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1:0 über Belgien - den Höllenritt ohne Gegentor überstanden

Dank eines Eckentores von Jakob Brilla und einer bärenstarken Defensivleistung rangen die deutschen Herren am Montagabend Gastgeber Belgien mit 1:0 nieder und stehen damit in der nächsten Runde.

 

Die 10.000 erwartungsfrohen belgischen Zuschauer erst gar nicht in eine Euphorie kommen zu lassen, das war eines der Ziele der deutschen Mannschaft. Das gelang in der ersten Halbzeit nur bedingt, denn vor allem im zweiten Viertel konnte das Heimteam ziemlichen Druck entfachen und die Honamas entsprechend in deren eigenen Hälfte unter Druck setzen. Doch was im deutschen Mittelfeld und im zunächst eigentlich kaum vorhandenen Angriff noch ein wenig unvollkommen aussah, war spätestens hinter der eigenen Viertellinie auf höchstem Niveau.

Belgiens Starstürmer Tom Boon biss sich gegen meist zwei deutsche Abwehrspieler ein ums andere Mal die Zähne aus. Und auch seine Kollegen konnten sich selten mal entscheidend durchsetzen. So hatte Torwart Jean Danneberg in der ersten Hälfte lediglich einen starken Schrubber von de Kerpel (13.) und eine gute Einschussgelegenheit von Duvekot (30.) zu entschärfen. Die beiden Ecken, die sich Belgien kurz vor dem Pausenpfiff erarbeitete, lief Hinrichs grandios gegen Schütze Hendrickx (29.) ab.

Da ist es passiert: Jakob Brilla hat gerade das 1:0 für die deutschen Herren erzielt.

 

Dass die eigene Abwehr mehr Entlastung durch längere Ballbesitzphasen dringend vonnöten hatte, war dem deutschen Staff in der Pause klar. Und tatsächlich schafften es die Honamas mit Wiederbeginn immer besser, das Geschehen öfter mal in die gegnerische Hälfe zu verlagern. Ein erster Vorstoß über Weigand, Prinz und Kaufmann in den belgischen Kreis blieb noch ohne Folgen (32.), doch nach 39 Minuten war es soweit. Mit einem Überzahlangriff erzwang Prinz (auch mit VAR-Hilfe) die erste deutsche Ecke. Und die schweißte Jakob Brilla mit einer Entschlossenheit brusthoch im belgischen Kasten ein, so dass auch Jubilar Vincent Vanasch (der Torwart wurde vor der Partie für seinen 300. Länderspieleinsatz geehrt) nichts mehr ausrichten konnte.

Spätestens jetzt war es mucksmäuschenstill in der Belfius Hockey Arena in Wavre. Gegen die sowohl auf der Tribüne als auch auf dem Platz geschockt wirkenden Gastgeber hätten Rühr (43./letzter Pass kam nicht an) und Kapitän Grambusch mit der zweiten deutschen Ecke (44./geblockt) gleich noch etwas nachlegen können. So aber blieb es spannend, denn das erfahrene belgische Team schüttelte sich noch einmal und verstärkte im Schlussviertel seine Angriffsbemühungen. Eine Dreierserie an belgischen Ecken (50.) liefen Barry und Ludwig ab, der Stecherversuch von van Doren verfehlte sein Ziel.

Bei einem der wenigen deutschen Vorstöße traf Struthoffs abgefälschte Flanke den Pfosten (55.), doch auch Deutschland benötigte noch eine Portion Glück, als quasi mit der Schlusssirene ein letzter harter Ball in den deutschen Kreis zischte und Danneberg zweimal in höchster Not (und mit dem Helm vor der Linie gegen van Dessel) den Ausgleich verhinderte. Die folgende sechste Ecke, von Boon abgefeuert, lenkte Liniensteher Müller mit dem Schläger an den Außenpfosten. Dann war es geschafft.

„Wir haben in die Ecke viel Arbeit vor dem Spiel hineingesteckt, so dass man dann eigentlich nur noch den geplanten Ablauf durchziehen musste“, sagte Siegtorschütze Brilla fast bescheiden über die Aktion des Tages. Bundestrainer André Henning lobte den Eckenschützen nicht nur wegen seines perfekten Schlenzballes zum 1:0, sondern sah in dem zweikampf- und nervenstarken Verteidiger „ein Paradebeispiel, wie man sich auf solch einer Bühne ins Welthockeygeschehen hineinspielen kann“. Dass man solch einen „Höllenritt“ ohne Gegentor überlebt hatte, machte André Henning besonders stolz: „Ich glaube, heute haben wir im eigenen Kreis alles richtig gemacht.“ Nach einer insgesamt noch „wackeligen ersten Halbzeit“ habe sein Team in der zweiten Hälfte „mehr das Heft in die Hand genommen“. Und sich mit dem vorzeitigen Einzug in die Zwischenrunde belohnt.

Es ist geschafft. Kapitän Tom Grambusch, Torwart Jean Danneberg  nach der letzten belgischen Ecke. Foto: Worldsportpics

 

Stimmen:

 

Bundestrainer André Henning: „Ich war leicht aufgeregt zum Ende, aber ich hatte auch ganz viel Vertrauen in die Jungs. Ich habe es auch zu den Jungs schon gesagt: Ich habe selten ein Team gesehen, dass so viel richtig gemacht hat im eigenen Schusskreis. Sie haben immer noch mal einen Stock dazwischen bekommen, und wenn alle Stricke gerissen sind, war unser Torwart da. Den Gastgeber vor gefühlt 20.000 Zuschauern bei einer WM zu schlagen, ist natürlich ein tolles Ausrufezeichen. Die Mannschaft kann auf diese Entwicklung stolz sein.“

 

Kapitän Tom Grambusch: „Es ist auf jeden Fall noch Adrenalin vorhanden. Das Spiel war wahnsinnig wichtig. Es war unfassbar laut am Ende. Wir haben alles reingepackt und sind am Ende belohnt worden. Jetzt sind wir nur noch glücklich. Wir waren taktisch hervorragend eingestellt. Die Defensive war heute der Schlüssel. Über die gewinnt man übrigens auch Titel.“