Nach einer durchwachsenen Hinrunde mit einem Platz in der Abstiegszone haben sich die Damen des Großflottbeker THGC inzwischen immerhin auf den siebten Tabellenrang vorgearbeitet. Doch für die sichere Qualifikation für das Play-off braucht der Vorjahreshalbfinalist noch ein paar Punkte. Nationalspielerin Lena Micheel (27), eine von mehreren Kapitäninnen des Hamburger Bundesligisten, muss im Interview mit DHZ-Mitarbeiterin Claudia Klatt eingestehen, dass es im GTHGC-Spiel mitunter noch schleppend läuft. Aber die Hoffnung, in einen ähnlichen Flow zu geraten wie in der vorigen Saison, als nur wenige Minuten bis zum Einzug ins DM-Endspiel fehlten, ist vorhanden. Die gebürtige Berlinerin freut sich außerdem auf den Pro-League-Auftritt an alter Wirkungsstätte.
Frau Micheel, 0:2-Niederlage beim Titelkandidaten Düsseldorf und 1:0-Sieg beim Tabellenletzten Raffelberg. Wie fällt Ihre Bilanz des jüngsten Doppelspieltages aus?
Unsere Leistung in den Spielen vom letzten Wochenende war nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Wir werden uns jetzt darauf konzentrieren, unseren Peak bei den Play-offs zu haben.
Sie sind jetzt die zweite Saison in Flottbek. Was haben Sie beim GTHGC für eine Rolle? Sie sind dort ja eine von mehreren Kapitäninnen und eine der gestandenen Spielerinnen.
Ja, das haben wir auf mehrere Köpfe verteilt. Kapitänsrolle hin oder her – auch beim UHC hatte ich eine Rolle mit Verantwortung, insofern ist es nicht ganz neu. Es ist hier bei Flottbek aber eine ganz andere Mannschaftskonstellation. Ich bin dazugestoßen zu einer Zeit, als sie aus dem Keller der Tabelle rauswollten, um sich auf lange Sicht in der ersten Liga zu etablieren. Dieses Projekt der Teamentwicklung war und ist für mich super spannend – vor allem, da ich in meiner Rolle viel mit entwickeln kann. In der letzten Saison ist das auch schon ganz gut geglückt, natürlich mit dem Erreichen des Final Four auch ein bisschen überraschend. Es macht schon Spaß, weil man merkt, dass das Team sehr hungrig ist auf solche Erlebnisse. Ich hatte das zwar schon mal, aber das steckt an. Und dazu ist es natürlich auch sehr schön, mit Freundinnen zusammenzuspielen, wie Amelie Wortmann und Jette Fleschütz.

Lena Micheel (links) im Flottbeker Auswärtsspiel beim Düsseldorfer HC (rechts Annika Schönhoff), das der GTHGC mit 0:2 verlor. Foto: Fehrmann
Wir würden Sie die Flottbeker Mannschaft beschreiben?
Es ist ein sehr unerfahrnes und junges Team in der Breite, aber in jeder Ebene gespickt mit gestandenen Bundesliga- und auch Nationalspielerinnen. Das ist, finde ich, eine coole Mischung. Es ergänzt sich auch ganz gut, aber es braucht natürlich Zeit, bis das dann gut funktioniert. Man merkt es auch gerade in dieser Saison, dass es Zeit braucht, bis so etwas wächst. Ich würde sagen, dass wir noch in einem Entwicklungsstadium sind.
Vier Ihrer Spiele der laufenden Saison mussten durch Shoot-outs entschieden werden. Ist das ein Indiz dafür, dass Sie Spiele in der regulären Spielzeit nicht entscheiden können?
