Die Honamas stehen wieder ganz oben. Bei der 16. Weltmeisterschaft gewinnen sie durch einen 1:0-Finalsieg über Spanien den Siegerpokal. Es ist die zweite erfolgreiche Titelverteidigung in der DHB-Geschichte.
Vor Anpfiff wird Hannes Müller von DHB-Vizepräsidentin Kattrin Kauschle und FIH-Präsident Tayyab Ikram für seinen 100. Länderspieleinsatz geehrt. Und die gute Laune im deutschen Lager erhält sogleich Nahrung. Spanien ist noch kaum einmal am Ball gewesen, da hat die vom Anspiel weg flott kombinierende deutsche Mannschaft die erste Strafecke herausgeholt. Hugo von Montgelas spielt sich zusammen mit Thies Prinz über links bis in den Kreis, wo sie einen spanischen Fuß finden. Der mittige Schlenzer von Benedikt Schwarzhaupt wird von Torwart Luis Calzado und anschließend seinen Vorderleuten geklärt (2.). Es sollte bis zum Spielende die einzige deutsche Ecke bleiben.
Deutschland hat im ersten Viertel ziemliche Dominanz, auch wenn Spanien nach neun Minuten über links das erste Mal gefährlich in den Kreis und dann auch zu seiner ersten Ecke kommt. Den Schlenzer von Kapitän Marc Mirrales läuft Teo Hinrichs erstklassig ab. Beim direkt daraus entstehenden Konter will Müller im Kreis Weigand bedienen, der das Zuspiel knapp verpasst. Bis auf eine brenzlige Szene vor dem eigenen Kasten, als Jakob Brilla gleich von zwei Spaniern eingekesselt wird, aber die Situation auf mit Hilfe von Antheus Barry gelöst bekommt (12.), passiert bis zur ersten Viertelpause nichts mehr.

Paul Kaufmann (in weiß; hier im Duell mit dem Spanier Xavier Gispert) liefert die Vorlage zum deutschen Treffer. Foto: Worldsportpics
Spanien schiebt in der zweiten Viertelstunde weiter nach vorn und erzielt auch Wirkung damit. Der deutsche Kreis ist nun öfter in Bedrängnis. Gegen Rückhandknaller von Lacalle (22.) und Deutschland-Schreck Basterra (25.) muss Torwart Jean Danneberg die Pranke ausfahren, kann aber ganz stark den Rückstand vermeiden. Und beim Abschluss von Alvarez ist Moritz Ludwig erfolgreich im Weg (28.). So sehr das erste Viertel an Deutschland gegangen war, so sehr können die Spanier den zweiten Abschnitt für sich verbuchen. Nur der torlose Spielstand ist zur Halbzeit unverändert. Mit 11:10 Kreiseintritten und 4:2 Torschüssen hat Spanien zur Pause leichte Vorteile in der Statistik.
Gleich nach Wiederbeginn hoppelt eine spanische Flanke von rechts durch Freund und Feind. Am langen Pfosten verpasst auch José Basterra. Vor zwei Tagen hatte er im Halbfinale gegen Holland bei einer nahezu identischen Szene noch getroffen. Spanien behält zwar optisch die Oberhand, doch die deutschen Spieler gewinnen immer wieder wichtige Zweikämpfe vor und im eigenen Kreis. Nach 39 Minuten kommt das Team von Max Caldas zur zweiten Edcke, als ein Solo von Clapes nicht mehr anders zu stoppen war. Diesmal kommt Miralles zwar an der deutschen Welle vorbei, verfehlt den deutschen Kasten aber knapp.
Erst in der Schlussphase des dritten Viertels kann Deutschland auch den Ball wieder häufiger in der gegnerischen Hälfte festmachen. Und so kommt es nach 44 Minuten zur letztlich spielentscheidenden Szene. Die Honamas holen sich links im spanischen Viertel einen Freischlag. Über Prinz und von Montgelas kommt der Ball in den Kreis, wo ihn Paul Kaufmann erst einmal absichern kann. Sein No-look-Pass Richtung Grundlinie kommt genau richtig in den Lauf des quer zur Grundlinie startenden Michel Struthoff. Der schnappt sich die Kugel, geht in den freien Raum, umkurvt dabei auch noch Torwart Calzado und schiebt zum 1:0 ein.
