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Danas: Ein 0:2 aufgeholt und dann doch noch verloren

Mit einer unglücklichen 2:3 (0:1)-Niederlage gegen Argentinien haben sich die deutschen Damen am Montag stark unter Druck gesetzt. Um noch ihre Ziele zu erreichen, brauchen sie jetzt zunächst am Mittwoch (14 Uhr) einen Sieg über die USA, um in die Zwischenrunde zu gelangen. Und bei einer wahrscheinlichen Qualifikation Argentiniens bräuchte es anschließend weitere deutsche Siege, um die die Chancen aufs Halbfinale offenzuhalten.

 

Die als wahrscheinliches Gruppenendspiel titulierte Partie gegen Argentinien begann aus deutscher Sicht äußerst unglücklich. Schon nach 48 Sekunden handelte man sich die erste Strafecke ein, als Zimmermann bei einem Klärungsversuch im eigenen Kreis den Fuß von Mitspielerin Wiedermann erwischte. Die erste Ecke konnte Torhüterin Finja Starck nur auf Kosten der zweiten Ecke klären. Auch diese parierte die deutsche Keeperin zunächst, aber der Ball konnte von ihren Mitspielerinnen dann nicht aus dem Kreis befördert werden. Und so kann es zu einer Nachschusssituation, bei der Eugenia Trinchinetti den richtigen Riecher hatte und den Ball in den deutschen Kasten lenkte – 0:1, und gerade mal 68 Sekunden waren gespielt.

Der Fehlstart war natürlich alles andere als gut für das Selbstvertrauen der deutschen  Mannschaft (heute ohne Lena Micheel und Sara Strauss), die im ersten Viertel kaum etwas Konstruktives nach vorne brachte. Die einzige Halbchance gab es nach sieben Minuten, als Nolte nach einer Rechtsflanke gegen Torhüterin Cosentino minimal zu spät kam. Auf der anderen Seite konnte die DHB-Auswahl froh sein, dass Argentinien mit seiner dritten Ecke (zweimal von Starck entschärft) nicht schon vor der Viertelpause erhöhen konnte.

Im zweiten Abschnitt fassten die Danas endlich Tritt, konnten den Ball länger in den eigenen Reihen behalten und sich auch mal in der gegnerischen Hälfte feststezen. Zwei Ecken konnten bis zur Halbzeit erarbeitet werden. In beiden Fällen (Nolte-Schlag und Stecherversuch auf Krings) verfehlte der Ball den argentinischen Kasten. Vom Vizeweltmeister kam offensiv überhaupt nichts mehr.

Diese argentinische Passivität hielt auch nach der Pause an. Deutschland dominierte Ball und Spiel, doch zu klaren Chancen auf den Ausgleich kam man zunächst nicht. Ärgerlich, dass auch die dritte deutsche Ecke risikoreich als Stechervariante (Kurz auf Fleschütz) gespielt wurde und dann wiederum den Kasten verfehlte.

Nicht vom Glück verfolgt waren die deutschen Damen (von links in pink Yani Zhong, Felicia Wiedermann, Emilia Landshut, Johanna Hachenberg) im Spiel gegen Argentinien. Foto: Worldsportpics

 

Als die Südamerikanerinnen nach 48 Minuten erstmals seit Ewigkeiten wieder den deutschen Kreis betraten, folgte ein Siebenmeterpfiff. Zoe Diaz hatte den Ball an Linnea Weidemann vorbeigelegt und war dann zu Boden gegangen. Die englische Schiedsrichterin Williams zeigte auf den Siebenmeterpunkt. Deutschland zog den Videobeweis, aber die chinesische VAR-Zuständige Liu sah keinen ausreichenden Grund, die Entscheidung zurücknehmen zu lassen – eine aus deutscher Sicht harte, aber auch nicht völlig verkehrte Entscheidung, hatte doch Diaz sehr abgezockt den Körperkontakt zur deutschen Kapitänin gesucht. Agustina Gorzelany überwand die zur Pause eingewechselte Nathalie Kubalski mit einem bretthohen Schlenzer zum 0:2.

