Mit einem 3:1-Sieg im Hamburger Derby gegen den Harvestehuder THC ist nicht nur den Herren vom Der Club an der Alster ein Saisoneinstand nach Maß gelungen, sondern auch dem neuen Alster-Cheftrainer Aditya Pasarakonda. Der Schweizer mit indischen Wurzeln, seit Jahrzehnten im deutschen Hockey aktiv, hat als Nachfolger von Sebastian Biederlack eine Mannschaft übernommen, die vorige Bundesligasaison zu den Enttäuschungen gehörte und einem drohenden Abstieg gerade noch entging. Wie er mit dieser Ausgangslage, einer deutlich veränderten Personalsituation und auch seiner neuen Rolle als verantwortlicher Coach umgeht, hat Pasarakonda (39) im Interview mit DHZ-Mitarbeiter Julius Hayner erzählt.
Herr Pasarakonda, Glückwunsch zum Auftaktsieg in ihrer neuen Rolle als Cheftrainer der Alster-Herren. So haben Sie sich ihren persönlichen Einstand in der Bundesliga auf dem Feld sicherlich vorgestellt, richtig?
ADITYA PASARAKONDA: Genau so vorgestellt vielleicht nicht, aber ich hatte mir schon erhofft, dass es ein ausgeglichenes Spiel wird, und natürlich wünscht man sich auch einen Sieg. Besonders zum Start beflügelt einen das natürlich auch in dem, was man macht und in der Vorbereitung gemacht hat. Das gibt einem etwas Ruhe und nimmt die Aufregung. Einen besseren Start hätte es also vom Ergebnis nicht geben können.
Wie haben Sie das Spiel gegen den Harvestehuder THC denn vom Seitenrand erlebt?
Wir waren noch weit entfernt vom perfekten Spiel, aber der Kampf, die Leidenschaft und das Miteinander haben schon absolut gestimmt. Und das hat für uns, so haben wir das festgelegt, einen sehr hohen Stellenwert in dieser Saison. Wir waren also nicht feldüberlegen, über die gesamte Spiellänge hatte der HTHC sicherlich deutlich mehr den Ball und hat ein gutes Spiel gemacht. Uns hat am Samstag unsere unfassbare Effizienz ausgezeichnet. Wir haben aus unseren wenigen Chancen sehr viel gemacht. Ein gutes Eckentor durch Nikolas Wellen, eine glücklich abgefälschte Rückhand von Lasse Mink und ein wirklich schönes Tor aus dem Pressing heraus durch Ferdi Steinebach. Alles Elemente, die man so trainiert oder besprochen hat - und etwas Spielglück braucht es dann manchmal auch. Das ist natürlich cool, dass es dann mit so einer Effizienz aufgeht. Auch im eigenen Kreis haben wir gut verteidigt und haben wenig hundertprozentige Chancen zugelassen. Das, was dann auf unser Tor kam, hat Nici Hillmann dann gut gehalten. Das hat insgesamt gepasst.

Aditya Pasarakonda mit Alster-Kapitän Simon Mundorf (links). Foto: Tischler
Es war nicht nur ihr Debüt an der Seitenlinie, sondern beispielsweise auch das der ersten beiden Torschützen, die Sie gerade schon erwähnt hatten. Wie zufrieden sind Sie mit der Performance der „Neuen“?
Die meisten Transfer-Entscheidungen sind ja schon vor meiner Zeit gefallen. Hillmann, Green, Wellan und Mink waren schon verpflichtet, da stand meine Entscheidung noch gar nicht fest. Nur Hobson und Davies kamen quasi in meiner Zeit noch zum Kader dazu. Deswegen war ich selbst gespannt. Ich bin aber sehr zufrieden mit der Performance, alle haben direkt abgeliefert. Andrew Hobson hat blitzsauber verteidigt und ein ordentliches Aufbauspiel hingelegt, Nici Hillmann hat - wie schon gesagt - sehr gut gehalten, Nikolas Wellen trifft per Ecke, und Lasse ist als Stürmer direkt mit einem Tor gestartet, hat aber für uns vor allem auch defensiv einen sehr hohen Stellenwert. Jamie Green ist ein ganz junger Schotte mit viel Tempo und Spielwitz, braucht aber noch ein bisschen länger, um sich an dieses hohe Niveau zu gewöhnen. Das ist aber allgemein völlig normal für einen so jungen Spieler.
