns und macht uns wechselseitig als Kooperationspartner interessant.“
Der TV Jahn Hiesfeld ist seit Jahren als Talentschmiede der Region bekannt. „Der TV Jahn Hiesfeld ist der deutsche Hidden Champion der Hockeytalente. Wer hier das Hockey spielen lernt, hat Großes vor", hat sogar Damen-Bundestrainer Valentin Altenburg den Verein auf dem Schirm. Es verwundert nicht, so hat er mit Maike Schaunig und Nathalie Kubalski zwei ehemalige Hiesfelderinnen in seinem Damenkader.
An Bundesligahockey ist in Hiesfeld aber dennoch absehbar nicht zu denken. Der TV Jahn hat aktuell nach dem HTC Uhlenhorst die zweitgrößte Jugendabteilung des Ruhrbezirks im WHV und stellt rund 30 Jugendmannschaften im Spielbetrieb, für die man sich auch durch die Kooperation sportlichen Erfolg erhofft, „das heißt jetzt nicht, dass wir Deutscher Meister werden, aber dass wir mit unseren ersten Jugendmannschaften in der jeweils höchsten Liga antreten können und am Ende auch ein gewisses Maß an Leistung bei unseren Damen und Herren ankommt, so dass wir aus dem ,untersten Verbandskasten‘ herauskommen“, betont TV-Abteilungsleiter Volker Kossol. Mittel- bis langfristig soll es auch bei den Erwachsenen die Regionalliga, in dem Fall die dritthöchste Spielklasse, sein. Derzeit gibt es in Hiesfeld nur Verbandsliga-Hockey.

Volker Kossol (vorne links), Abteilungsleiter des TV Jahn Hiesfeld, und Hanns-Peter Windfeder (vorne rechts), Präsident des HTC Uhlenhorst Mülheim, unterzeichnen den Kooperationsvertrag. Mit dabei (hinten von links): Christoph Möltgen, Vorstand Hockey HTC, Christian Lortz, stellvertretender Abteilungsleiter Orga, und Manuel Freynik, stellvertretender Abteilungsleiter Sport des TV Jahn. Foto: TV Jahn Hiesfeld

Den Talenten möchte man dennoch den Weg in die Spitze ebnen. „Wir haben in den letzten Jahren viele talentierte Spielerinnen und Spieler in andere Clubs verloren, die sich dort nicht entscheidend durchsetzen konnten. Diese Talente wären für unsere Mannschaften sehr wertvoll. Um hier besser zu fördern und das Wechseln als Prozess zu verstehen, macht diese Kooperation Sinn. Alle Beteiligten sind über Jahre transparent miteinander im Austausch – jeder weiß, worauf er sich einlässt“, erklärt der Hiesfelder Sportvorstand Manuel Freynik.


Im Sinne der Vereine und Kinder

„Sinn und Zweck ist, diese Wechsel, wenn sinnvoll, strukturiert vonstatten gehen zu lassen, im Sinne der beiden Vereine und der Kinder. Wir haben häufiger das Thema, dass Kinder wechseln, weil vermeintlich große Talente unterwegs sind, aber am Ende vielleicht alle nicht so ganz glücklich sind. Da tut man den Jungs und Mädels, wenn die sieben, acht Jahre alt sind, keinen Gefallen, und das ist für alle Beteiligten auch mit Aufwand verbunden“, ergänzt Windfeder.
„Manchmal fehlt den Eltern der Realismus. Sie geben die Kinder bei uns ab und glauben, dass sie am Ende einen Olympiasieger zurückbekommen“, sagt Christoph Möltgen, Sportvorstand beim HTC Uhlenhorst. „Bei den Mädchen und Jungen, die sich letztlich nicht durchsetzen, sorge das für Frust und führe oft sogar dazu, dass sie dem Hockeysport ganz den Rücken kehren. Sie kommen mit großen Erwartungen und sind dann enttäuscht, wenn sie nicht in der Regionalligamannschaft spielen können“, so Möltgen. Somit ist die Wechselthematik in beiden Vereinen ein belastendes Thema.
Gelenkt wird die Kooperation durch einen koordinierenden Lenkungskreis. Zur Stammbesetzung dieses Kreises gehören je drei Vorstandsmitglieder der beiden Vereine. Dazu kommt pro Verein zu jeder der Quartalssitzungen eine Elternvertreterin oder ein Elternvertreter. Sofern ein Kind in die engste Auswahl der Talente rückt, werden auch die Eltern beteiligt. Die Gespräche werden protokolliert und sind damit für die Mitglieder beider Vereine transparent.
Strukturell sollen auch beide Vereine profitieren. Mülheimer Topspieler und Toptrainer werden Eventtrainings beim TV Jahn Hiesfeld durchführen. Der TV Jahn stellt weiter seinen Platz und seine Halle für Spiele der Mülheimer Topmannschaften zur Verfügung. „Dadurch bekommen wir auch Tophockey zum Anfassen zu uns. Das bringt unsere Kids weiter und bindet sie an die Sportart“, blickt Manuel Freynik voraus.

