DEUTSCHE
HOCKEY ZEITUNG

Mit Hockey erhalten Sie wertvolle Tipps und Informationen rund um den Hockeysport.

Lars Roßner: „Das Positive ist, dass wir absolut mithalten konnten“

25.09.2026 -

Beim Premierennachmittag des DSD Düsseldorf in der 1. Bundesliga Feld lief es für die Damen des Deutschen Sportklub Düsseldorf ergebnistechnisch um einiges freundlicher als für die Herren. Während diese beim 0:8 gegen den Club an der Alster eine Lehrstunde in Sachen Effektivität bekamen, unterlagen die DSD-Aufsteigerinnen gegen Alster lediglich mit 2:3. Dasselbe Resultat folgte für die Düsseldorfer Erstligadamen dann am Tag darauf gegen den Großflottbeker THGC. Am Montag sprach DHZ-Redakteur Uli Meyer mit DSD-Damencoach Lars Roßner (55) über den Saisonauftakt, der den Düsseldorfer Neulingen zwar reichlich Lob, aber keine Punkte einbrachte.

Herr Roßner, unmittelbar vor dem Debüt Ihrer Damen am Samstag haben ja die DSD-Herren ihre Erstliga-Premiere hingelegt und verloren 0:8 gegen Alster Hamburg. Haben Sie in diesem Moment befürchtet, dass es Ihrer Mannschaft genauso gehen könnte?

Nein. Das hat mir für unsere Herren leidgetan, weil sie eigentlich gar nicht so schlecht gespielt haben, wie das Ergebnis ist, aber sie gemerkt haben, wie brutal effizient man in der ersten Liga ist. 
Uns hat das Herren-Ergebnis ehrlicherweise nicht tangiert. Es sind doch zwei verschiedene Ebenen.

 

Tatsächlich haben die DSD-Damen viel bessere erste Ergebnisse erzielt, gegen Alster und Großflottbek jeweils nur knapp 2:3 verloren. Was war in der Nachbetrachtung gut aus Ihrer Sicht und kann man mitnehmen? Und woran hat es tatsächlich noch ein bisschen gefehlt, dass es nicht zu den ersten Punktgewinnen reichte?

Erstmal muss man ja sehen, gegen wen wir gespielt haben. Das war mit Alster der Zweite der letzten Hauptrunde und mit Flottbek einer der DM-Halbfinalisten 2026. Also muss man da als Aufsteiger natürlich auch ein bisschen mit Respekt an die Aufgabe rangehen. Das Positive ist, und da kann man auch stolz darauf sein, dass wir absolut mithalten konnten. 
Wir haben auf Augenhöhe mitgespielt. Das als Aufsteiger gegen zwei solche Mannschaften zu schaffen, ist absolut positiv. 
Wir gehen gegen Alster sogar mit einer Führung in die Pause und gegen Flottbek mit einem 2:2 in die Halbzeit. Gerade gestern gegen Flottbek wiegt halt schon eine große Enttäuschung, weil da wirklich etwas dringewesen ist für uns. Dass wir gestern so enttäuscht waren, zeigt ja auch, dass unser Anspruch dann auch ist, da zu punkten und nicht einfach zu sagen, die schlägst du eh nicht. Wir haben gesehen, dass wir vieles richtig gemacht haben. Aber wir haben auch noch ein paar Kleinigkeiten und ein paar Themen, die wir deutlich verbessern können. 
Am Sonntag war unsere Eckenabwehr nicht so gut, alle drei Flottbeker Tore sind über die Ecken passiert. Insgesamt haben wir viele Kreiseintritte und viele Chancen gehabt, aber einfach noch zu wenig daraus gemacht. 
Da musst du in der ersten Liga einfach brutal effektiv sein, denn dort kriegst du nicht so viel Chancen wie in der zweiten Liga, logischerweise. Da ist noch Potenzial nach oben. Wir müssen an der Effizienz arbeiten. Das haben uns die anderen noch voraus. 


