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Meister DHC: Wenn’s drauf ankommt, liefern sie einfach ab

Die Bundesliga-Hauptrunde beendete der spätere Meister mit beachtlichen 14 Punkten Rückstand zum Tabellenersten auf Rang drei. Zeitweise waren die Damen des Düsseldorfer HC sogar auf Platz fünf zurückgefallen. Und das erste Play-off-Spiel ging 0:3 verloren. Das alles klingt nicht nach nationaler Spitze, zumal es hinter den Kulissen rumorte und erst vor wenigen Wochen eine Trennung vom Cheftrainer verkündet wurde. Doch als es darauf ankam, waren die DHC-Damen hellwach, wie schon so oft. „Wir liefern ab in großen Spielen“, konnte Sara Strauss nach dem gewonnenen Finale der 80. Damen-DM selbstbewusst in die Kameras sagen.

Die Düsseldorferinnen hatten nicht nur die Viertelfinalserie gegen den Berliner HC nach dem 0:3-Fehlstart mit dem Rücken zur Wand noch umbiegen können. Sie gewannen auch in Bonn. Wieder mal. Beim dritten Final-Four auf der Anlage des BTHV hieß zum dritten Mal nach 2022 und 2024 der Sieger Düsseldorfer HC. Auf ihrem Lieblingsplatz schlugen die DHC-Damen ihren Lieblingsendspielgegner. In allen drei Bonner Finals musste sich der Mannheimer HC dem DHC geschlagen geben, wie auch schon 2021 auf der MHC-Anlage.

„Da hat man dann noch mehr Vertrauen in sich selbst“, wies Friederike Heusgen den Gedanken nicht von der Hand, dass es doch eigentlich nur gutgehen kann, wenn Lieblingsgegner und Lieblingslocation („wir mögen den Platz in Bonn“) im DM-Endspiel zusammenkommen.

Annika Schönhoff (in weiß; im DM-Finale gegen die Mannheimerinnen Sonja Zimmermann, links, und Aina Kresken) konnte in ihrer Heimatstadt Bonn ihren ersten Meistertitel feiern. Foto: Sports-Gallery

Dass ein Düsseldorfer Sieg trotz des Gesetzes der Serie nicht selbstverständlich, sondern diesmal verdammt knapp war, zeigte der Spielverlauf. Die frühe DHC-Führung glich der lange dem 0:1 hinterherlaufende MHC im letzten Viertel aus. Das unter dem Strich leistungsgerechte 1:1 mündete folgerichtig in ein Shoot-out. Wie schon in den Endspielen 2021 und 2022, und der „übliche“ Düsseldorfer Sieg schien sich anzubahnen, als Mannheim seine ersten drei Versuche alle vergab. Doch statt das Ding zuzumachen, versemmelte der anfangs stabile DHC plötzlich einen Matchball nach dem anderen. Das Momentum wanderte zum Gegner, der zu Beginn des Sudden Death nun selber einen Matchball hatte.

Femke Jovy und Friederike Heusgen rückten noch mehr in den Mittelpunkt. Die Torhüterin sorgte in ihrem letzten Spiel im DHC-Dress dafür, dass es weiterging, und die smarte Stürmerin verwandelte auch ihren zweiten Penalty so sicher und unaufgeregt, als sei es Donnerstagabend im Training und nicht im DM-Endspiel vor 3000 Augenzeugen im Stadion und ein Vielfaches mehr am Livestream. Als Jovy danach einen weiteren Fehlversuch des Gegners provozierte, war es geschafft. Für die 28-Jährige, die demnächst die Torwartschienen gegen eine halbjährige Segeltour über die Weltmeere tauscht, natürlich der bestmögliche Abschluss.

Friederike Heusgen gegen Mannheims Penalty-Torhüterin Leonie Weißenberger. Zweimal verwandelte die Düsseldorfer Schützin beim Final-Shootout eiskalt, was ihrer Meinung nach auch mit dem Techniktraining von Robert Imdahl zu tun hat. Foto: Sports-Gallery

Am Anfang einer womöglich großen Laufbahn steht dagegen Heusgen (21). Ihre erstmalige Nominierung in den deutschen A-Kader („ich habe mich ultramäßig gefreut, gehe es mit Freude und Spaß an“) rechtfertigte die körperlich unscheinbare, aber äußerst wirkungsvolle Offensivspielerin mit zwei Klasseauftritten beim Final-Four. Einen gewissen Anteil an ihrer Entwicklung darf sich Robert Imdahl auf die Fahne schreiben. Der routinierte Übungsleiter stieg vor zwei Monaten beim DHC ein, als nach der Trennung vom bisherigen Cheftrainer Steven van Tijn („unterschiedliche Ansichten“) der Staff des Damenteams neu geordnet wurde. So stieg der bisherige Co-Trainer Frank Franssen zum Headcoach auf und neben Robert Justus auch Robby Imdahl ein. „Die haben sich einen Techniktrainer gewünscht“, so Imdahl, dessen persönlichen Bezug zum Team er ganz beiläufig aufklärt: „Sara Strauss ist mein Patenkind“, und „die DHC-Mädels kenne ich seit Jahren“.

Zweimal die Woche hat der 68-Jährige spezielle Technikübungen angeboten. „Vor- und Rückhandzieher; Ballbehandlung und -behauptung am und im Kreis; lernen, richtig um die Leute rumzugehen“, nennt der langjährige Erfolgscoach, der zusammen mit Arndt Herzbruch beim HTC Uhlenhorst Mülheim zahllose deutsche Meistertitel im Jugendbereich einfuhr, die Bereiche, in denen er „Riesendefizite“, selbst bei gestandenen Nationalspielerinnen, und entsprechend die größten Entwicklungspotenziale in kurzer Zeit sah. „Genau die Sachen, wie ich sie 25 Jahre am Uhlenhorst gemacht habe. Da kann man im Detail eine Menge verbessern“, ist Imdahl überzeugt.

Meisterfreude bei Tessa Schubert, Annika Schönhoff, Femke Jovy und Sara Strauss (vorne von links), aber auch Techniktrainer Robert Imdahl (hinten), der zwei Monate vor dem DM-Triumph zum Staff der DHC-Damen dazustieß. Foto: W.Chruscz

„Das hat wirklich geholfen, auch beim Shoot-out“, gibt Friederike Heusgen dem Technikcoach recht. Im Übrigen seien die Trainerpersonalien „letztlich eine Entscheidung des Clubs gewesen“ (Heusgen), man habe „als Team einfach weitergemacht“, was dann ja auch „gut funktioniert“ habe.

Eine andere, die vom besonderen Imdahl-Technikdrill profitierte und ebenfalls eine starke Endrunde spielte, war Annika Schönhoff. Die 17-Jährige konnte sich über ihren ersten Meistertitel freuen. „Und das auch noch in meiner Heimatstadt“, so die gebürtige Bonnerin, die nicht beim Final-Four-Gastgeber BTHV, sondern beim HTC Schwarz-Weiß das Hockey-Einmaleins lernte und zur Jugend-Nationalspielerin wurde, ehe sie mit 16 den Sprung gleich zum DHC in die erste Liga wagte. „Die beste Entscheidung meines Lebens“, sagte die pfeilschnelle Angreiferin, deren Eltern auch ihren kleinen Anteil zum Titelgewinn beitrugen. Familie Schönhoff nämlich lud die ganze DHC-Mannschaft samt Staff am Vorabend des Endspiels in ihr Bonner Anwesen ein.    lim