Die beiden Sportvorstände Manuel Freynik (hinten links; TV Jahn Hiesfeld) und Christoph Möltgen (rechts; HTC Uhlenhorst) mit den männlichen U8-Mannschaften beider Vereine bei einem Freundschaftsspiel. Der Uhlen-Nachwuchs im traditionellen weiß-grün, die TV-Jungs in lila. Foto: TV Jahn Hiesfeld


Auch in die Ausbildung der Trainer wird investiert

„Eine weitere Idee ist es, nicht nur in die Ausbildung der Spielerinnen und Spieler, sondern auch in die der Trainerinnen und Trainer zu investieren“, fährt Christoph Möltgen fort. Gemeinsame Trainerforen und Fortbildungen gehören da genauso dazu, wie die Angleichung der Trainingskonzepte beider Vereine. Das mitunter junge Hiesfelder Trainerteam bekommt auch die Chance, den Uhlenhorster Leistungstrainern über die Schultern zu schauen. So haben sich Thilo Stralkowski und Malte Hellwig schon für die Leitung eines Trainings in Hiesfeld angekündigt und Hiesfelder Trainer zu Hospitationen nach Mülheim eingeladen.
Im sportlichen Bereich wird vor Allem den Altersklassen U6 bis U12 einiges geboten. Von vielen Freundschaftsspielen, über gemeinsames Training und gezieltem Talenttraining sollen möglichst viele Spielerinnen und Spieler kennengelernt werden. Es werden Begegnungen auf Augenhöhe geschaffen, bei welchen Kindern und Eltern beider Vereine Berührungsängste genommen werden und man sich im Sinne des Sports freundschaftlich begegnen kann. Im Laufe der Zeit werden sich Talente herauskristallisieren, welche den Sprung in die Leistungsmannschaften des HTCU schaffen könnten. Diese werden dann beispielsweise durch Gasttrainings gezielt gefördert. „Vorteil ist dann, dass Trainer, Spieler und Eltern eine Vorstellung haben, ob es passt. Nach ein paar Probetrainings ist die Euphorie meistens groß, nach einem halben Jahr oder mehr, weiß man schon eher, ob es was mit der großen Karriere werden kann und alle Beteiligten den Aufwand leisten können“, beschreibt Freynik eine sich ändernde Wechselkultur. „Vereinswechsel werden von kleinen Vereinen immer als Tabuthema behandelt, da man das Gefühl hat, immer am kurzen Hebel zu sitzen. Durch unser Modell gibt es hier einen Ausgleich, von dem beide Vereine profitieren. Auch der Kinderbereich profitiert ja von Konkurrenz vor Ort. Es ist Luxus, wenn man mit wenig Aufwand schnell und einfach gute Spiele organisieren kann.“


Weiteres Wachstum in den eigenen Strukturen

Der HTC Uhlenhorst möchte auch die leistungssportliche Entwicklung des TV Jahn Hiesfeld unterstützen. So ist es vorgesehen, dass Spielerinnen und Spieler des HTCU, welche den Sprung in die Regionalligamannschaft verpasst haben, in eine Hiesfelder Regionalligamannschaft „ausgeliehen“ werden können, um wertvolle Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln zu können.
„Mit der Kooperation haben wir ein gutes Vorbild für die Überlegungen der ,Rostocker Erklärung‘ geschaffen. Wir denken alle, dass wir hiermit einen guten Beitrag zur Entwicklung unseres Sports leisten können. Unsere gemeinsamen Ideen ermöglichen beiden Vereinen ein weiteres Wachstum in eigenen Strukturen. Die Gespräche verliefen jederzeit offen, respektvoll und auf Augenhöhe. Wenn wir die Kooperation so leben, wird sie ein voller Erfolg“, blickt Hanns-Peter Windfeder auf die letzten Wochen zurück.  Red.

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