Eine der gefragtesten Frauen bei der Pro League in Berlin war neben den aktuellen Akteurinnen wohl Charlotte Stapenhorst. Die Ex-Nationalstürmerin, die von den Zehlendorfer Wespen stammt, hatte Ende Juni in ihrer Heimatstadt gleich zwei Jobs: Einmal moderierte sie bei Magenta-TV, und zudem trat sie als „Specialist Coach“ bei der chinesischen Nationalmannschaft in Erscheinung.
Die chinesische Trainerin australischen Ursprungs, Alyson Annan, ist immer auf der Suche nach Frauen, die nach der Hockeykarriere in den Trainerbereich hineinschnuppern möchten. "Alyson hat mich vor zwei Monaten angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte, mal mitzumachen, und da wir jetzt hier in Berlin sind, passte das ganz gut", erzählt die 31-Jährige. Und Alyson Annan verrät, warum sie „Stapy“ unbedingt haben wollte: "Stapy ist eine unglaublich gute Stürmerin. Jeder kennt sie, sie hat unglaubliche 3D-Skills, und ihre Torausbeute ist phänomenal. In China haben wir diese Dynamik nicht. Manche Nationen haben sie, aber wir haben es nicht."
Im letzten Jahr hat sie sich nach Mitarbeitern umgesehen, denn Annan arbeitet mit spezialisierten Mitarbeitern, die themenbezogen zuständig sind, und Vollzeitassistenten. Dabei habe sie schon lange an Stapenhorst gedacht, aber da noch nicht klar war, ob die 179fache Internationale bei den Danas weitermachen würde, hatte sie erst einmal inoffiziell voriges Jahr gefragt. Aber, so Annan, das sei „noch nicht der richtige Zeitpunkt“ gewesen. Und vor zwei Monaten sei man dann zusammengekommen. "Sie bringt Dynamik als Person mit, sie ist ein großartiger Typ, sie bringt Freude mit, an dem was sie tut, was wichtig ist, und sie hat ein paar Trainings mit uns gemacht und bringt die Dynamik im Kreis, die wir brauchen und wollen, und die Energie, die wir brauchen und wollen. Außerdem ist sie auch eine sehr ehrliche Person und sagt uns, was sie denkt, und auch das brauchen wir", beschreibt Annan den Effekt, den die deutsche Ausnahmestürmerin (61 Tore) bei ihnen bereits hat.

Charlotte Stapenhorst während der Pro-League-Woche in berlin als Spezialtrainerin bei den chinesischen Damen (Dritte von rechts; links neben ihr ist China-Cheftrainerin Alyson Annan). Foto: Ebeling
Stapenhorst berichtet über ihre Erfahrungen bei der Arbeit mit dem chinesischen Sturm, dass es ihr großen Spaß macht und sehr bereichernd ist. "Die Art und Weise, wie Alyson coacht, die Mädels und die Kultur zu erfahren, ist sehr spannend. Ich bin ganz begeistert", erzählt die Berlinerin. Trotzdem ist sie weiterhin halbtags 20 Stunden Projektentwicklerin bei einem Architekturprojektentwickler und macht auch das noch nebenher. "Ab und zu mal ist der Laptop auf, und ich arbeite."
Ganz sicher sei sie noch nicht, ob sie Trainerin werde, aber für Charlotte Stapenhorst, die an Ostern auch bei einer deutschen U15-Auswahl mal als Coach involviert war, ist vor allem sehr schön, wieder so ein Gemeinschaftsgefühl zu haben und toll, diese Begeisterung für Hockey zu teilen. "Diese Professionalität ist einfach bei der Nationalmannschaft noch einmal etwas Besonderes", urteilt die Berlinerin.
Sollte sie nicht Trainerin werden wollen, bleibt dem Multitalent ja immer noch das Fernsehen. Am Samstag hatte Stapenhorst die Doppelrolle mit der chinesischen Mannschaft und Magenta-TV. Seit einem Jahr ist sie dort bereits als Hockey-Expertin dabei, und auch dort wurde sie angesprochen, weil sie sowieso bereits vor Ort ist, denn Kommentator Adrian von der Groeben sitzt in München. Und so musste dann auch am Samstag das Engagement bei China vorzeitig enden, denn am Sonntag hat Stapenhorst das Damenspiel bei Magenta TV begleitet.

Den chinesischen Angreiferinnen (hier im Spiel gegen Deutschland; links Lilly Stoffelsma) soll die deutsche Ex-Nationalspielerin Stapenhorst auf die Sprünge helfen. Foto: Ebeling
Sie selbst sagt noch einmal zu einer Zukunft beim chinesischen Team: "Die WM und Asian Games sind bereits durchgeplant, und da bin ich nicht weiter dabei. Wir wollten es einfach mal ausprobieren, wie es so ist." Aber Lust auf mehr hat sie schon bekommen. "Ich war auch in Brüssel bereits dabei und jetzt hier in Berlin, und danach unterhalten wir uns nochmal." Im nächsten Jahr soll die Pro League ja wieder in Berlin stattfinden. Die Voraussetzungen sind also gegeben. C.Klatt







