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John Dammertz: „Wir würden alle mal gerne ein Final-Four spielen“

Ein starkes Jahr liegt hinter John Dammertz. Der Berliner wurde 2025 mit der deutschen U18-Nationalmannschaft Europameister und gewann mit der U18 der Zehlendorfer Wespen den DM-Titel im Feld. Auch in der aktuellen Hallensaison läuft es prächtig. Die Wespen sind die einzige von 24 Mannschaften der 1. Bundesliga Herren, die nach sechs von zehn Spieltagen noch keinen Punktverlust hinnehmen musste. Mit 72 Toren haben die Zehlendorfer auch die meisten Treffer erzielt, alleine 30 gehen auf das Konto von John Dammertz, der mit weitem Abstand die Torjägerliste anführt. DHZ-Mitarbeiter Julius Hayner hat sich mit dem 18-jährigen Überflieger über das zurückliegende Jahr und die weiteren Ziele in der Hallensaison unterhalten. Im Interview kommt auch zutage, dass nicht alle Hockey-Träume von John Dammertz erfüllt wurden.  

John, wie hast Du die hockeyfreie Zeit über Weihnachten und Neujahr verbracht? Hast Du den Schläger mal komplett liegen lassen können?

JOHN DAMMERTZ: Ja, wir hatten die Tage komplett frei, mussten nur unser Laufprogramm absolvieren. Ich habe die Zeit natürlich viel mit der Familie verbracht, war bei den Großeltern über Weihnachten und hatte eine erholsame Zeit. Ansonsten bin ich einfach zuhause in Berlin gewesen und habe viel mit Freunden gemacht.

 

Für Dich ging ein äußerst erfolgreiches Jahr zu Ende. Du wurdest 2025 unter anderem Europameister mit der U18-Nationalmannschaft und Deutscher Meister mit U18-Jugend der Wespen. Wie blickst Du auf das Jahr zurück?

Es war schon ein besonderes Jahr. In der Familie schreiben wir uns immer Ziele für das Jahr auf und lesen uns dann auch nochmal die Ziele für das abgelaufene Jahr durch. Bei mir stand für 2025 tatsächlich die Deutsche Meisterschaft und Europameisterschaft drauf. Dass das dann so in Erfüllung geht, ist natürlich schön. Beides sind auch besondere Titel. Ich bin zum ersten Mal mit der Wespen-Jugend Deutscher Meister auf dem Feld geworden - als erste Mannschaft überhaupt in der Vereins-Historie. Europameister war ich auch noch nie zuvor. Es lief einfach alles, auch mit den Herren. Deswegen darf ich schon sehr zufrieden mit meinem Hockey-Jahr sein.

 

In der aktuellen Hallensaison bleibt der Erfolg bisher auch nicht aus. Ihr seid souveräner Tabellenführer in der Gruppe Ost und die einzige Mannschaft, die im neuen Jahr noch eine makellose Bilanz vorweisen kann. Was macht Euch diese Spielzeit so außergewöhnlich stark?

Wir sind ein sehr, sehr junges Team und kennen uns alle schon seit Jahren aus der Jugend. Wir sind dadurch sehr eingespielt, haben alle die gleiche Idee von Hockey. Wir sind sehr verspielt und harmonieren gut. Diese Jugendlich- und Leichtigkeit macht uns gerade sehr stark. Wir spielen sehr befreit auf. Wir haben zwar auch einen „älteren“ Spieler auf der Platte, aber der spielt auch unser Jugendhockey (lacht). Es harmoniert einfach sehr gut. Gemeinsam als Team haben wir auch jetzt eine Saison mehr Erfahrung im Herrenhockey. Das ist immer noch wenig Bundesliga-Erfahrung im Vergleich zu anderen Mannschaften, aber uns hilft es augenscheinlich in dieser Saison. Es macht einfach Spaß, mit dieser Mannschaft Hockey zu spielen.

 

John Dammertz (in weiß) bei der U18-Europameisterschaft im Juli 2025 im Spiel gegen England. Als bester EM-Torschütze mit neun Treffern trug Kapitän Dammertz maßgeblich zum deutschen Titelgewinn in Lille bei. Foto: Worldsportpics

 

Der Osten war in den vergangenen Jahren in der Hallensaison von einer fast schon absurden Dominanz des Berliner HC geprägt. In den letzten Jahren seid Ihr immer näher herangerückt. Ist es ein besonderer Ansporn für Euch, diese Serie des BHC zu durchbrechen?

Auf jeden Fall. Für uns alle war auch das Derby gegen den BHC sehr wichtig. Wir wollten unbedingt mal gewinnen, auch nach der Niederlage auf dem Feld. Das war ein besonders gutes Gefühl. Und Ost 1 zu werden, ist immer unser Ziel. Das Viertelfinale zuhause spielen zu dürfen, ist einfach was Besonderes - und erhöht die Chancen auf das Final-Four. Das hat von uns bisher noch niemand erleben dürfen. Soweit ich denken kann, hat auch noch nie eine andere Berliner Mannschaft außer dem Berliner HC das Heimrecht im Viertelfinale gehabt. Da sehnt man sich nach.

 

Die Rivalität gibt es mittlerweile nicht nur in der Halle, sondern nach dem Erstliga-Abstieg des BHC auch auf dem Feld. Dort könnt ihr dem Nachbarn allerdings noch nicht den Rang ablaufen. Allgemein hat es den Wespen für den Bundesliga-Aufstieg in den letzten Jahren oft ganz knapp nicht gelangt. Wie sehr sehnt Ihr euch nach diesem Aufstieg ins Oberhaus?

