DEUTSCHE
HOCKEY ZEITUNG

Mit Hockey erhalten Sie wertvolle Tipps und Informationen rund um den Hockeysport.

1:3 gegen Belgien – die Chance auf ein Halbfinale ist für die Danas vorbei

Aus, Ende, vorbei – die Halbfinal- und Medaillenträume der deutschen Damen haben sich bereits mit dem ersten Zwischenrundenspiel in Luft aufgelöst. Gegen Belgien gab es am Samstag eine 1:3 (0:1)-Niederlage. Somit können die deutschen Damen nicht mehr Gruppenzweiter werden, auch wenn sie das nächste Spiel (Montag, 17 Uhr) gegen Spanien gewinnen sollten.

 

Deutschland war wegen des 2:3 gegen Argentinien ohne Punkt in die nächste Runde gegangen, aber auch Belgien konnte durch das 1:1 gegen Spanien lediglich einen Zähler mitnehmen und stand fast genauso unter Druck wie die DHB-Auswahl. Die verständliche Nervosität bekamen beide Seiten vor den knapp 10 000 Zuschauern auf den Rängen recht schnell in den Griff. Für Deutschland deutete Wiedermann mit einem mutigen Solo über links bis an die Grundlinie im Kreis erste Gefahr an (2.), Belgien erkämpfte sich durch Ballenghien nach sechs Minuten die erste Ecke. Die Ausführung misslang durch einen Fehlstopp, und im folgenden Konter kam Deutschland zu gleich zwei hochkarätigen Abschlussgelegenheiten, bei denen Krings und Heusgen eigentlich nichts verkehrt machten, aber Belgien durch Torhüterin Sotgiu und eine Feldspielerin im letzten Moment klären konnte (7.). Kurz vor der ersten Viertelpause erzwang auch die Danas ihre erste Ecke. Der Schlenzversuch von Stoffelsma wurde geblockt und war auch nicht zwingend genug (15.).

Gleich nach Wiederbeginn zog Belgien seine zweite Ecke (16.). Torhüterin Starck wehrte den Schuss von vanden Borre sicher ab, wieder ergab sich ein Überzahlkonter, bei dem es die Deutschen diesmal nicht so gut machten wie im ersten Viertel. Nach 23 Minuten dann die Führung für die Gastgeberinnen. Vandermeiren fand mit einem 30 Meter-Pass den Weg durch die deutsche Abwehr. Delphine Marien hatte sich hinter Davidsmeyer weg in den freien Raum erschlichen, nahm den Ball auf und überwand Starck mit der Rückhand im Fallen zum 1:0.

Delphine Marien (vorne links) bejubelt ihr 1:0, Ines Wanner (links) und Emma Davidsmeyer (rechts) können nichts mehr ausrichten. Foto: Worldsportpics

 

Deutschland schwamm, bekam gleich die nächste Ecke gegen sich, bei der Davidsmeyer ihren Fauxpas durch gutes Herauslaufen wieder wettmachte. Auf der anderen Seite dann nach längerer Zeit wieder ein offensives Lebenzeichen der Danas, die durch Hachenberg ihre zweite Ecke erzwangen. Der Nolte-Schlag war dann zu hoch angesetzt, die Chance vertan. Auf der Gegenseite gab es dann noch eine Dreierserie an Ecken, bei der Deutschland mit Glück und Können das mögliche 0:2 verhinderte (27.).

Das Zählbare, auf das die deutschen Damen in der ersten Hälfte vergeblich warteten, stellte sich dann gleich zwei Minuten nach Wiederbeginn ein. Bei der dritten Ecke klappte die ausgeguckte Stechervariante über Stoffelsma und Lisa Nolte als Torschützin perfekt. Kopfhoch zischte der Stecher ins belgische Netz – 1:1 (32.).

Leider konnte der Ausgleich überhaupt keine Wirkung (aufs eigene Team wie auch auf den Gegner) entfalten. Denn schon keine zwei Minuten danach hatte Belgien seine Führung wieder. Nicht nur der Zeitpunkt war ärgerlich, auch das Zustandekommen. Vor dem eigenen Kreis befand sich Zhong in Ballbesitz. Anstatt ohne Risiko rauszupassen oder die Kugel zumindest stabil am eigenen Schläger zu lassen, ließ sich die junge Deutsche den Ball von zwei pressenden Gegnerinnen abluchsen, und eine Sekunde später hatte Belgien seine siebte Ecke. Stephanie Vanden Borre deutete bei ihrem Flachschlenzer einen Schuss Richtung  langes Toreck an, die zur Pause eingewechselte Kubalski im deutschen Kasten reagierte auch entsprechend, ehe die Schützin den Ball im letzten Moment dann doch in die andere Ecke zog und damit Erfolg hatte – 2:1 (34.).

