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Wer kommt ins Viertelfinale und wer nicht? – eine Einschätzung

25.07.2024 - Wie könnte die Gruppenphase des olympischen Hockeyturniers in Paris laufen? Wir haben die Besetzungen der Sechserfelder mal etwas genauer angeschaut und geben unsere Einschätzung ab, welche Teams das Viertelfinale erreichen sollten und für welche das Turnier nach Abschluss ihrer fünf Gruppenspiele vermutlich beendet ist.

 

Damen, Gruppe A: Danas treffen früh auf den Topfavoriten

 

Deutschlands Damen haben es wie 2021 in Tokio (damals 1:3) auch in Paris wieder mit den Niederlanden bereits in der Gruppenphase zu tun, gleich in ihrem zweiten Turnierauftritt. Das Gute daran ist aus deutscher Sicht, dass man dem Weltranglistenersten und Topfavoriten auf die Goldmedaille auf keinen Fall im Viertelfinale begegnen kann. Um den Holländerinnen dann auch in einem möglichen Halbfinale aus dem Weg zu gehen, sollte das Ziel der DHB-Auswahl sein, die Gruppe A zumindest als Tabellenzweiter hinter dem mutmaßlich auf Platz eins einlaufenden Oranje-Team zu beenden.

Der für Deutschland ernsthafteste Konkurrent um Platz zwei dürfte Belgien sein. Auch wenn dem belgischen Team die Erfahrung auf olympischer Bühne fehlt (nur 2012 mal dabei gewesen), so ist der aktuelle Vizeeuropameister längst zur echten Weltklassemannschaft gereift, der man in Paris ohne Weiteres den Sprung in die Medaillenränge zutrauen darf. Den Sprung ins Viertelfinale sollte Belgien auf alle Fälle schaffen. Dorthin gehört auch China. Die Arbeit der seit zwei Jahren dort tätigen Welthockeytrainerin Alyson Annan trägt langsam Früchte. „Die Truppe ist gut genug, um in Paris auf dem Podium zu stehen“, hält der neue Co-Trainer Ric Charlesworth seine Chinesinnen sogar für medaillenreif.

Krasse Außenseiter auf einen der wichtigen ersten vier Tabellenplätze sind die Mannschaften von Japan und Frankreich. Beim deutschen Auftaktgegner Japan dürften die Chancen auf einen Punktgewinn größer sein als beim Olympianeuling und Gastgeber Frankreich.

 

DHZ-Einschätzung zur Gruppe A:

1.Niederlande

2.Deutschland

3.Belgien

4.China

5.Japan

6.Frankreich

 

Damen, Gruppe B: USA könnte zum Überraschungsfaktor werden

 

Anders als die europäisch geprägte Gruppe A ist die Zusammensetzung der Gruppe B der Damen ein interessanter Mix. Sechs Mannschaften aus vier Kontinenten konkurrieren hier um die vier Plätze im Viertelfinale. Zum Zeitpunkt der Gruppeneinteilung des Zwölferfeldes für Paris lag Australien noch auf Position 2 der Weltrangliste (inzwischen: 5) und bildete damit den Kopf der Gruppe B. Dahinter folgten Argentinien (3; jetzt wieder Zweiter), Großbritannien (6), Spanien (7), USA (12; jetzt 13) und Südafrika (18).

Beim zurückliegenden Olympiaturnier in Tokio waren sich Australien, Argentinien und Spanien ebenfalls bereits in der Gruppenphase begegnet. Und damals landete Argentinien lediglich auf Rang drei hinter Australien und Spanien. Während das Topduo seine gute Gruppenplatzierung dann nicht ummünzen konnte und im Viertelfinale gegen schlechter platzierte Teams der anderen Gruppe scheiterte (Australien sensationell 0:1 gegen Indien, Spanien nach 2:2 im Shoot-out an Großbritannien), bügelte Argentinien sein mageres Abschneiden in der Gruppe (u.a. 0:3 gegen Neuseeland, 0:2 gegen Australien) mit einem 3:0 im Viertelfinale gegen Deutschland (Zweiter der Gruppe A) aus.

