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Bennett Stolze: „Wir wollen für die kleine Siegchance hart arbeiten“

Wie im Vorjahr ziehen die Damen von TuS Lichterfelde als „Ost 2“ ins Viertelfinale ein. Die Qualifikation für die K.O.-Runde war in dieser Saison eine vergleichsweise entspannte Angelegenheit, wie auch TuSLi-Trainer Bennett Stolze im Gespräch mit DHZ-Mitarbeiterin Claudia Klatt bestätigt. Dass das am Samstag (13 Uhr) anstehende Auswärtsspiel beim Süd-Ersten und amtierenden Meister Mannheimer HC eine ganz andere Nummer wird, weiß Stolze aus eigener Erfahrung. Im Vorjahr gab es für die Berlinerinnen bei ähnlicher Konstellation eine 2:12-Pckung beim Düsseldorfer HC. Dass es Lichterfelde mit seinem jungen Trainer (26) diesmal besser machen will, steht außer Frage.

Herr Stolze, Glückwunsch noch zum Gewinn der Hallen-Europameisterschaft mit den deutscnen Damen, die Sie als Videoanalyst nach Prag begleitet haben. Wie ist so eine Erfahrung für Sie als Trainer – und wie kam es dazu?

BENNETT STOLZE: Es war eine tolle Erfahrung! Erik (Koppenhöfer; d.Red.) kannte ich bis zum Sommer gar nicht persönlich. Er hat mich im Sommer angesprochen, ob ich Lust hätte, das Projekt mit ihm und Sabine Markert aus Düsseldorf zusammen zu machen. Wir haben viele Gespräche geführt und abgeglichen, was unsere Erwartungen und Arbeitsweisen sind. So sind wir zueinandergekommen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit dem Staff und den Spielerinnen zusammenzuarbeiten. Das Turnier war ein ziemliches Auf und Ab der Gefühle. Sportlich gesehen sind wir meistens leider nicht an unser Limit gekommen, das muss man klar sagen. Aber die Nerven zu behalten bei allen Rückständen, den Aufholjagden und dann am Ende als Sieger hervorzugehen, ist eine sehr starke mentale Leistung des gesamten Teams.

 

Wir knüpfen mal an unser Gespräch aus dem letzten Jahr an. In dieser kuriosen Saison davor waren Sie daran gescheitert, ins Hallen-Viertelfinale zu kommen, letztes Jahr ist es gelungen, und in dieser Saison ist es vergleichsweise fast einfach gewesen. Hatten sie das in dieser Form erwartet?

Am Ende war es tatsächlich das entspannteste der drei Jahre, in denen wir wirklich um das Viertelfinale mitgespielt haben. Die Mannschaften hinter uns – also Wespen, BSC und Blau-Weiss – haben sich gegenseitig Punkte abgenommen, was uns natürlich in die Karten gespielt hat.Für uns war es eine ungewohnte, aber angenehme Situation, schon seit dem vorherigen Wochenende sehr sicher im Viertelfinale zu stehen. Dadurch konnten wir die ganze Woche hindurch an unserem eigenen Spiel arbeiten – unabhängig davon, wer unser nächster Gegner wird.

 

Und kurioserweise haben Sie dann zweimal dasselbe Ergebnis erzielt?

Ja, lustigerweise schon. Gegen den BSC haben wir in den ersten sieben Minuten vermutlich das beste Hockey unserer ganzen Saison gespielt und schnell 4:0 geführt. Danach haben wir leider aufgehört, clever weiterzuspielen – schade. Gegen die Wespen war es deutlich schwieriger, aber dort haben wir von Anfang bis Ende eine viel konzentriertere Leistung gezeigt als am Vortag.

 

Trainer unter sich: Bennett Stolze (links) zusammen mit Leon Lendner (rechts), der bei Lichterfelde bei den 2./3. Damen und im Jugendbereich tätig ist. Foto: A.Kaus

 

Sehen Sie die Konstanz in Ihrer Mannschaft als Problem bei sich an? Und wird dies im Hinblick auf das Viertelfinale wichtig werden?

Das ist ein bisschen schwierig zu vergleichen, weil die Spiele in der Liga komplett anders sind als das Spiel, das uns im Viertelfinale erwartet. In der Liga sind wir oft in der Situation, dass wir das Spiel offensiv bestimmen wollen – oder versuchen es zumindest. Dafür sind wir manchmal über längere Phasen zu unkonzentriert oder technisch nicht sauber genug, und daraus entstehen dann die Leistungsschwankungen. Nächstes Wochenende erwartet uns jedoch ein völlig anderes Spiel. Das haben wir ja letztes Jahr in Düsseldorf schon „kennenlernen“ dürfen, wo wir ziemlich vermöbelt wurden. Im Viertelfinale wird unser Fokus fast ausschließlich auf der Defensive liegen – und darauf, dort möglichst stabil und kompakt zu stehen.

 

Nun geht es gegen den Titelverteidiger Mannheimer HC – das ist sicher auch nicht einfacher. Wie verwandeln Sie dies in eine machbare Aufgabe?

