Kaum ist er neuer 1.Vorsitzender im Uhlenhorster Hockey Club, wird sein Team Deutscher Meister. Ein Zufall? Oder ein Auftrag? „Da gibt es absolut keinen Zusammenhang. Nein, das hat nichts mit mir zu tun“, sagt Moritz Fürste und wehrt somit Gedankenspiele ab, dass seine Ende November 2025 auf der Vereinsmitgliederversammlung erfolgte Wahl auf den Chefsessel im traditionsreichen Hamburger Verein in direkter Verbindung mit dem nur gut zwei Monate später errungenen Titelgewinn der UHC-Herren zu tun hat.
Als neuer Clubchef, aber auch als ehemaliger Weltklassespieler und Anführer der UHC-Hallenmeister 2018 hat Fürste die Hallensaison 2025/26 seiner Herren-Bundesligatruppe natürlich genau verfolgt: „Die Jungs haben das unfassbar gemacht, sind als Underdog in die Saison gestartet, haben sich im Norden ganz knapp durchgesetzt und dann eigentlich vier unglaubliche Play-off-Spiele gespielt. Das war ein eindrucksvoller Run zum Titel. Und den haben sie sich sehr verdient.“
Ganz formal sind es ja in der Halle nur drei K.O.-Partien bis zum Meistertitel, nämlich Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel. Doch die Fürste-Formulierung war im aktuellen Kontext auch nicht verkehrt. Schließlich hatte die enge Tabellensituation in der wie immer umkämpften Nord-Gruppe am zehnten und letzten Spieltag die Ausgangslage, dass UHC und Polo Club punktgleich ins Duell um Platz zwei gingen und nur der Sieger zusammen mit dem Gruppenersten Harvestehuder THC sich weiter im Titelrennen befand.

Clubchef Moritz Fürste (rechts) mit einigen UHC-Spielern, die ihr Glück nach dem gewonnenen Titel noch kaum fassen konnten. Von links Luis Bernstein, Jasper Milt, Videomann Henrik Saeger und Henri de Cuvry. Foto: Worldsportpics
Die Uhlenhorster lagen in diesem Gruppenfinale am 25. Januar acht Minuten vor Schluss mit 3:5 in Rückstand. Hätten Luis Bernstein und Constantin Staib nicht noch zwei Tore zum 5:5-Endstand erzielt und den UHC damit dank des besseren Torverhältnisses gegenüber Polo auf dem zweiten Tabellenplatz belassen, wäre es für die Uhlen nie zum Frankfurter Happy End gekommen.
Das Polo-Spiel war zugleich der letzte Saisonauftritt von Philip Schmid. Der Routinier hatte sich einen Bandscheibenvorfall zugezogen und konnte sein Team beim Viertelfinale gegen Krefeld (12:8) und beim Final-Four nur noch außerhalb des Spielfelds unterstützen. „Philips Verletzung tut uns natürlich weh, weil das einer der wenigen Jungs ist, die diese Bühne schon kennen, Erfahrung haben und vor acht Jahren auch schon deutscher Meister geworden sind“, wies Trainer Jan Philipp Rabente auf die herausragende Stellung des Hallen-Weltmeisters Schmid hin. 2018 stand der damals 22-Jährige zusammen mit Rabente und Fürste auf dem Spielfeld und holte für den UHC den dritten Hallen-DM-Titel nach 1964 und 2002.
Dass die aktuelle UHC-Truppe auch ohne Philipp Schmid die zum vierten Titel nötigen Ergebnisse einfahren konnte, ist für „Mo“ Fürste ein weiterer Beleg für den aktuellen Trend, gerade im Hallenhockey. „Man sieht nicht mehr so ganz extrem die überragenden Einzelkünstler auf dem Platz, sondern es sind sehr geschlossene Mannschaftsleistungen, die sich durchsetzen. Das habe ich sowohl beim MHC als auch bei TSV und bei Mülheim hier in der Endrunde gesehen. Also insofern spricht das sehr für die Mannschaft, dass sie dann so eine Qualität, wie sie Philip Schmid reinbringt, auch noch ersetzen konnte“, sagte der Weltmeister und zweifache Olympiasieger in Frankfurt.