 

Lars Roßner (links) und DSD-Herren-Cheftrainer Tobias Bergmann (rechts) kreuzen die Schläger. Sowohl die Damen als auch die Herren des Clubs bestritten am vergangenen Samstag ihre ersten Auftritte in der 1. Bundesliga. Beide Coaches verantworten ihre Bereiche schon lange: Roßner geht in seine achte Saison, Bergmann bereits in seine zehnte Spielzeit. Foto: R. Schröder

 

Sie führen die DSD-Damen zusammen mit Sebastian Draguhn. Gibt es da eine klare Arbeitsaufteilung, oder geschieht manches intuitiv oder wechselweise?

Nein, das ist ganz klar abgestimmt, dass während des Spiels und in den Viertelpausen Basti die taktischen Ansagen macht und auch insgesamt mehr für die Taktik zuständig ist, auch die Videoanalysen bearbeitet. Dafür liegt die Personal- und Kaderplanung bei mir. Also da gibt es eine klare Aufgabenteilung, damit da nicht unterschiedliche Sachen von außen als Input in die Mannschaft kommen. Und ansonsten spielen wir uns aber die Bälle dazu. So teilen wir uns den Trainingsbetrieb unter der Woche auf, schließlich machen wir beide dieses Traineramt, im Gegensatz zu vielen Trainerkollegen in der ersten Liga, nicht hauptberuflich. Wir haben auch noch zwei Co-Trainer, die bei allen Trainingseinheiten dabei sind.

 

Ist die Amtssprache eigentlich gerade Englisch beim DSD-Team?

Ja. Außer wenn’s mal emotional wird, kann es auch mal deutsch sein, ansonsten wird englisch gesprochen. Das geht bei dem internationalen Kader auch gar nicht anders. Das haben wir aber auch schon voriges Jahr so gemacht.

 

Ihr Kader ist nach dem Aufstieg jetzt noch internationaler geworden. Drei weitere Australierinnen und drei Neuseeländerinnen sind dazugekommen. Haben da die Fitzpatrick-Schwestern ihre Beziehung spielen lassen, oder geht es noch auf ganz anderem Weg?

Ehrlicherweise mussten wir gar nicht so viel machen, das hatte sich mit Mundpropaganda so ein bisschen rumgesprochen. Das war relativ einfach in der Kommunikation. 
Die Australier und die Neuseeländer haben natürlich auch gewisse Berührungspunkte, kennen sich alle untereinander. Die kommen auch sehr gerne her und fühlen sich alle super wohl hier. Und wir mögen ihre Mentalität. Sie spielen einfaches, schnelles Hockey, nicht so verschnörkelt wie vielleicht andere Nationen. Zu uns passt das einfach. Wir haben einen super Teamspirit.

Es war ja eine schwere Saisonvorbereitung für uns, weil die drei, die bei der Weltmeisterschaft waren, jetzt erst seit anderthalb Wochen hier sind. 
Das Thema haben viele andere natürlich auch, aber wenn zum Beispiel zum DHC Nationalspielerinnen von einer internationalen Maßnahme zurückkehren, dann kommen sie zurück in bestehende Strukturen. 
Wir mussten uns natürlich taktisch und inhaltlich erst ein bisschen finden. Und deswegen gehen wir auch davon aus und haben die Hoffnung, dass es von Spiel zu Spiel noch ein bisschen besser wird.

 

Jetzt gibt es ja die spezielle Situation beim DSD, dass Herren und Damen gleichzeitig und auch zum ersten Mal in die erste Liga aufgerückt sind. Spüren Sie für die weibliche Seite die gleiche Aufmerksamkeit im Club? Oder wäre es Ihnen vielleicht sogar recht gewesen, die Herren wären erst ein Jahr später nachgezogen?

