Die Nervenprobe bestanden und den Einzug in die Zwischenrunde geschafft: Mit einem hochverdienten 3:1 (1:0)-Sieg über die USA vermieden die deutschen Damen am Mittwoch im strömenden Regen von Wavre ein frühes Aus aller Halbfinalträume.
Die Ausgangslage war für alle klar. Die deutsche Mannschaft musste das abschließende Gruppenspiel gegen die USA gewinnen, um weiterzukommen, während den Amerikanerinnen bereits ein Unentschieden für die Zwischenrunde der beiden Gruppenbesten gereicht hätte.
Auch wenn der Druck vor diesem ersten von bestenfalls mehreren Spielen mit Finalcharakter auf deutscher Seite riesengroß war, so war von einer Nervosität vom Anpfiff an zumindest nach außen nichts zu spüren. Der Druck förderte bei den Danas (erneut ohne Lena Micheel, die muskuläre Probleme beklagt, sowie ohne Stine Kurz im Kader) eher die Entschlossenheit, sofort das Spiel in die Hand nehmen zu wollen. Bereits nach 65 Sekunden feuerte Sara Strauss bei ihrem ersten WM-Einsatz einen ersten Ball auf den US-Kasten. Auch Landshut (5.) und Hachenberg nach starkem Wiedermann-Solo (12.) strebten energisch den Führungstreffer an, der aber noch auf sich warten ließ. Bis zur ersten Viertelpause konnte der Gegner keinen einzigen Ball in den deutschen Kreis bringen.
Mit gleicher Dominanz ging es weiter. Krings mit wuchtigem Torschuss (16.) und zweimal Fleschütz über die Grundlinie näherten sich dem längst überfälligen 1:0 an, das auch bei der ersten Strafecke (Stoffelsma-Schlenzer, von Torhüterin Bing gut pariert/19.) noch nicht fallen wollte.
Dann brachte von der Heyde über rechts den Ball in den Kreis und fand in der Mitte Zimmermann. Diese wurde beim Abschlussversuch ziemlich robust angegangen. Dass Schiedsrichterin Harrisson auf Siebenmeter entschied, war ein wenig glücklich, aber glich in gewisser Weise den eher fragwürdigen Strafstoß aus dem Argentinien-Spiel wieder aus. Jette Fleschütz übernahm die Verantwortung und stellte die Führung her, auch wenn die Torhüterin mit dem Fuß noch am Ball war – 1:0 (21.).

Doppeltorschützin Jette Fleschütz (Mitte) beeindruckte nicht nur mit Nervenstärke bei ihren beiden Siebenmetern, sondern war gegen die USA auch ein steter Unruheherd für die gegnerische Abwehr. Foto: Worldsportpics
Eine grüne Karte gegen Rothländer (27.) führte in Unterzahl zur ersten und bis zur Pause einzigen brenzligen Situation vor dem Kasten der sicher parierenden Torhüterin Starck. Nach Wiederbeginn änderte sich nichts an den Kräfteverhältnissen auf dem Platz. Die deutschen Spielerinnen blieben hochkonzentriert bei der Sache und machten ganz wenig Fehler, was bei der Bedeutung des Spiels, aber auch den äußerst schwierigen äußeren Verhältnissen mit beständigem Regen nicht einfach war. Beruhigend war natürlich, dass recht schnell der zweite Treffer nachgelegt werden konnte. Über rechts brachte Davidsmeyer den Ball in den Kreis, Hachenberg lenkte diesen noch minimal ab, und am langen Pfosten war Lisa Nolte im richtigen Moment eingelaufen, um aus kurzer Distanz zum 2:0 (33.) einzudrücken.
Spätestens jetzt waren die Amerikanerinnen gefordert, mehr in ihre bislang quasi nicht vorhandene Offensive zu investieren. Das gelang einige Minuten lang gar nicht, ehe fast wie aus dem Nichts dann doch der Anschlusstreffer fiel. Ashley Sessa bewies ihr großes Talent, als sie vor dem Kreis ein Zuspiel aufnehmen und mit einer geschickten Bewegung sowohl Gegenspielerin Stoffelsma als auch die eingreifen wollende Weidemann versetzte. Aus dem Lauf gelang der US-Stürmerin dann auch noch ein Heber über die zur zweiten Halbzeit eingewechselte Kubalski hinweg ins Netz – 1:2 (39.).