Uns ist ganz klar, dass Mannheim auf dem Papier die bessere Mannschaft ist. Aber wir haben auch gesehen, dass der MHC in vielen Spielen dieses Jahr Probleme hatte, wie zum Beispiel gegen Nürnberg oder München. Wir wollen mit einer guten Defensive das Spiel möglichst lange eng halten, um mit ein bisschen Glück am Ende vielleicht eine Chance auf den Sieg oder zumindest das Penaltyschießen zu haben. Aber da muss schon viel zusammenkommen, damit das passiert.

 

TuSLi ist jetzt die einzige Damenmannschaft im Viertelfinale, die im Feld nicht in der 1. Bundesliga spielt. Sehen Sie das als Problem, oder ist es sogar ein Vorteil, dass Sie bereits im letzten Jahr ein K.O. Spiel hatten und der Kader fast unverändert ist?

Ich denke, dass wir in vielen Belangen nicht so gut und professionell sind wie die anderen Teams. Wir müssen sehr viel mehr ackern, um das auszugleichen. Wir haben jedoch einen ähnlichen Kader zu letzter Saison, sodass viele bereits die Erfahrung haben und vielleicht auch die Nervosität etwas ablegen können in so einem besonderen Spiel. Auch wenn die Siegchance nur klein ist, wir wollen dafür hart arbeiten.

 

Sie waren ja nicht die ganze Saison mit ihrer Mannschaft zusammen, denn Sie waren auf spannender Mission unterwegs. Wie haben Sie das mit der Mannschft und dem Verein gelöst?

Ich hatte die Chance, im Rahmen meiner Promotion an Forschungsexpeditionen in die Antarktis teilzunehmen – ein absoluter Lebenstraum. Dadurch habe ich allerdings die komplette Hallenvorbereitung und die ersten drei Punktspiele verpasst. Als absehbar war, dass das so kommt, habe ich schon im September mit unserem Vorstand gesprochen, wie wir das am besten lösen können. Zum Glück ging das dann ziemlich schnell: Wir konnten Sören Bieck – langjähriger Bundesligaspieler und Herrentrainer bei uns – dafür gewinnen, meinen Part zu übernehmen und unseren Co-Trainer Lucas Kühnold zu unterstützen. Dafür bin ich ihm wirklich sehr dankbar. Umso besser: Idealerweise konnten wir ihn sogar überzeugen, die restliche Hallensaison weiter mitzumachen. Jetzt sind wir zu dritt ein richtig gutes Trio – es macht extrem viel Spaß und funktioniert super. Und weil wir während der Expedition durchgehend Internet hatten, konnte ich alle Spiele live verfolgen und war mit Sören und Lucas im Austausch zu allem, was anstand – außer ich musste gerade Pinguine fangen.

 

Im Taktikdialog: Bennett Stolze (vorne) und links daneben Co-Trainer Sören Bieck, links hinten Felix Gary, der Physiotherapeut des TuSLi-Teams. Foto: A.Kaus

 

Bis auf die zwei Spiele gegen den BHC haben Sie alles gewonnen in der Saison? Ist so ein erweitertes Trainerteam das auch so ein Garant für Erfolg, wenn man Unterstützung im Trainerteam hat und an mehr Sachen arbeiten kann?

Schon möglich. Es ist einfach super, noch einmal eine zusätzliche Perspektive zu bekommen – von jemandem, der das Team vorher gar nicht kannte, aber extrem viel Hockey-Erfahrung mitbringt. Natürlich waren wir nicht immer einer Meinung und mussten Entscheidungen treffen, die wir unterschiedlich gesehen haben, aber am Ende haben wir sie gemeinsam getragen. Im Ergebnis ist Sören eine sehr, sehr gute und wertvolle Ergänzung. Und ich glaube, es war auch für das Team und die Spielerinnen hilfreich, Feedback einmal aus einer anderen Richtung zu bekommen.

 

Hatten Sie das vor der Saison so erwartet, dass sie mit nur zwei verlorenen Spielen ins Viertelfinale kommen würden?

Nicht ganz – zumindest nicht in dieser Deutlichkeit. Das Niveau in der Ostliga ist in den vergangenen Jahren leider spürbar gesunken. Viele Spielerinnen und Spieler verlassen Berlin, und es gibt in der Region schlicht zu wenig qualifizierte Trainer. Abgesehen von den Derbys gegen BHC, die auch dieses Jahr sehr spannend waren, waren die Partien gegen Blau-Weiss die erwarteten engen Duelle um Platz 2, die wir durch zwei wirklich starke Leistungen für uns entscheiden konnten. Diese Mannschaft hat uns auch in den vergangenen Jahren immer schon gefordert.

 

Wie gehen Sie das Viertelfinale jetzt also an?

Eigentlich wie jedes andere Spiel. Wir analysieren den Gegner, schauen, wie wir uns am besten auf sie einstellen können, und üben genau das dann gezielt im Training – es ist also eine ganz normale Trainingswoche. Unser erstes Ziel ist auf jeden Fall, ein engeres Spiel zu haben als letztes Jahr gegen Düsseldorf.

 

Vielen Dank für das Gespräch!