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Dennis Holthaus: „Der Glaube daran, HTHC schlagen zu können, war von Anfang an da“

Er ist kein Lautsprecher und trägt im Vergleich zu manchem Teamkameraden einen deutlich weniger bekannten Hockeynamen. Und doch ist Dennis Holthaus für das Spiel des HTC Uhlenhorst Mülheim schon seit längerer Zeit so wichtig, dass Trainer Thilo Stralkowski den 25-Jährigen zum Kapitän der Uhlenhorster Hallen-Bundesligamannschaft gemacht hat. Mit Spielführer Holthaus gelang dem West-Zweiten nun der große Coup im Viertelfinale: Mülheim eliminierte den amtierenden Meister Harvestehuder THC in dessen Halle und steht das erste Mal seit sechs Jahren wieder in einem Hallen-DM-Halbfinale. DHZ-Mitarbeiter Julius Hayner sprach mit Holthaus über den Erfolg und die anstehende Aufgabe im Halbfinale gegen den Mannheimer HC.

 

Herr Holthaus, Glückwunsch zum Einzug ins Final-Four. Haben Sie und Ihr Team den Triumph über den amtierenden Deutschen Meister etwas gefeiert oder stand die Regeneration im Vordergrund?

DENNIS HOLTHAUS: Wir haben es natürlich ganz ruhig angehen lassen. Bei uns war niemand im Clubhaus oder noch auf der Rolle (lacht). Wir haben nächste Woche die Endrunde, da kann man auch guten Gewissens aussetzen. Aber die Freude über den Einzug war natürlich grenzenlos, und ein kleines Sieger-Bierchen darf dann auch nicht fehlen. Ansonsten liegt der Fokus aber jetzt schon voll auf dem kommenden Wochenende. Vielleicht gibt es ja dann einen guten Grund, deutlich ausgiebiger zu feiern.

 

Gehen wir einmal ganz chronologisch vor und starten weit vor dem HTHC-Spiel. Das letzte Hauptrundenspiel - und somit auch das Recht auf ein Heim-Viertelfinale - hat Mülheim gegen Krefeld ganz spät noch aus der Hand gegeben. Wie seid Ihr mit der Enttäuschung und der damit vermeintlich schwierigeren Herausforderung, nun in Hamburg gegen den Titelverteidiger spielen zu müssen, umgegangen?

Die Enttäuschung war schon groß im ersten Moment. Aber gar nicht so sehr darüber, nur „West 2“ am Ende geworden zu sein oder nun gegen den HTHC spielen zu müssen. Über die reine Niederlage gegen Krefeld war die Enttäuschung in der Mannschaft und bei mir wirklich größer. Natürlich klingt es erst einmal härter, zum Nord-Ersten reisen zu müssen, als zuhause den Gruppenzweiten zu empfangen. Aber das nimmt sich am Ende alles nicht viel. Das hat man jetzt auch wieder gesehen. Außerdem ist es auch einfach geil, in der HTHC-Halle zu spielen. Das ist eine geile Halle, immer voll, super Stimmung, guter Boden. Das macht sogar mehr Spaß als in unserer großen Halle zu spielen, die überhaupt gar nicht voll werden kann. Deswegen: Die Enttäuschung war da, aber ab dem Training am Dienstag auch weg, und der volle Fokus galt dem HTHC. Und der Glaube daran, Harvestehude schlagen zu können, war auch von Anfang an da. Das ist keine Floskel. Wir haben vor drei Jahren dort schon in ähnlicher Konstellation ein gutes Spiel hingelegt und sind nur knapp gescheitert. In der Halle ist es so eng, da kann so viel passieren. Das wussten wir. Wir hatten bis dahin eine sehr gute Saison gespielt, sodass wir auch mit genügend Selbstbewusstsein nach Hamburg fahren konnten.

 

Dennis Holthaus (links) jubelt mit den Teamkameraden nach dem Sieg im Shoot-out. Torwart Luis Beckmann ließ kein einziges Gegentor zu, auch dem letzten HTHC-Schützen Jonas von Gersum (in schwarz) versagten die Nerven. Foto: Tischler

 

Dann nehmen Sie uns mal mit in die Partie aus Ihrer Sicht. Wie hat sich das Spiel im ersten Durchgang angefühlt, bevor es in die dramatische Schlussphase ging?

