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Rückblick 2023: Weltmeistertitel am Anfang und am Ende

Das Jahr 2023 bringt die größten Erfolge für das deutsche Hockey am Anfang und am Ende: Weltmeistertitel für die Herren im Januar und für die Junioren im Dezember. Europameister werden im Juli die deutschen U18-Mädchen und Jungen. Die beiden Nachwuchsteams wissen in Krefeld den Heimvorteil titelträchtig zu nutzen, was anschließend die Danas und Honamas bei ihrer Heim-EM in Mönchengladbach nicht schaffen. Aber das Hockeyjahr 2023 hatte natürlich noch mehr zu bieten, wie unser Streifzug durch die vergangenen zwölf Monate zeigt.

 

Viel Zeit, sich im Lauf des Jahres auf den sportlichen Höhepunkt hinzuentwickeln, nimmt sich 2023 nicht. Das größte Turnier steht gleich im ersten Monat bevor: die 15. Weltmeisterschaft der Herren. In Bhubaneswar/Indien wird es für das deutsche Team spätestens ab dem Viertelfinale ein Ritt auf der Rasierklinge. Gegen England ist die Truppe von Bundestrainer André Henning nach einer mauen Leistung bei einem 0:2-Rückstand gut fünf Minuten vor Schluss fast schon weg vom Fenster. Aber die Honamas ziehen noch einmal den Kopf aus der Schlinge, gewinnen nach Shoot-out und bügeln mit stark ansteigender Leistungskurve auch weitere 0:2-Rückstände im Halbfinale gegen Australien und im Endspiel gegen Belgien aus. Der Titelverteidiger und Olympiasieger wird nach 3:3-Unentschieden im Shoot-out mit 5:4 geschlagen. Am Abend des 29. Januar bekommt Kapitän Mats Grambusch vom Weltverbandspräsidenten Tayyab Ikram den WM-Pokal überreicht. Deutschlands Herren sind Weltmeister, das dritte Mal nach 2002 und 2006.

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Das Ganze wird noch versüßt durch die Auszeichnung von Niklas Wellen zum besten WM-Spieler. Der 28-Jährige, der in der Halbzeit des zweiten Gruppenspiels von der Geburt seines ersten Kindes in der Krefelder Heimat erfährt, spielt das Turnier seines Lebens. Die Energie und die Tore des jungen Vaters reißen die Kollegen förmlich mit.

Der starke Anfang des Jahres 2023 für das deutsche Hockey: Honamas-Kapitän Mats Grambusch bekommt am 29. Januar aus den Händen des Welthockeypräsidenten Tayyab Ikram den Siegerpokal für den neuen Weltmeister Deutschland überreicht. In Deutschland reicht dies am Ende des Jahres allerdings nicht zum Titel "Mannschaft des Jahres", weil die Basketballer als erstmaliger Weltmeister und die Eishockeyherren mit ihrer ersten WM-Silbermedaille seit 70 Jahren nach Ansicht der deutschen Sportjournalisten für noch Größeres gesorgt haben. Foto: Worldsportpics

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Ein anderer Deutscher wird die WM in eher schmerzhafter Erinnerung behalten. Schiedsrichter Benjamin Göntgen bekommt im Viertelfinale zwischen Korea und Niederlande den Ball nach einem zur Seite abgefälschten Strafeckenschlenzer mit voller Wucht ins Gesicht. Mehrere Operationen sind nötig, um die teilzerstörte Knochenstruktur wieder zu richten. Es gleicht einem Wunder, dass der 39-Jährige keine drei Monate später wieder ein Bundesligaspiel leitet und im August sogar das EM-Finale pfeifen wird.

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Zu einem Außerordentlichen Bundestag (der erst sechste in der 114-jährigen Geschichte des DHB) hat das Präsidium des Deutschen Hockey-Bundes für 4. Februar nach Frankfurt geladen. Mit einer Umlage und einer Beitragserhöhung will die Verbandsführung die Fortsetzung des „DHB Digital“-Projekts absichern. Die Vereinsdelegierten geben grünes Licht für beide Anträge. Das wird dem DHB rund 400 000 Euro zusätzliche Gelder in die klammen Kassen spülen.