Nein, das ist ein total tolles Erlebnis für alle und den ganzen Club. Von daher ist das nur stark, dass die Herren das auch geschafft haben. Ich glaube, dass die Aufmerksamkeit auf beide Mannschaften gerichtet ist. Natürlich ist das Zuschauerinteresse wie auch bei vielen Vereinen bei den Herren-Spielen vielleicht ein bisschen größer als bei den Damen. Aber das ist dann für uns die Herausforderung, das Stadion vollzuspielen. Gestern zum Beispiel war es ja trotz des extrem schlechten Wetters relativ gut gefüllt. Wenn wir jetzt zweimal gut dagegengehalten haben, glaube ich, dass dann auch nächste Woche nochmal was geht, wenn mit Mannheimer HC und TSV Mannheim nochmal spannende Gegner kommen. Dazu haben wir auch das Glück, dass wir von der Ansetzung her fast immer mit Damen und Herren hintereinander spielen. 
Das ist fürs Clubleben super, dass wird da so verbunden sind.

 

Lars Roßner hat die Damen des DSD Düsseldorf von der Regionalliga über die 2. Bundesliga nun erstmals in die höchste Spielklasse geführt.  Foto: R.Schröder

 

Ist es eigentlich Zufall gewesen, dass Ihre Mannschaft tatsächlich mit fünf Heimspielen in Folge in die Saison startet?

Jein. Das Flottbek-Spiel kam eher zufällig noch in die Serie der Heimspiele dazu, weil wir es auf Wunsch des GTHGC noch da hingelegt haben, um Reisekosten zu sparen. Wir machen das in der Rückrunde bei einer Hamburg-Fahrt dann ebenso. Das Thema Reisekosten ist in der ersten Liga nochmal ein anderer Posten als in der Liga darunter. 
So richtig glücklich ist man natürlich nicht mit fünf Heimspielen. Aber so ist der Spielplan jetzt nun mal, man muss es so annehmen. Es hat vielleicht auch Chancen, sich noch besser einzuspielen. 


 

Spätestens im Aufsteigerduell gegen den TSV Mannheim wäre es schön, wenn die ersten Punkte auch dann mal dablieben, oder?

Es war schon schade und nachträglich ein bisschen enttäuschend, aus dem ersten Wochenende nichts mitgenommen zu haben. Denn wir haben eigentlich gut gespielt, und jetzt besteht die Gefahr, dass auch der ein oder andere Schulterklopfer kommt und sagt, ihr habt das toll gemacht. 
Aber man hat trotzdem keine Punkte, und dann fokussiert sich alles auf so ein Spiel wie gegen den TSV. Dann ist der Druck plötzlich höher, weil man das Gefühl hat, man muss da gewinnen. Wir werden sicherlich einen guten Mix finden, dass wir in allen Spielen versuchen zu punkten, aber uns auch nicht zu sehr unter Druck setzen. 


 

Es ist aktuell ein gewisses Hoch im Düsseldorfer Damenhockey festzustellen: Der DHC ist Deutscher Meister, der DSD ist erstmals in die erste Liga und der DSC99 erstmals in die 2.BL aufgestiegen. 
Gibt es da irgendeinen besonderen Grund oder ist es ein zufälliges Zusammenkommen solcher Erfolge?

Ich glaube, dass da jeder Verein seinen eigenen Weg geht, deswegen glaube ich nicht, dass es da eine Düsseldorf-Spezifik gibt. 
Also ich verfolge mit dem DSD seit Jahren einen gewissen Plan. Der DHC hat seine Strategie, wie die Erfolge zeigen. 
Und der DSC wird jetzt ehrlicherweise, muss man auch mal sagen, für seine doch jahrelang tolle Jugendarbeit im weiblichen Bereich belohnt. Die haben die letzten Jahre immer wieder bei WU16 und WU18 um die deutsche Meisterschaft mitgespielt und einfach Top-Arbeit geleistet. Ich sehe trotzdem keine zusammenhängende „Düsseldorf-Strategie“. 
Aber wir freuen uns natürlich, dass wir da jetzt auch mal in die Phalanx der großen Hockeystädte ein bisschen reinkommen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!