Erstaunlich und bemerkenswert, welch eine Reaktion die deutsche Mannschaft in den Folgeminuten auf die Platte brachte. Nachdem Lisa Nolte erstaunlich frei noch mit einem Rückhandschlag das Ziel verfehlte (50.), machte sie es kurz danach nach Traumpass von Johanna Hachenberg besser und tunnelte Cosentino im Fallen zum 1:2 (51.). Und 60 Sekunden später war die argentinische Schlussfrau ein zweites Mal bezwungen, als Sonja Zimmermann bei einer Wiederholungsecke mit einem halbhohen Schlenzer die Lücke gefunden hatte – 2:2 (52.).

Spätestens der Ausgleich war für Argentinien das Signal, endlich wieder aktiver werden zu müssen. Bei der dank eines Videobeweises (und aus deutscher Sicht erneut sehr umstritten) erlangten vierten Ecke scheiterte Gorzelany noch an der bärenstark reagierenden Kubalski (53.), doch drei Minuten später überwand die argentinische Hauptschützin die deutsche Torfrau dann bei der fünften Ecke zum 2:3 (56.). Der erneute Rückstand war umso ärgerlicher, als sich die deutsche Mannschaft gerade in Überzahl nach grün gegen Argentinien befand, aber den Ball folgenreich verlor.

Kubalski wurde dreieinhalb Minuten vor Schluss für eine elfte Feldspielerin geopfert, und tatsächlich gab es noch eine Großchance zum Ausgleich, als Felicia Wiedermann nach einer Rechtsflanke in Richtung Ball warf und diesen aus kurzer Distanz nur um Zentimeter neben den Pfosten zog (58.). Weiteres Ungemach konnte Argentinien mit „Mann und Maus“ am eigenen Kreis verhindern. Bei 20:5 Kreiseintritten, 10:7 Torschüssen und 5:5 Ecken konnte sich Deutschland wahrlich als unglücklicher Verlierer fühlen.  

Jette Fleschütz (in pink), verfolgt von zwei Argentinierinnen und im Blick von Schiedsrichterin Rachel Williams. Die englische Unparteiische machte den deutschen Damen mit ihren Entscheidungen gewiss nicht nur Freude.  Foto: Worldsportpics

 

Stimmen:

 

Bundestrainerin Janneke Schopman: „Wir sind frustriert und enttäuscht. Jedes Spiel ist hier ein Finale. Heute war es eines, Mittwoch ist gegen die USA das nächste. Es geht weiter. Wenn ich sehe, wie wir heute als Einheit aufgetreten sind, habe ich das volle Vertrauen, dass wir in diesem Turnier auch weitergehen.“

 

Sonja Zimmermann: „Wir hatten etwas mit den Nerven zu kämpfen. Da merkt man, dass wir keine so sehr erfahrene Truppe sind. Nichtsdestotrotz haben wir uns hier reingekämpft. Haben über weite Strecken sogar die Argentinierinnen dominiert. Sind in einem irren Fight zurückgekommen und haben das 2:2 erzielt. Dass wir noch verlieren, ist ärgerlich. Die WM ist aber noch lange nicht vorbei für uns. Das USA-Match ist jetzt natürlich ein Alles-oder-Nichts-Spiel.“

 

Lisa Nolte: „Es ist gerade wirklich schwer, diese Niederlage zu akzeptieren. Es trifft uns hart. Dieser Kampf aus der zweiten Hälfte, den können wir aber gut mitnehmen. Die „Do-or-die“-Spiele kommen sowieso, jetzt kommen sie halt eher. Es war heute extrem hart, dem frühen Rückstand so lange hinterher zu laufen. Aber wir haben nie aufgesteckt, waren eigentlich schon zum Ende der ersten Hälfte die bessere Mannschaft.“