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Unweit des Tagungshotels werden in der Main-Metropole tags darauf die 61. Deutschen Hallenmeister ermittelt. Die Mannschaften mit der stärksten Defensive nehmen am Ende die Titel mit. Knapp 4500 Zuschauer in einer nahezu komplett gefüllten, fantastischen Arena verfolgen, wie die Damen des Düsseldorfer HC (4:1 im Finale gegen Club an der Alster) ihren Titel erfolgreich verteidigen und wie sich die Herren des Harvestehuder THC (3:2 über Club an der Alster) nach acht Jahren wieder auf den Thron setzen. Mit Selin Oruz und Tobias Hauke bekommen zwei ganz große Namen unseres Sports die MVP-Sonderpreise ausgehändigt.

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Dass die Düsseldorfer Damen ihrer nationalen Meisterschaft nicht noch einen europäischen Hallentitel hinzufügen können, hat vor allem mit einer großen Naturkatastrophe zu tun. In der Türkei wütet ein furchtbares Erdbeben mit zehntausenden Toten und zerstörter Infrastruktur in vielen Orten. Die Hockeyverbände der Türkei und von Europa als Dachorganisation kommen überein, die in Alanya Mitte Februar geplanten Europacupturniere ausfallen zu lassen. Bei der EC-Endrunde der Herren wäre im Übrigen gar kein deutsches Team am Start gewesen, nachdem Deutschland im Vorjahr nach der kurzfristige Corona-Absage von Rot-Weiss Köln zwangsabgestiegen war. Die Scharte wetzen die Herren des Mannheimer HC aus, die durch den Gewinn des Euro-Trophy-Turniers in eigener Halle für den schnellen deutschen Wiederaufstieg sorgen.

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Über den Gewinn der Deutschen Hallenmeisterschaft im Nachwuchsbereich freuen sich Ende Februar/Anfang März Bremer HC (WU18), Harvestehuder THC (WU16, MU14), Berliner HC (WU14) und Mannheimer HC (MU18, MU16).  

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Der 59. Bundesjugendtag am 10./11. März in Lübeck kann hinter einen jahrelang schwelenden Sachverhalt, der sich unter dem Stichwort „Rostocker Erklärung“ einen Namen machte, einen Haken setzen. Mit großer Mehrheit stimmen die Jugendvertreter einem Antrag zur Einführung einer Ausbildungsentschädigung zu. Basis ist ein von einer Arbeitsgruppe über zwei Jahre hinweg erstelltes Konzeptpapier, das das Prozedere bei Vereinswechseln von Jugendlichen in geordnete Bahnen lenken soll.

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Die Fortsetzung der niederländischen Dominanz in der Euro Hockey League können auch die besten deutschen Vereinsmannschaften nicht verhindern. Beide EHL-Titel gehen über die Osterfeiertage im Wagenerstadion von Amsterdam einmal mehr an holländische Clubs. Bei den Damen ist der Deutsche Meister Düsseldorfer HC im Halbfinale gegen den späteren Sieger HC Den Bosch lang dran an einer Überraschung, verliert dann aber doch 1:2. Am Ende kann sich der DHC über Bronze freuen. Noch eine Stufe höher geht es für die Herren von Rot-Weiss Köln. Der Deutsche Meister schafft wie 2022 den Sprung ins Finale, um dort erneut dem HC Bloemendaal zu unterliegen. Statt 0:4 wie im Vorjahr diesmal nur 0:1, aber der schmeichelnde Vergleich der Resultate ist nur ein schwacher Trost. Für die beiden weiteren deutschen Herren-Vertreter im Final8-Turnier, Harvestehude und Hamburger Polo Club, bleibt lediglich der gemeinsame siebte Platz.

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Da die schwierigen Themen (Umlage/Beitragserhöhung) bereits Anfang Februar in Frankfurt abgeräumt wurden, ist der 56. Ordentliche Bundestag am 6. Mai in Berlin eine harmonische Angelegenheit. Im Beisein des FIH-Chefs Ikram wird die DHB-Führung um Präsident Henning Fastrich ohne Gegenkandidaten und ohne Gegenstimmen im Amt bestätigt. Die höchste DHB-Auszeichnung, die Paul-Reinberg-Plakette, bekommt in diesem Jahr der langjährige Trainer Horst Ruoss (Stuttgart).