Leider, ja. Es fehlt noch Erfahrung und daraus resultierend eine der Mannschaft innewohnende gewisse Mentalität und auch einfach ein bisschen Selbstvertrauen. Es ist, glaube ich, dem Großteil der Mannschaft noch gar nicht klar, was da eigentlich gehen könnte, was da für ein Potenzial liegt und wie das irgendwann aussehen kann. Unsere Leistung ist mit sehr großen Schwankungen versehen. Deswegen spielt man mal super mit gegen die Tabellenspitze und im nächsten Spiel, gegen in der Tabelle schlechter platzierte Teams, tut man sich total schwer. Momentan hat das eine sehr große Spannbreite. Das ist aber genau die Herausforderung, die wir angehen müssen. Natürlich nervt es auch manchmal. Aber wenn man sieht, woher man kommt und dass das ein langfristiges Projekt ist, ist das verständlich.
Im Sonntagsspiel beim Club Raffelberg trug Lena Micheel die (rote) Kapitänsbinde der Flottbeker Damen. Foto: Kramhöller
Sie haben schon das Final-Four 2025 erwähnt, wo der GTHGC als Außenseiter dabei war und nur knapp auf den letzten Metern im Halbfinale vom Düsseldorfer HC noch geschlagen wurde. Trauen Sie sich wieder so ein Saisonfinale zu, aufgrund der voriges Jahr gemachten Erfahrung?
Auf jeden Fall ist das das Ziel. Jetzt gerade ist es zwar noch nicht so präsent, weil wir noch mitten in der Hauptrunde stecken und wir uns zugegebenermaßen auch ein anderes Endziel als Platzierung gesetzt haben als das, was es jetzt gerade ist. Das ist Stand jetzt eher frustrierend. Doch andererseits lässt es uns noch nicht verzagen, denn man weiß ja auch, dass durch den Modus - auch wenn wir auf Platz 8 landen sollten - noch alles drin ist. Die Erfahrung aus der letzten Saison führt, glaube ich, schon dazu, dass man die Platzierung dann abhaken kann und einen Neustart macht. Dann werden die Karten neu gemischt. Und dann ist im Hinterkopf, dass man es schon einmal so gemacht hat.
Wie sind Ihre Pläne fürs Weitermachen? Werden Sie noch lange dabeibleiben?
Das kann ich noch gar nicht so genau sagen. Es gibt noch keinen Plan. Es ist meine Wunschvorstellung, dass ich das erst einmal noch so weiter machen kann. Anfang des Jahres bin ich ins Referendariat gestartet und bin in meiner ersten Station im Strafgericht. Zeitlich ist das jetzt sehr intensiv und wirklich ein anderes Leben. Für andere ist es bereits normal, aber einen vollen Tag arbeiten und dann abends ins Training gehen - und Stand jetzt durch die Bundesliga auch keine Wochenenden haben - ist schon noch eine Herausforderung für mich. Für die Nationalmannschaft muss man natürlich auch etwas tun, damit man im Sommer auflaufen kann. Es ist schon sehr viel, was man unter einen Hut kriegen muss. Inhaltlich macht es mir aber Spaß, und dann kann man das verkraften. Ich schaue jetzt einfach, wie lange es noch so geht.
In der Nationalmannschaft sind Sie auch noch weiter im Rennen?
Genau, das habe ich so abgesprochen, da ist es ähnlich. Ich habe das Ziel, die WM im Sommer zu spielen und plane das auch mit meinen Ausbildern. Alles, was darüber hinaus geht, werde ich danach herausfinden.
Auf dem Weg dahin gibt es ja noch die Pro League in Berlin – haben Sie noch Heimatgefühle, wenn Sie dort spielen, wo alles einst begann?
Ja, natürlich! Die sind sehr groß, und ich durfte es ja letztes Mal nicht in Gänze erleben, weil ich verletzt war, als die Pro League im Juni 2025 in Berlin stattgefunden hat. Es ist schon sehr besonders, ich weiß, dass meine Familie immer da ist und auch ganz viele Freunde. Ich bin dort groß geworden, deswegen ist das schon verrückt, auf internationaler Hockey-Bühne zurückzukehren. Ich freue mich wirklich sehr darauf und hoffe, dass ich das dieses Mal in Gänze mitnehmen darf.
Vielen Dank für das Gespräch!