Wenn in Paris alles normal läuft, müssten sich die vier am höchsten in der Rangliste platzierten Teams für die nächste Runde durchsetzen können, wobei Argentinien das Rennen um Platz eins machen sollte. Australien sollte trotz einer in der Summe eher mäßigen Pro-League-Saison auch keine Probleme haben, sein Ticket fürs Viertelfinale zu lösen. Das könnte für Großbritannien und Spanien vielleicht schon ein bisschen schwerer werden. Den Spanierinnen fehlt die aktuelle Spielpraxis gegen die absolute Weltklasse, weil sie nicht dem Elitekreis der Pro League angehörten. Und die Britinnen scheinen nicht so sattelfest. Erst kürzlich verloren sie gegen Pro-League-Absteiger USA 1:3. Sollte sich so etwas in der olympischen Gruppenphase wiederholen, könnte es unter Umständen eng wegen für GB. Die US-Amerikanerinnen könnten mit ihrem jungen, talentierten Team zum Überraschungsfaktor in dieser Gruppe werden. Südafrika könnte ein ähnliches Schicksal blühen wie zuletzt in Tokio: fünf Gruppenspiele, fünf Niederlagen

 

DHZ-Einschätzung zur Gruppe B:

1.Argentinien

2.Australien

3.Spanien

4.USA

5.Großbritannien

6.Südafrika

 

 

In Tokio gewann das deutsche Team (hinten Benedikt Fürk, rechts Christopher Rühr) das Gruppenspiel gegen die Niederlande (in oranje Seve van Ass) mit 3:1. Mit dem Sieg sicherte sich die DHB-Auswahl den zweiten Platz hinter Belgien. Foto: Worldsportpics

 

Herren, Gruppe A: Wie eine kleine EM mit einem Farbtupfer

 

Als eine kleine Europameisterschaft mit afrikanischem „Farbtupfer“ könnte man die Gruppe A des olympischen Herrenturniers umschreiben. Fünf europäische Teams (Niederlande, Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich) und Afrikameister Südafrika kämpfen um die vier Plätze im Viertelfinale.

Interessant ist dabei der Umstand, dass sich vier der sechs Teams zuletzt in Tokio 2021 bereits in der olympischen Vorrunde gegenüberstanden. Deutschlands Herren lagen dabei als Gruppenzweiter (hinter dem späteren Olympiasieger Belgien) an der Spitze des Quartetts vor Großbritannien, Niederlande und Südafrika. Während die DHB-Auswahl gegen die Holländer (3:1) und die Briten (5:1) konzentrierte und starke Auftritte hinlegte, blamierte sie sich mit einer fahrigen Darbietung gegen Südafrika (3:4).

Unterschätzen wird die Afrikaner nach ihrem starken Auftritt in Tokio bestimmt keiner mehr. Und so sehr man es Südafrika sowie auch Gastgeber Frankreich gönnen würde, in die K.O.-Runde einzuziehen, so unwahrscheinlich ist das Szenario am Ende doch. Die Favoriten auf die wichtigen ersten vier Plätze sind eindeutig die europäischen Topteams. Und hier haben normalerweise Europameister Niederlande und Weltmeister Deutschland den ersten Zugriff auf die beiden Toppositionen eins und zwei, Großbritannien und Spanien könnten als Dritter und Vierter ins Viertelfinale einziehen.

 

DHZ-Einschätzung zur Gruppe A:

1.Deutschland

2.Niederlande

3.Großbritannien

4.Spanien

5.Frankreich

6.Südafrika

 

 

Herren, Gruppe B: Die Tokio-Finalisten begegnen sich diesmal früh

 

Das Kontrastprogramm zur sehr europalastigen Gruppe A ist das Teilnehmerfeld der Gruppe B. Die sechs Mannschaft entstammen aus vier verschiedenen Kontinenten. Zu den Europäern Belgien und Irland gesellen sich die Ozeanien-Größen Australien und Neuseeland, dazu kommen die Meister aus Asien (Indien) und Amerika (Argentinien). Alleine schon diese Divergenz verleiht dem Ganzen einen großen Reiz.

Geht man nach den aktuellen Platzierungen der Weltrangliste, so könnte entsprechend der Abstufung auch die Abschlusstabelle dieser Gruppe aussehen. Olympiasieger Belgien ist zusammen mit dem aktuellen Pro-League-Gewinner Australien der Favorit auf Platz eins. Hinter den beiden Finalisten von Tokio sind Indien und Argentinien die ersten beiden Anwärter auf die ebenfalls für das Viertelfinale reichenden Plätze drei und vier. Neuseeland könnte diese Positionen am ehesten angreifen. Allerdings wäre es auch keine wirkliche Sensation, wenn die Black Sticks wie in Tokio als Gruppenfünfter den großen Cut verpassen sollten.

Für Irland wäre schon ein Punktgewinn ein erheblicher Prestigegewinn, auf ein Durchkommen in die K.O.-Phase zu spekulieren, scheint sich angesichts der Stärke der Konkurrenz zu verbieten.

 

DHZ-Einschätzung zur Gruppe B:

1.Australien

2.Belgien

3.Indien

4.Argentinien

5.Neuseeland

6.Irland