Spanien antwortet sogleich und erzwingt noch vor der letzten Viertelpause seine dritte Ecke. Den Schlenzer von Pepe Cunill läuft Hinrichs ab – aber erstens nur auf Kosten der vierten Ecke und zweitens für einen Höllenschmerz am getroffenen Fuß. Der beste deutsche Herausläufer muss erst einmal verletzt auf die Bank, bis Mitte des Schlussviertels bekommt ihn die medizinische Abteilung wieder spielfähig. Aber auch ohne Hinrichs schafft es Deutschland, ein Cunhill-Eckentor zu verhindern. Dessen Ball zischt Zentimeter am langen Pfosten vorbei.

Kapitän Tom Grambusch und seine Nebenleute lassen in der Abwehr bis zum Schluss nichts anbrennen. Hier versucht es Spaniens Borja Lacalle über die Grundlinie. Foto: Worldsportpics
Gleich zu Beginn des Schlussviertels hat Struthoff plötzlich die Chance zum Doppelpack, verzieht nach Vorarbeit von Prinz und Weigand jedoch knapp neben den Kasten (46.). Es sollte die letzte deutsche Kreispräsenz im Spiel sein. Aber man führt ja schließlich. Die restliche Zeit, die sich aus Sicht von Siegtorschütze Struthoff „wie eine Stunde angefühlt“ habe, muss Deutschland fast im Dauermodus verteidigen. Wenigstens zweimal sind die Spanier ganz dicht am Ausgleich. Bei der Basterra-Direktabnahme fährt Danneberg im letzten Moment das Bein aus (49.), und der Schuss von Bruno Font aus spitzem Winkel verfehlt sein Ziel um eine Haaresbreite (51.). Weil es Deutschland zwischendurch immer wieder schafft, im Mittelfeld durch Struthoff, Prinz, von Montelas oder Rühr Bälle festzumachen, steht die Abwehr nicht unter permanentem Dauerstress. Spanien nimmt dreieinhalb Minuten vor Schluss Calzado für einen elften Spieler runter, aber es hilft nichts. Der deutsche Kreis und erst Recht der Kasten bleiben bis zum Schlusspfiff trotz 24:12 Kreiseintritten, 9:5 Schüssen und 5:1 Ecken zugunsten von Spanien wie vernagelt. Auch im dritten WM-Endspiel nach 1971 (gegen Pakistan) und 1998 (gegen Niederlande) zieht Spanien den Kürzeren.
Deutschland ist Weltmeister, kann wie 2002/2006 nun auch 2023/2026 eine erfolgreiche Titelverteidigung auf die Platte bringen. Zum Lohn gibt es aus den Händen des belgischen Königs Philippe den WM-Pokal.
Stimmen
Bundestrainer André Henning: "Ich bin so stolz auf diese Mannschaft. Ich glaube, ganz viele hätten uns das nicht zugetraut vor dem Turnier. Die Entwicklung war wirklich atemberaubend. Die Art, wie hier Menschen zusammengefunden, füreinander gearbeitet und gekämpft haben, war Wahnsinn. Was hier die letzten drei Wochen passiert ist, macht mich wahnsinnig glücklich und ist inspirierend."
Kapitän Tom Grambusch: "Natürlich bin ich überglücklich. So richtig realisieren, werde ich es wahrscheinlich erst morgen. Wir haben ein super Trainerteam, das die Mannschaft zusammengeschweißt hat, und das war auch der Schlüssel. Wir waren sehr eng zusammen als Mannschaft und konnten hier alles reinwerfen."
Torschütze Michel Struthoff: "Dass ich jetzt dieses Tor schieße, ist natürlich geil, aber es ist noch viel geiler, dass wir dieses ganze Ding hier gewonnen haben. Wir haben immer gesagt, dass wir eine Familie sind und dass wir es nur gemeinsam schaffen können. Und jetzt sind wir einfach Weltmeister, das ist so unglaublich."