Den geschrumpften Vorsprung konnte die DHB-Auswahl zum Glück schon vier Minuten darauf wieder auf das alte Maß ausbauen. Nachdem die zweite deutsche Ecke noch in der US-Welle hängen blieb (41.), fiel kurz danach das 3:1. Lucina von der Heyde hatte sich im Mittelfeld einmal mehr stark behauptet. Bei ihrem Anspiel in die Spitze behinderten sich zwei US-Verteidigerinnen gegenseitig. Strauss konnte den Ball aufnehmen und aufs Tor zudribbeln. In ihren unter Bedrängnis erfolgreichen Abschlussversuch platzte etwas vorschnell der Siebenmeterpfiff von Schiedsrichterin Wilson, die natürlich das Strauss-Tor dann nicht mehr anerkennen konnte. Was letztlich ohne negative Folgen für Deutschland blieb, denn Jette Fleschütz gewann auch das zweite Duell gegen Kelsey Bing und verwandelte sicher zum 3:1 (43.).
Vielleicht hätte es noch einmal spannend werden können, wenn die USA nach 50 Minuten eine ihrer beiden Strafecken hätte nutzen können. Doch Kubalski mit einer tollkühnen Parade und die perfekt die Abspielvariante lesende Weidemann verhinderten ein mögliches 2:3. Den Rest der Spielzeit brachte die deutsche Mannschaft ohne große Gefahrenmomente über die Zeit, selbst eine künstliche Überzahl in den letzten fünf Minuten half dem US-Team nichts mehr. Bei 32:6 Kreiseintritten und 11:4 Torschüssen war der Sieg mehr als verdient. Und die Erlösung im deutschen Lager entsprechend groß.
Wäre diese Hürde nicht genommen worden, hätte man nur noch um die Plätze 9 bis 16 spielen können, was dann als schwächstes deutsches Abschneiden in der WM-Geschichte eingegangen wäre. Platz 8 aus dem Jahr 2006 ist die bisherige WM-Tiefstmarke einer deutschen Damenauswahl. So aber ist man weiter im Rennen, auch wenn durch die 2:3-Niederlage gegen Gruppensieger Argentinien keine Punkte in die Zwischenrunde mitgenommen werden und weitere „Endspiele“ gegen vermutlich Spanien und Belgien anstehen, will man die Träume von einer WM-Medaille weiter am Leben halten

Ihr totaler Einsatz wurde belohnt: Linnea Weidemann (Mitte) lässt die US-Spielerinnen Reese d'ariana (links) und Ryleigh Heck (rechts) nicht zum Zug kommen. Foto: Worldsportpics
Stimmen:
Janneke Schopman: "Ich bin sehr zufrieden heute. Wir wussten, dass der Druck sehr groß ist. Wir haben gut begonnen und immer weitergearbeitet, haben auch die Zweikämpfe gewonnen. Jetzt atmen wir durch. In zwei Tagen gibt es das nächste Finale. Wir können hier jedes Spiel gewinnen.“
Lisa Nolte: „Ich bin einfach nur happy, was wir heute wieder abgeliefert haben. Wir mussten gewinnen, wir schießen dann die Tore und machen es souverän am Ende. Wir können viel aus dem Spiel mitnehmen. Der Schlüssel war heute das Vertrauen in die eigenen Stärken. Jetzt gilt es, auch mental etwas runterzufahren, weil es heute für den Kopf nicht unanstrengend war.“
Jette Fleschütz: „Wir sind sehr erleichtert. Wir haben uns vorgenommen, heute von Anfang an wach zu sein. Das ist uns gelungen. Am Ende haben wir es erwachsen zu Ende gespielt, was nicht selbstverständlich ist bei so einer jungen Truppe.“