Eine vielleicht etwas überraschende Personal-Entscheidung haben Sie auch getroffen. Statt der Nummer Eins der vergangenen Jahre, Thomas Alexander, stand der Flottbeker Neuzugang Nicolas Hillmann zwischen den Pfosten. Wie kam es zu der Rotation im Alster-Tor?
Wir haben zwei gute Torhüter, die beide in der Vorbereitung gute Leistungen gezeigt haben. Wir haben gesagt, dass beide Spielzeit erhalten werden. Dieses Spiel hat Nici das Vertrauen bekommen. Es gibt aber keine klare Nummer Eins. Das entscheiden wir von Spiel zu Spiel.
Kommen wir nun zu Ihnen: In Hockey-Deutschland kannte man sie zuletzt eher als „Mann im Hintergrund“. Zum Beispiel als ersten hauptamtlichen Co-Trainer der Nationalmannschaft, als Berater beim Berliner HC oder wie zuletzt als Co-Trainer beim UHC Hamburg. Jetzt stehen Sie in erster Reihe und tragen die Hauptverantwortung. Wie kam es zum Rollenwechsel und müssen Sie sich dafür selbst wieder neu erfinden?
Die Entscheidung für die Arbeit im Hintergrund war ja bewusst gewählt in den letzten Jahren. Zunächst ging es nicht anders, da meine Tätigkeit beim DHB keine Position als Cheftrainer irgendwo zuließ und es auch zeitlich gar nicht abzubilden gewesen wäre. Jetzt muss ich natürlich einen Switch machen, irgendwo aber auch nicht. Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr als Trainer tätig und war seitdem deutlich mehr Jahre in der Verantwortung als im Hintergrund. Den Außeneindruck als „Mann im Hintergrund“ habe ich in den letzten Jahren aber auch sehr genossen. Man kann ohne viel Verantwortung und Aufmerksamkeit viel machen und bewegen. Aber ich hätte dieser neuen Aufgabe nicht zugesagt, wenn sie mir nicht taugen würde. Es kam tatsächlich sehr überraschend für mich. Ich habe mich sehr wohl beim UHC Hamburg gefühlt, und es hat alles hervorragend gepasst. Mit der Anfrage kam ich dann selbstverständlich ins Grübeln: „Warum eigentlich nicht?“. Ich habe schnell in mir gemerkt, dass da eine große Lust ist, Cheftrainer zu sein. Die Leute, die mich kennen, wissen, dass mir die Bezeichnung oder irgendeine Rolle egal ist. Ich arbeite so oder so mit Vollgas und Akribie. Deswegen hat sich an meiner Herangehensweise nicht viel verändert - nur dass ich jetzt die volle Verantwortung trage. Und das ist eine schöne Challenge.
Ihr direkter Vorgänger Sebastian Biederlack sowie auch Spieler und Verantwortliche bei Alster sprachen oftmals von einem „Projekt“ und einer längerfristigen Entwicklung bei der Herren-Mannschaft. Letztes Jahr gab es dann einen deftigen Rückschlag auf diesem Weg. Wir gehen Sie diese Aufgabe nun an?
