Im für den weiteren Fortlauf des Turniers völlig bedeutungslos gewordenen letzten Gruppenspiel trennten sich die deutschen Herren mit 1:1 (0:0) von Frankreich. Der Gruppensieg der der DHB-Auswahl stand bereits vorher fest, ebenso die Nicht-Qualifikation der Franzosen. Dass es am frühen Mittwochabend in Wavre auch noch durchweg regnete, machte die Sache für alle Beteiligten noch schwerer.
Frankreich hatte nach der knappen 2:3-Auftaktniederlage gegen Belgien und dem enttäuschenden 3:3 gegen Malaysia keine Chance mehr, in die Zwischenrunde einzuziehen. Deutschland hingegen war nach dem 5:1-Pflichtsieg über die Malayen und dem heroischen 1:0 über die belgischen Turnierfavoriten bereits sicher unter den ersten Zwei der Gruppe B und hatte bereits vor Beginn des dritten Vorrundenspiels drei Punkte zum „Mitnehmen“ mit Gewissheit in der Tasche.
Also konnte Bundestrainer André Henning den leicht kränkelnden Kapitän Tom Grambusch und den nach langer Verletzungszeit sicher nocht nicht wieder vollständig fitten Moritz Ludwig aus dem Spieltagskader lassen. So kamen Linus Müller und Malte hellwig zu ihren ersten WM-Einsätzen, in der zweiten Halbzeit war das auch für Torhüter Joshua Onyekwue Nnaji der Fall.
Sehr schnell merkte man der Partie an, dass auf beiden Seiten absolute Hingabe und Schärfe fehlte, was völlig verständlich war. Das unwirtliche Wetter mit Eiseskälte und Dauerregen tat das Übrige, dem Geschehen schnell den Stempel eines Trainingsspiels aufzudrücken.
Aber weil echte Sportler bekanntlich nicht mal im Training verlieren wollen, war der Ehrgeiz auf beiden Seiten zumindest so groß, den eigenen Kasten möglichst sauber halten zu wollen. Das gelang beiden Seiten über fast drei Viertel hinweg.
Bis dahin war Deutschland einem 1:0 deutlich näher als die Franzosen, die Jean Danneberg nur ein-/zweimal prüften, während auf der anderen Seite Schlussmann Saunier viel mehr zu tun bekam. Vor allem beim Heber von Hellwig (28.) und dem Rückhandknaller von Hannes Müller (29.) lag die Führung in der Luft.

Im Dauerregen von Wavre war es für Antheus Barry (m Ball) und alle weiteren Spieler keine erquickliche Angelegenheit. Foto: Worldsportpics
Nach 43 Minuten war es dann soweit. Der mit der Spielführerbinde auflaufende Thies Prinz hatte von links mit der Rückhand scharf Richtung langer Pfosten geflankt, wo Justus Weigand in urtypischer Manier eines Mittelstürmers stand und seinen Schläger reinhielt – 1:0.
Die gute Laune an der deutschen Bank trübte sich erst in den letzten 90 Sekunden des Spiels noch ein wenig ein. Da war zunächst die aus Bundestrainer-Sicht völlig übertriebene gelbe Karte gegen Schwarzhaupt für ein Allerweltsfoul im Mittelfeld. Frankreich agierte die restliche Spielzeit in doppelter Feldspieler-Überzahl, weil es gut fünf Minuten vor Ende den Torwart vom Feld genommen hatte. Deutschland schien das Resultat über die Zeit spielen zu können, als Weigand gut 30 Meter vor dem eigenen Kasten den Ball in die Beine eines Franzosen spielen konnte. Doch statt Freischlag für Weiß gab Schiri Greenfield Ballbesitz für Blau. Und Frankreich nutzte das blitzschnell aus. Über rechts kam der Ball in den Kreis, wo Onyekwue Nnaji gegen Clément mit einem Reflex noch den Einschlag verhinderte. Doch gegen den Nachschuss von Louis Haertelmeyer war er machtlos. 39 Sekunden vor der Sirene hatte sich Deutschland doch noch den Gegentreffer zum 1:1-Endstand eingefangen.
Der Ärger darüber dürfte im DHB-Lager ganz schnell abklingen, fordern doch die „zwei unglaublichen Bretter“ (A. Henning), die am Freitag (wahrscheinlich 17 Uhr) mutmaßlich gegen Spanien und Sonntag (wahrscheinlich 20:30 Uhr) mutmaßlich gegen Australien auf Deutschland zukommen, die ganze Konzentration.
Frankreichs Torwart Corentin Saunier stellt sich dem deutschen Angreifer Michel Struthoff (in weiß) entgegen. Foto: Worldsportpics
Stimmen:
André Henning: "Wir haben das Spiel komplett in der Hand gehabt, machen eine fantastische Partie und kriegen dann nach einem sehr seichten Pfiff die Karte. Das war bei aller Neutralität sehr unglücklich für uns. Danach kriegen wir dann in Unterzahl den Ausgleich. Die Jungs haben es heute sehr gut gemacht bei gefühlt acht Grad und Dauerregen. Wir waren ja schon vorher durch. Und dennoch hat es diese junge Mannschaft sehr erwachsen gespielt. Ab dem zweiten Viertel waren wir dominant und überlegen. Es hätte leicht zwei oder drei zu Null stehen können, jetzt steht am Ende ein 1:1, damit kann ich aber auch gut leben."
Thies Prinz: "Wir haben 60 Minuten sehr gut gespielt, ich weiß nicht wie viele Chancen Frankreich überhaupt hatte. Dass es jetzt 1:1 zu Ende gegangen ist, ist ärgerlich. Trotzdem: Wir nehmen wahrscheinlich drei Punkte mit in die nächste Runde, und darüber sind wie sehr happy. Wir sind eine gute Einheit, jeder kämpft für den anderen. Hinten stehen wir hervorragend bis jetzt. Vorne im Angriff haben wir noch Luft nach oben."
Justus Weigand: "Die Bedingungen waren heute schwierig. Hockey wird durch den Dauerregen anders. Bei meinem Tor habe ich einfach richtig gestanden. Es kommt immer stark auf die Vorarbeit auch an, die war heute von Thies herausragend. Jetzt heißt es, zwei Tage zu regenerieren und dann freuen wir uns, dass es bei dieser WM so richtig losgeht."