Ein anderer Erfolgsfaktor blieb natürlich auch Fachleuten wie Fürste und Rabente nicht verborgen. Wer Meister werden will, muss vor allem konstant und auf höchstem Niveau verteidigen können. Dem UHC ist das im Halbfinale (3:3 und Shoot-out 4:3) gegen TSV Mannheim wie auch beim 5:4-Finalsieg über den Mannheimer HC meist gelungen. „Das gab es auch noch nicht so oft, dass eine Nordmannschaft so gut verteidigt. Also das ist schon eine tolle Errungenschaft“, wunderte sich der Clubchef fast ein wenig. Der Trainer opferte regelrecht die Offensivstärke, die vor allem Constantin Staib (vom Polo Club), Nicolas Proske (vom TSV Mannheim) und Liam Holdermann (vom Berliner HC) als die Sommerzugänge 2025 en masse zum UHC mitbrachten. „Uns war klar, dass wir natürlich viel mehr Spektakel können. Aber um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass wir hier mit dem Wimpel nach Hause gehen, haben wir gesagt, dass wir defensiv kompakt stehen müssen“, verordnete Rabente auch seinen Stürmern höchste Abwehrdisziplin.

Mit einer neuen, jungen Vorstandsmannschaft trat Moritz Fürste (oben links) im November 2025 die Nachfolge des langjährigen UHC-Clubchefs Horst Müller-Wieland als 1.Vorsitzender an. Bekanntestes Gesicht ist 2003-Hallen-Weltmeister Philip Sunkel, hockend rechts. Foto: UHC
Übers ganze Final-Four-Wochenende hinweg drückten im fernen Australien die UHC-Internationalen Hannes Müller, Benedikt Schwarzhaupt und Florian Sperling ihren Kollegen die Daumen und befeuerten die teaminternen WhatApp-Kanäle mit guten Wünschen. Auch für Moritz Fürste ist das ein Aspekt: „Man darf schon nicht vernachlässigen, dass natürlich viel individuelle Qualität allein dadurch nicht auf der Platte ist, weil die ganzen Nationalspieler nicht dabei sind. Das würde die Liga auch nochmal verändern. Aber das ist, wie es ist. Und man muss die Situation so annehmen“, sagt Fürste über einen Umstand, der natürlich auch andere Clubs betrifft. Was der Attraktivität des Final-Four 2026 für ihn trotzdem keinen Abbruch tat: “Für das, was jetzt hier in Frankfurt war, war das 9,5 von 10 Punkten.“
Die Bedeutung des Titels für den Verein? Nicht hoch genug einzuschätzen, ist sich der Trainer sicher: „Unsere Fans hatten aus Hamburg die weiteste Anreise aller Endrundenteilnehmer und haben trotzdem den größten Block am Wochenende gestellt. Das sagt ja alles, was das dem Club bedeutet“, so Jan Philipp Rabente über die alle hellblau gekleideten drei- bis vierhundert UHC-Anhänger in der Halle. Moritz Fürste bringt noch einen weiteren Gedanken ins Spiel: „Wir konkurrieren ja auch gerade in Hamburg einfach mit wahnsinnig guten Hockey-Clubs immer um alles Mögliche: junge Talente, Spieler, Fans, auch Sponsoren, Partner. Und natürlich ist es da schön, auch mal wieder ganz oben zu stehen. Und das wird sicherlich allen Schwung im Verein geben.“
Vielleicht so viel Schwung, dass Hamburg auch bald mal wieder ein Final-Four auszurichten. 2014 war das zum letzten Mal der Fall. Für den neuen UHC-Boss ist klar: „Ja, es wird Zeit jetzt.“
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