Das ist eine ziemlich große Frage. Ich habe mich mit den Jungs ziemlich schnell darauf geeinigt, dass wir nicht zurückblicken wollen und wir all das, was vor unserer Zeit passiert ist, schnell abschließen wollen. Wenn man die Mannschaft als Außenstehender sieht, hat man schon eine gewisse Meinung und stellt sich Fragen. Für mich war es natürlich auch wichtig zu wissen, ob diese Eindrücke stimmen oder nicht. Mein Zugang zu dieser Thematik war also, ohne irgendwem Fehler in die Schuhe schieben zu wollen, die Innenansicht zu hören. Damit war es dann auch abgehakt. Die Themen, die anders laufen müssen, kamen dann viel mehr von den Jungs selbst als von mir. Die hatten da eine ziemlich hohe Klarheit, dass sie selbst etwas ändern wollen und müssen. Die intrinsische Motivation, nicht nochmal so eine Leistung abrufen zu wollen, bietet mir dann auch viel mehr Möglichkeiten. Als Trainer kann ich meinen eigenen, vielleicht neuen Ansatz viel besser umsetzen, wenn die Jungs auch Bock darauf haben. Da geht es dann alleine schon darum, dass die Motivation beispielsweise höher ist, doch nochmal eine Kraft- oder Laufeinheit am Morgen mehr zu machen. Solche Sachen laufen natürlich besser, wenn es neue Veränderungen gibt. Die Frage, wohin es mit dieser Truppe geht, gibt es ja bei Alster gefühlt schon immer. Alster ist ein großer Name in der Bundesliga, und das Versprechen, ein Projekt zu starten, gab es gefühlt vor jedem Jahr. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns nicht zu sehr von äußeren Stimmen lenken lassen wollen. Wir wollen bestimmen, wofür Alster steht. Da sind wir gerade in der Findungsphase, da sich die Mannschaft immer noch oder schon wieder in einem großen Umbruch befindet. In den letzten Jahren sind viele Mannschaftssäulen weggebrochen, die Strukturen formen sich gerade neu. Das ist ein Prozess, aber noch ohne definiertes Ziel. Klar wollen wir alle möglichst erfolgreich sein und im Idealfall auch wieder ganz oben stehen. Dafür trainieren die Jungs jeden Tag. Aber das wollen wir nicht als irgendein Projekt betiteln. Es tut uns gut, an einzelnen Elementen zu arbeiten und daran zu wachsen. Wir haben das Saisonziel so formuliert, dass wir besser als vergangene Saison abschneiden wollen. Das sind erst einmal die Play-offs.

Nach Abpfiff und den ersten drei Punkten auf dem Konto war auch der Gesichtsausdruck des neuen Alster-Chefcoaches deutlich entspannter. Foto: Tischler
Wenn Sie sich also die Schlagzeile, die am Ende über der Saison der Alster-Herren steht, aussuchen dürften, wie würde die lauten?
Ich will keine „One Hit Wonder“-Schlagzeile mit dieser Mannschaft schreiben. „Mit Konstanz zur Spitze“ sollte, wenn, dann unser Buchtitel heißen, und das Schlusskapitel heißt dann „Ende Gut, alles Gut“.
Blicken wir zum Abschluss noch auf den nächsten Spieltag. Es geht für Sie in den Westen. Genauer gesagt zum Aufsteiger aus Gladbach und zum amtierenden Deutschen Meister. Wie gehen Sie das Wochenende an?
Erst einmal werden sich durch unter anderem das Wiederkehren der australischen Nationalspieler die Team-Konstellationen wieder ändern. Sowohl für Krefeld als auch für uns. Da gilt es vor allem, schnell wieder reinzufinden in die neue Konstellation. Dann hat Gladbach gegen Mannheim schon gezeigt, dass man sie sehr, sehr ernst nehmen muss. Das war als Aufsteiger in Mannheim schon eine super Leistung. Das Spiel müssen wir mit genau der gleichen Leidenschaft und Konzentration wie ein Heim-Derby gegen den HTHC angehen. Dass zuhause im Derby es natürlich leichter fällt, solche Kräfte freizusetzen als auswärts, ist logisch. Aber diesen Step müssen wir machen, wenn wir genau solche Spiele gewinnen wollen. Darauf wird diese Woche der Fokus liegen. Mit Krefeld beschäftigen wir uns dann erst ab Samstagabend, vorher nicht.
Vielen Dank für das Gespräch!