Wir waren von Anfang an gut im Spiel. Die nötige Spannung war da, der Matchplan ging auf, und die Führung gab uns zusätzlich ein gutes Gefühl. Auch nach dem Ausgleich waren wir voll drin im Spiel. Der Rückstand zur Halbzeit kam dann etwas überraschend, hat uns aber auch nicht aus der Ruhe gebracht. Es ist immer ganz wichtig zu spüren, dass an dem Tag heute alles möglich ist. Das Gefühl hatte ich zumindest die ganze Zeit über.

 

Am Ende setzt Ihr Euch im Shoot-out nach einer starken Aufholjagd in den Schlussminuten durch. Zwischenzeitlich führte der HTHC aber mit drei Toren, der Ausgleich fiel erst in der Schlussminute. Gab es irgendeinen Zeitpunkt im Spiel, in dem die Aufgabe, in dieses Spiel gegen den Deutschen Meister wieder zurückzukommen, zu groß wirkte?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber nein. Dieses Gefühl hatte ich nicht wirklich. Der HTHC war besser im dritten Viertel und zieht dann auch auf 5:2 davon. Das war dann schon ein Knackpunkt im Spiel. Wenn da noch mehr Tore für sie fallen, wird es auf einmal richtig schwer. Das haben wir in Krefeld diese Saison bitter erfahren müssen, was dann passieren kann. Aber auch aus diesen Situationen lernt man dann dazu. Wir haben die Ruhe bewahrt, sodass es sich gar nicht so angefühlt hat, als wären mit drei Toren im Hintertreffen. Das ist das Beste, was dir auf dem Platz passieren kann. Wenn du dich nicht auf die Anzeige, sondern dein Spiel konzentrierst. Das haben wir gemacht. Wir haben unsere Nadelstiche gesetzt, die Anschlusstreffer erzielt. So bleibst du im Spiel und kannst das Ding auch am Ende noch rumreißen. Das ist uns hervorragend gelungen.

 

Für den HTC Uhlenhorst ist es die erste Hallen-Endrunde seit 2020. In den letzten Jahren waren die Mülheimer Herren nicht mehr so erfolgsverwöhnt, wie man es sonst gewohnt war. Dabei war auch die Berichterstattung teilweise negativer, als es die Situation hergab, aber auch die eigene Unzufriedenheit wurde immer mal wieder deutlich. Wie viel bedeutet nun die Qualifikation für Sie, die Mannschaft und den Verein?

Es tut auf jeden Fall gut. Vor allem aus dieser Situation heraus mit so einem Fight. Was es letztendlich bedeutet, werden wir nächstes Wochenende besser sehen können. Aber es ist auch sehr wichtig für uns zu sehen, dass wir es auch mal wieder in den wirklich „wichtigen“ Spielen auf die Kette bekommen. Das war in den letzten Jahren oftmals nicht der Fall. Das passt vielleicht ein wenig zu der Frage. Wir waren nicht immer schlecht oder haben fatale Saisons gespielt, aber es eben in den entscheidenden Spielen häufiger nicht geschafft, unsere beste Leistung zu zeigen. Das gibt einem wieder ein gutes Gefühl. Ich war 2020 auch schon dabei, auch wenn meine Spielzeit da sicherlich sehr begrenzt war. Sonst haben auch noch nicht allzu viele Jungs bei uns ein Hallen-Final-Four gespielt. Ich freue mich für die vielen jüngeren Spieler, die das noch nicht erlebt haben. Aber das gilt es dann am Wochenende auch ein Stück weit auszublenden. Am Samstag ist es ein Spiel wie jedes andere. Wenn man das gewinnt, steht man auf einmal im Finale. Es wird wieder alles sehr knapp sein. Das Halbfinale gegen den MHC wird ein ganz anderes Spiel.

 

Was für ein Spiel?