Jetzt gerade in diesem Moment gar nicht, da zurzeit der volle Fokus wirklich auf der Halle liegt. Viele Jungs, die auf dem Feld spielen, spielen auch gar nicht in der Halle. Deswegen ist das Thema gerade nicht präsent. Aber natürlich schwirrt dieses Ziel im Kopf und ist auch noch nicht abgehakt für diese Saison. Ganz im Gegenteil. Wir wollen das Derby gegen den BHC gewinnen und auch alle anderen Spiele davor und danach, sodass wir unsere Chance noch wahren. Auf dem Feld ist es nochmal schwieriger als in der Halle. Da fehlt uns vielleicht doch noch etwas Erfahrung, um manche Spiele nicht zu verlieren. Die Erfahrung ist ein nochmal entscheidenderer Faktor, um - erst recht in dieser Liga - die Spiele unter Kontrolle zu haben. In der Halle geht es etwas mehr um reine Technik und Spielwitz.

 

Dann gehen wir zurück in die Halle. Einen großen Anteil an der aktuellen Formstärke hast Du zweifelsfrei. Mit sagenhaften 30 Toren in sechs Spielen führst Du die ligaweite Torjägerliste mit großem Abstand an. Bist Du gerade manchmal selbst überrascht, wie gut es mit dem Toreschießen bei Dir funktioniert?

Ehrlicherweise habe ich mir vor dem Saisonstart schon mal überlegt, wo die Reise für mich so hingehen könnte. Da dachte ich schon, dass wenn alles perfekt läuft, ich durchaus bei 25, 30 Toren landen kann. Das habe ich mir zugetraut, da die Vorbereitung auch sehr gut für uns lief. Aber ich ging eben davon aus, dass ich im Optimalfall am Saisonende in dieser Richtung lande. Dass es jetzt in jedem Spiel bisher so gut lief, liegt einfach daran, dass wir als Mannschaft so gut spielen und so viele Chancen kreieren. Das kann gerne so weitergehen.

 

Ist die nun am Wochenende stattfindende Hallen-Europameisterschaft auch ein Thema gewesen? Gerade in der Halle werden ja oftmals formstarke, zum Teil sehr junge Spieler nominiert, die so erste internationale Erfahrungen im Erwachsenenbereich sammeln können.

Ich war vor der Saison tatsächlich in diesem erweiterten Kader, wurde dann letztendlich aber nicht nominiert. Das war tatsächlich schon eine Enttäuschung in dem Moment. Vor der Saison hätte ich jetzt nicht unbedingt damit gerechnet, aber wenn man dann so viele Tore schießt und die Saison so gut läuft, malt man sich schon immer mehr Chancen aus. Deswegen war die Nicht-Nominierung letztendlich eine Enttäuschung für mich.

 

Wenn wir schon beim Thema junge Talente und Nationalmannschaft sind. Die Wespen-Jugend hat in den vergangenen Jahren viele vielversprechende Talente produziert, die dann aber meistens den nächsten Schritt woanders gemacht haben. Lukas Kossel und Johann Wehnert, beide jüngst U21-Weltmeister geworden, spielen mittlerweile beim Hamburger Polo Club. Verfolgt man diese Wege als Wespen-Talent ganz besonders?

Auf jeden Fall. Aber nicht nur als Talent oder einfach Spieler. Der ganze Verein verfolgt seine Jungs weiter und steht hinter ihnen. Da ist immer noch eine sehr große Verbundenheit. Wenn die Jungs auch Weltmeister werden oder selbst mit Polo etwas gewinnen, freut sich der gesamte Verein und beglückwünscht sie über alle möglichen Kanäle.

Jubelnder John Dammertz (Mitte) und betretene Spieler des Berliner HC (in rot) - auch beim 10:6-Hinspielsieg der Zehlendorfer Wespen hatte Dammertz mit vier Toren den größten Anteil am Wespen-Sieg. Foto: TS-Powerfoto

 

Ist das ein Weg, der für Dich auch in Frage kommen würde?

Grundsätzlich ja. Wenn man sieht, wie sich diese Jungs entwickeln, hat das natürlich einen gewissen Vorbild-Charakter. Aber Stand jetzt konzentriere ich mich erstmal auf Zehlendorfer Wespen.

 

Zurück in die Gegenwart. Ihr geht jetzt mit einem guten Vorsprung in die verbleibenden Hauptrunden-Spiele. Was ist das Ziel für die Hallensaison? Den Vorsprung nur ins Ziel bringen oder steckt Ihr euch höhere Ziele?

Wir würden alle mal gerne ein Final-Four spielen, das haben wir uns schon auf die Fahne geschrieben. Wir haben uns jetzt nicht gesagt, dass wir eine perfekte Runde spielen wollen, aber grundsätzlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Gegen den BHC möchte man zuhause sowieso nie verlieren. Wenn man es so angeht, bleiben nicht viele andere Ziele übrig.

 

Du warst selbst beim letztjährigen Viertelfinale in Krefeld dabei, damals noch 17 Jahre jung. Nach einer guten ersten Hälfte musstet Ihr den späteren Vizemeister deutlich ziehen lassen. Was muss es passieren, um es endlich mal über das Viertelfinale hinauszuschaffen?

Wir müssen mutig spielen. Also so, wie wir immer spielen. Mit dem selben Selbstbewusstsein auftreten, mit dem wir auch in der Ost-Gruppe spielen. Das macht uns so gut, dann müssen wir uns auch treu bleiben. Das hat in Krefeld vergangene Saison auch schon geklappt. Am Ende sind wir dann etwas eingebrochen. Der Heimvorteil wäre natürlich auch ein großer Faktor.

 

Vielen Dank für das Gespräch!