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Für einige Minuten darf der Mannheimer HC als Ausrichter des Final-Four um die Deutsche Feldmeisterschaft am 3./4. Juni von einem Doppeltriumph seiner beiden Bundesligateams träumen. Nachdem die MHC-Damen im 77. DM-Finale mit einem gewonnenen Shoot-out (nach 1:1 im Spiel) über den Club an der Alster erstmals den Meistertitel bejubeln können, führt anschließend im 80. Herren-Finale der MHC zur Halbzeit. Doch Titelverteidiger Rot-Weiss Köln rückt die Dinge mit einem starken zweiten Durchgang zurecht, gewinnt 3:2 und feiert schließlich einen seltenen Meister-Hattrick. Vertreter der beiden Meister werden zu den besten DM-Spielern auserkoren: Lucia Jimenez und Thies Prinz. Kuriose Nebengeschichte: Damen-Titelverteidiger Düsseldorf muss den Verlust der Meisterschale melden.

 

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Einen Hamburger Doppelsieg bringen die U16-Länderpokale. Beim 68. Hessenschild der Mädchen in München wie auch beim 70. Franz-Schmitz-Pokal der Jungen in Frankfurt triumphieren am 18. Juni die Auswahlmannschaften des Hamburger Hockey-Verbandes.

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Berlin präsentiert sich Mitte Juni als toller Gastgeber der Special Olympics World Games 2023, den Weltspielen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung. Und Hockey (Specialhockey) macht dabei an historischer Stätte, dem Hockey-Olympiastadion von 1936, als offizieller Demonstrationssport im SOWG-Programm der 26 Sportarten eine sehr beachtliche Figur. Dass eines der beiden deutschen Teams sogar als Sieger seiner Leistungskategorie hervorgeht, liefert auch medial tolle Bilder. Auch im August bei der EM in Mönchengladbach steht die deutsche Specialhockey-Auswahl in ihrem Wettbewerb ganz oben.

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So viel deutsche Mannschaften wie nie zuvor bei diesen Veranstaltungen nehmen zwischen 23. Juni und 23. Juli an den Masters-Europameisterschaften teil. Bei den verschiedenen EM-Events in Valencia (65-75 Jahre; später 55-60) und Nottingham (35-50) sind zusammen 17 deutsche Vertretungen (fünf weiblich, zwölf männlich) dabei. Die Silbermedaille der M40-Herren wird die beste Platzierung. Daneben gibt es fünf Bronzemedaillen, vier vierte und sechs fünfte Plätze sowie einen sechsten Rang für die deutschen Teams. Mit zehn Titeln erweist sich England einmal mehr als leistungsstärkste europäische Nation im Mastersbereich.

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Die vierte Saison der FIH Pro League endet mit einem niederländischen Doppelsieg. Die beiden DHB-Teams schließen als Fünfter (Damen) und Sechster (Herren) ihrer Neunergruppe ab und nutzen die Weltliga einmal mehr, um sich auf höchstem Niveau auf wichtige Meisterschaften, in diesem Jahr die EM, vorzubereiten.

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EM-Gastgeber, Teil 1: Vom 8. bis 16. Juli sind Europas beste U18-Teams in Deutschland zu Gast, erstmals übrigens in der Geschichte der Nachwuchs-Europameisterschaften. Der Crefelder HTC ist Ausrichter der 12. EM. Den Heimvorteil nutzen sowohl die deutschen Mädchen als auch die Jungen zur erfolgreichen Titelverteidigung. Die weibliche U18 von Bundestrainer Nicklas Benecke benötigt nach einem torlosen Finale gegen Belgien ein erfolgreiches Shoot-out (3:2), die männliche U18 von Cheftrainer Peter Maschke hat ebenfalls Belgien als Endspielgegner und gewinnt 3:2.

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EM-Gastgeber, Teil 2: Ende August ist Mönchengladbach Austragungsort des wichtigsten europäischen Doppelturniers des Jahres. Es geht im Hockeypark nicht nur um den 16. EM-Titel der Damen und den 19. Titel der Herren, den Siegern im Wohnzimmer des deutschen Hockeysports winkt auch die Eintrittskarte für Olympia 2024. Bei den deutschen Damen hofft man, mit Unterstützung des Heimpublikums dem Weltmarktführer Niederlande ein Bein stellen zu können. Der Plan geht nicht auf. Die bittere 0:1-Halbfinalniederlage gegen Belgien verhindert, dass es überhaupt zum Showdown gegen Oranje kommt. Am Ende muss sich die Truppe von Cheftrainer Valentin Altenburg mit der Bronzemedaille zufriedengeben. Dass die DHB-Damen damit sogar besser abschneiden als ihre männlichen Kollegen, kommt überraschend. Herren-Weltmeister Deutschland tut sich bei der EM schwer, pendelt schon in der Gruppenphase zwischen Tief (3:3 gegen Wales) und Hoch (3:0 gegen die Niederlande) und hat in der K.O.-Phase keine offensive Durchschlagskraft mehr. Wie schon im WM-Viertelfinale (2:2) kommt es im EM-Halbfinale (0:0) gegen England zum Shoot-out, mit dem diesmal besseren Ende für die Briten. Für die Honamas geht anschließend auch das Spiel um Platz 3 gegen Belgien ohne eigenes Tor verloren (0:2). Die Wahl von Teo Hinrichs zum besten EM-Spieler und Jean Danneberg zum besten EM-Torhüter können die sportliche Enttäuschung über Platz vier kaum lindern. Großer Triumphator in Mönchengladbach sind die Niederlande, die beide Titel mitnehmen.
Mit rund 70.000 Zuschauern an zehn Spieltagen und viel Lob von Gästen und offiziellen Stellen kann der Deutsche Hockey Bund auf eine gelungene EM-Ausrichtung blicken. Der neu gewählte EuroHockey-Präsident Marcos Hofmann (Spanien) spricht von einem „spektakulären Turnier“.