Wir haben vor zwei Jahren im Viertelfinale gegen sie ganz schön einen auf die Mütze bekommen (7:10; d.Red.). Das hat der MHC damals schon sehr gut gemacht. Sie spielen - im besten Sinne - einfach sehr destruktiv. Das erwarte ich im Grunde genommen erneut. Ich habe mir ihr Viertelfinale etwas angeschaut. Die kassieren in so einem Spiel gegen die treffsicherste Offensive der Hauptrunde nur drei Gegentore, haben mit Abstand die wenigsten Gegentore der Liga zugelassen. Deswegen wird es ein ganz anderes Spiel als gegen eine Nord-Mannschaft, die in erster Linie voll auf Offensive gepolt ist. Wir werden viel Geduld brauchen. Sonst werden wir sehen, was uns erwartet. Wir werden versuchen, ihnen unser Spiel aufzuzwingen und selbst aus einer guten Defensive heraus agieren. Man sollte sich gegen sie nicht darauf verlassen, im Notfall einfach genauso viele oder mehr Tore zu schießen. So viele Chancen geben die dir nicht.

 

Dennis Holthaus gibt der Mülheimer Hallenmannschaft als zuverlässiger Abwehrstratege und Kapitän viel Halt. Jetzt steht der 25-Jährige zum zweiten Mal nach 2020 in einer Hallen-DM-Endrunde. Foto: Kramhöller

 

Mit was für einem Selbstverständnis fährt eine Mülheimer Herrenmannschaft nun nach Frankfurt?

Das Mülheimer Selbstverständnis ist grundsätzlich, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Geht man danach, stehen wir Sonntag im Finale, was wir dann auch nicht auf einmal verlieren wollen. Aber das gilt ab jetzt natürlich für jede Mannschaft. Keiner fährt zum Final Four, um einfach nur mal da zu sein.

 

Wer das Mülheimer Spiel nur etwas genauer verfolgt, weiß ganz genau, was Sie für eine verlässliche Stütze schon seit Jahren in dieser Mannschaft sind. Vermutlich wird Sie im Schatten von Windfeder, Hellwig, Ludwig und Co. aber nicht jeder auf dem Schirm haben. Jetzt führen Sie die Mannschaft in dieser Hallensaison als Kapitän an. Wie sehen Sie selbst ihre Rolle?

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich eher etwas zurückhaltend bin. Für mich steht die Mannschaft über allem. Es ist schon eine große Ehre für mich, Kapitän der 1. Herren des HTC Uhlenhorst zu sein, da ich mein Leben lang in diesem Verein spiele und auch extrem viel für diesen Verein „opfere“. Am Ende ist es aber einfach nur eine Binde am Arm. Wir haben trotzdem Spieler wie Lukas Windfeder, Max Godau oder Julius Meyer, die in ihren Karrieren alle sehr viel mehr erreicht haben als ich und absolute Führungspersönlichkeiten sind. Bei uns ist die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Das zeichnet uns vielleicht auch aus.

 

Lassen Sie uns noch über das kommende Final-Four hinausblicken: Die Hallensaison ist jetzt schon - unabhängig vom Wochenend-Ergebnis - eine Erfolgsgeschichte. Kann das den HTCU-Herren auch den entscheidenden Motivationsschub für die Feldsaison geben?

Das wird sich zeigen, aber klar, das kann schon viel mit einer Mannschaft machen. Krefelds vergangene Saison ist dafür das perfekte Beispiel. Auch wenn die Halle im Grunde nichts mit dem Feld zu tun hat. Wenn man einen Flow entwickelt, kann man den auch auf die Feldsaison übertragen. Das ist möglich, geht aber nicht einfach so. Aber es ist ganz wichtig zu wissen, was möglich ist. Vor allem für unsere Jüngeren, die jetzt auch maßgeblich für diese gute Hallensaison verantwortlich sind. Die letzten Jahre war man irgendwie mit dem Erreichen des Viertelfinales schon zufrieden. Zu viel mehr hat es nicht gereicht. Unabhängig, ob wir am Ende gewinnen oder nicht, ist es viel wert, mal wieder Endrunden-Luft zu schnuppern. Das sage ich auch schon den Jugend-Mannschaften, die ich trainiere. Es ist aus meiner Sicht total wertvoll und auch wichtig, Deutscher Meister in der Jugend zu werden. Nicht für den Titel. Sondern um zu wissen, wie es sich anfühlt zu gewinnen. Man wird immer wieder wichtige Spiele verlieren. Aber das Gefühl zu verlieren, wenn man weiß, wie es sich anfühlt zu gewinnen, ist ein ganz anderes. Das löst viel mehr in dir aus.

 

Vielen Dank für das Gespräch!