Für Ben Göntgen, den einzigen deutschen Schiedsrichter unter 26 Unparteiischen der Doppel-Weltmeisterschaft 2026, lief die Veranstaltung sehr positiv. „Ich habe mit dem Herren-Halbfinale Spanien gegen Niederlande das Möglichste rausgeholt, da ja die deutsche Herrenmannschaft im Finale stand und dann auch letztendlich den Titel geholt hat - Glückwunsch dazu“, sagt der 42-Jährige, der ob der eigenen Chance auf eine Final-Leitung natürlich nicht auf einen sportlichen Misserfolg seiner Landsleute spekuliert oder gar darauf hofft.
Göntgens Einsatzgebiet bei dieser WM war quasi ausschließlich im niederländischen Hockey-Mekka Amstelveen, im Süden von Amsterdam. Zum Endspieltag der Herren kam er dann auch ins belgische Wavre und verfolgte im Stadion auf der Tribüne die beiden Partien um die Bronzemedaille und den Siegerpokal.

Duco Telgenkamp (in orange) im WM-Halbfinale gegen Spanien. Hinten ist schemenhaft auch Schiedsrichter Ben Göntgen zu erkennen. Nach der gelben Karte gegen den niederländischen Angrefer zog der Gegner vom 1:1 entscheidend zum 4:1 davon. Foto: Worldsportpics
„Das war ein super Turnier, die Organisatoren haben das Klasse gemacht. Ich konnte mir am letzten Tag des Herrenturniers dann ja auch in Belgien das Stadion angucken. Die Organisation lief aus unserer Sicht reibungslos, in Holland genauso“, sagt der deutsche Spitzenschiedsrichter nach seiner dritten Feld-WM-Teilnahme nach 2018 und 2023 zufrieden. Auch sportlich durfte er die abgelaufenen zwei WM-Wochen als erfolgreich verbuchen. Bei sieben WM-Spielen stand Göntgen als Spielleiter auf dem Platz, drei Mal fungierte er als Videoumpire im „Kölner Keller“ und zwei Mal als Reserve Umpire, unter anderem beim Damen-Endspiel, das Amber Church (Neuseeland) und Sarah Wilson (Schottland; mit der Göntgen das Herren-EM-Endspiel 2023 zwischen Niederlande und England in Mönchengladbach pfiff) leiteten. Dort kam der Leverkusener beim Shoot-out zum Einsatz und überwachte von der Grundlinie aus, ob ein Ball die Torlinie überquert hatte (oder eben nicht).
„Ich bin super zufrieden, mit der WM 2026 und auch wenn ich so auf meine Karriere insgesamt gucke. Seit 2015 mit der EM in London bin ich bei jedem großen Turnier als Schiedsrichter zumindest im Halbfinale gewesen. Abgesehen natürlich von der WM 2023, wo ich dann ja verletzungsbedingt ausgefallen bin. Ich bin also somit in diesem Turnier sehr zufrieden, aber auch über jetzt 13 Jahre internationales Hockey eigentlich total zufrieden, weil man ja doch irgendwie mit einer Halbfinalleistung bestätigt bekommt, dass man zu den besten vier oder sechs Schiedsrichtern des Turniers gehört hat, und ich da meine Leistung jetzt so über viele Jahre wirklich konstant halten und konservieren konnte“, schlägt Ben Göntgen einen Bogen vom aktuellen Turnier zu seiner gesamten bisherigen Karriere.

Die strittige Szene des WM-Halbfinals in Amsterdam machte sich natürlich auch in den sozialen Netzwerk rasend schnell breit. Der spanische Verteidiger Xavier Gispert (in weiß) hatte eine gegnerische Großchance mit einem starken Einsatz in letzter Sekunde zunichte gemachte. Für seine gelungene Aktion feierte er sich mit einem breiten Grinsen unmittelbar vor dem Gesicht des niederländischen Schützen Duco Telgenkamp, der das offenbar als Provoktation auffasste und Gispert mit einem kräftigen Schubser umstieß. Screenshot: Facebook
Vor allem war Göntgen auch unmittelbar dabei und beteiligt, als es zu einer der mit am häufigsten diskutierten Szenen dieser Weltmeisterschaft kam. Als nämlich im Herren-Halbfinale der niederländische Stürmer Duco Telgenkamp den spanischen Verteidiger Xavier Gispert umstößt. Zuvor hatte Gispert nach einer gelungenen Abwehraktion dem Holländer sehr theatralisch gegenüber gestanden, ehe es zur Unportlichkeit Telgenkamps kam. Der Holländer wurde vom deutsch-australischen Schiedsrichtergespann Zeke Newman/Ben Göntgen für zehn Minuten vor Platz gestellt, der spanische Spieler kam ohne Zeitstrafe davon, was viele Beobachter nicht ganz nachvollziehen konnten. In Überzahl zog Spanien dann entscheidend von 1:1 auf 4:1 davon. Gegenüber der DHZ bewertete Ben Göntgen die Situation wie folgt: „Wenn du in der Szene dem Spanier was gibst, musst du dem Holländer Rot geben. Wir hatten also die Möglichkeit, dem Spanier eine Karte und dem Holländer dann rot zu geben, oder eben Spanien nichts und Holland gelb. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden, weil wir das angebliche Provozieren nicht unbedingt als solches auch gewertet haben. Gispert verteidigt halt einfach in diesem Moment einen Rückanschuss aufs Tor sensationell, der Ball geht dann nicht ins Tor, sondern zur langen Ecke geht. Gispert freut sich erst mal tierisch, und dann steht er halt unmittelbar vor Telgenkamp. Ja natürlich mag Lachen da irgendwo vielleicht eine kleine Provokation sein, aber er benutzt keine Schimpfworte, das ist kein Missbrauch von Sprache, sondern einfach nur ein emotionaler Aufschrei eines sich in diesem Moment selbst abfeiernden Verteidigens. Und dementsprechend haben wir das nicht als so schlimm bewertet. Die körperliche Reaktion von Telgenkamp war natürlich dann im Anschluss nicht vertretbar und dementsprechend halt als „Serious Misconduct“ zu werten. Und das hat dann halt einfach die Gelbe Karte und zehn Minuten Zeitstrafe zur Folge gehabt.“
lim