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Der Westen und Hamburg dominieren bei den Deutschen Feldmeisterschaften der Jugend. Die blauen Siegerwimpel gehen an Uhlenhorst Mülheim (MU16, WU14), Harvestehuder THC (WU18, MU14), Rot-Weiss Köln (MU18) und Düsseldorfer HC (WU16).

 

Zehn Tage lang ist Ende August der Hockeypark in Mönchengladbach der Schauplatz des größten und wichtigsten Turniers 2023 auf deutschem Boden. Jeden Tag die das größte Hockeystadion Europas mit knapp 10 000 Zuschauerplätzen zu füllen, gelingt bei dieser Doppel-Europameisterschaft nicht, mit 70.000 Besuchern ist der Deutsche Hockey-Bund als Ausrichter aber durchaus zufrieden. Sportlich werden die gesetzten Ziele mit Platz 3 (Damen) und 4 (Herren) der deutschen Teams nicht erreicht.   Foto: Kaste 

 

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Als eine der jüngsten Mannschaften im Turnier können die deutschen Juniorinnen bei der 10. Weltmeisterschaft in Santiago/Chile ein drohendes Aus in der Gruppenphase noch abwenden. Aber im Viertelfinale gegen England (0:1) endet der Traum von einer Medaille. Die DHB-Auswahl um ihrem scheidenden Bundestrainer Akim Bouchouchi (er wird Bundestrainer Wissenschaft; das U21-Team übernimmt als Trainer Dominic Giskes) kommt schließlich als Sechster von 16 Teams ins Ziel. Die niederländische U21 verteidigt ihren Titel erfolgreich.

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Erfolgreicher für Deutschland läuft die 13. WM der Junioren. In Kuala Lumpur/Malaysia stemmt die männliche U21 von Bundestrainer Rein van Eijk am Ende den Siegerpokal in die Luft. Schon zum siebten Mal ist der deutsche Nachwuchs die weltbeste Einheit, wenn es darum geht, innerhalb eines Turniers allen Widrigkeiten zu trotzen und den längsten Atem zu besitzen. Im Finale am 16. Dezember wird Frankreich mit 2:1 geschlagen.

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Jubiläumsturniere stehen beim U15-Hallen-Länderpokal in Berlin an. Beim 50. Rhein-Pfalz-Pokal gehen die Jungen des Westdeutschen Hockey-Verbandes als Sieger hervor, den 40. Berlin-Pokal der Mädchen gewinnt Berlin.

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Große Ehre für André Henning und Ben Göntgen: Von internationalen Expertengremien werden sie zum Welthockey-„Trainer des Jahres“ (Henning) und „Schiedsrichter des Jahres“ (Göntgen) im Rahmen der FIH Hockey Stars Awards 2023 gekürt. Vier andere Deutsche, die in anderen Kategorien auf einer jeweils aus fünf Köpfen bestehenden Shortlist Eingang gefunden haben, gehen in einer Online-Wahl dagegen leer aus. So wird nicht Sonja Zimmermann Welthockeyspielerin des Jahres, sondern die Niederländerin Xan de Waard; nicht Niklas Wellen Spieler des Jahres, sondern der Inder Hardik Singh; nicht Julia Sonntag Torhüterin des Jahres, sondern die Inderin Savita und nicht Jean Danneberg Torhüter des Jahres, sondern der Niederländer Pirmin Blaak.               lim