Der schnelle Rückschlag war ein Wirkungstreffer. Die deutschen Spielerinnen unterliefen in der Folge viele Fehler, selbst bei den Erfahrensten wie von der Heyde schnellte die Fehlerkurve nach oben. Aus ihren Fehlpässen im Aufbau resultierten zwei dicke Chancen für Belgien. Kubalski (gegen van Heel) und Davidsmeyer (gegen Marien) verhinderten im letzten Moment das 1:3. Dieses fiel dann aber in der 42. Minute. Charlotte Englebert konnte zweimal abziehen, beim zweiten Versuch schlug den Ball im deutschen Kasten ein. Wie sehr von der Rolle die DHB-Auswahl in dieser Phase war, zeigte das Zustandekommen der achten belgischen Ecke, als Stoffelsma den Ball in die Füße von Weidemann schob. Die verstoppte Ecke führte zu einem deutschen Konter, bei der Krings den richtigen Zeitpunkt des Abspiels auf die völlig frei im Kreis stehende Hachenberg verpasste.

Deutschland musste im Schlussviertel noch mehr ins Risiko gehen, denn nur mit einem Unentschieden hätte man noch gewisse Aussicht auf das Halbfinale gehabt. Der Versuch, Belgien in dessen Hälfte zurückzudrängen oder gar einzuschnüren, klappte kaum einmal. Ohne große Mühe konnten die Gastgeberinnen das Geschehen meist weit weg vom eigenen Kreis halten. Erst nach 53 Minuten kam Deutschland wieder aussichtsreich in den Kreis, doch der Abschluss von Zhong aus kurzer Tordistanz war viel zu harmlos, um Torhüterin Piccard vor große Probleme zu stellen. Schwieriger war dies schon beim Abschluss von Fleschütz, die sich energisch alleine durchgetankt und hart abgeschlossen hatte, doch das dringend benötigte 2:3 wollte nicht fallen. Verletzungen von Heusgen und Wiedermann trübten zudem das Stimmungsbild auf deutscher Seite.

Die letzten fünf Minuten versuchte es Deutschland in künstlicher Überzahl, doch bis auf den erwähnten Fleschütz-Schuss gab es keine Chance mehr auf einen Treffer. Eher wäre auf der anderen Seite fast noch das 4:1 gefallen.

19:17 Kreiseintritte, 15:11 Torschüsse und 9:3 Ecken zugunsten von Belgien verstärken mit Zahlen den Eindruck, der sich auch optisch verdichtet hatte: Die Mannschaft mit der geringeren Fehlerquote und zugleich der höheren Entschlossenheit im Schusskreis hatte sich verdient durchgesetzt. Während für Belgien der Traum von einer Medaille weitergeht, ist er für die deutschen Damen am Samstagnachmittag zu Ende gegangen. Maximal Platz fünf ist jetzt noch möglich.

 

Hanna Rothländer (links) und die Belgierin Camille Belis. Foto: Worldsportpics

 

Stimmen:

 

Bundestrainerin Janneke Schopman: "Natürlich hatten wir uns mehr erhofft. Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht und müssen vielleicht mehr Tore machen in der ersten Halbzeit. Wir schießen auf das Tor, aber nicht in das Tor. Die Gegnerinnen sind gut gewesen, aber auch nicht super stabil in Ballbesitz. Der Unterschied ist heute die Qualität der Torabschlüsse gewesen."

 

Lucina Von Der Heyde: "Wir hätten die Punkte gebraucht, dementsprechend sind wir jetzt sehr enttäuscht. Wir haben nicht so in unser Spiel gefunden gegen einen guten Gegner. Wir dürfen aber jetzt nicht aufhören und wollen im nächsten Spiel weiter unser Bestes geben."

 

Kapitänin Linnea Weidemann: "In uns steckt viel mehr als so früh im Turnier auszuscheiden. Die Belgierinnen waren aber heute auch sehr gut, und es hätte eine sehr, sehr gute Leistung von uns gebraucht, um sie zu besiegen. Sie waren früher am Ball, wir waren vielleicht auch das aufgeregtere Team, und daher haben wir verdient verloren."