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„Wir haben jetzt eine stabile Grundlage, um die nächsten Schritte zu machen“

Im September 2021 ging die Zuständigkeit für die Hockey-Bundesligen vom Deutschen Hockey-Bund an den 2019 gegründeten Ligaverband Hockeyliga e.V. über. Das kleine, fünfjährige Jubiläum war Anlass genug, mit Hockeyliga-Geschäftsführer Manuel Wilhelm (45) und Ligapräsident Dirk Wellen (65) eine Zwischenbilanz zu ziehen. DHZ-Redakteur Uli Meyer hat die beiden befragt, welche Ziele aus der Anfangszeit sich haben realisieren lassen, wo die aktuellen Herausforderungen liegen und welche Projekte in der Vorbereitung sind. 

Hallo die Herren, ich habe in der Vorbereitung des heutigen Gesprächs ein DHZ-Interview mit Dirk Wellen und dem damaligen Hockeyliga-Geschäftsführer Viktor vom Kolke vom Herbst 2021 gefunden, bei dem ein zentraler Satz lautete: „Wir wollen Hockey sichtbarer machen.“ Ist es die größte Errungenschaft der vergangenen fünf Jahren, in denen der Hockeyliga e.V. die Verantwortung für die Bundesligen trägt, die Hockey-Bundesliga tatsächlich sichtbarer gemacht zu haben?

WILHELM: Ich kann zwar lediglich für die letzten zwei Jahre sprechen. Ich glaube, dass es extrem wichtig ist, auch unsere Mitgliedsvereine zu unterstützen. Dass wir dort deutlich besser geworden sind, ist für mich persönlich die größte Errungenschaft. Also dass wir auch wirklich Formate gefunden haben, mit unseren Vereinen noch enger in Kontakt zu kommen und deren Bedürfnisse besser zu verstehen. Und eins der Bedürfnisse ist eben mehr Sichtbarkeit für den Hockeysport. Hier haben wir unsere Medienreichweite insbesondere durch das große Invest in unsere Social-Media-Kanäle extrem gesteigert. Außerdem schaffen wir es, auch aus dieser Pay-TV-Bubble ein bisschen auszubrechen und regelmäßig Spitzenspiele und Spitzenhockey auf frei empfangbare Kanäle wie Joyn zu bringen. Und natürlich sind wir extrem stolz drauf, was gerade durch die Arbeit in erster Linie von Charlotte (Raatz) und Moritz (Tange), die das bei uns betreuen, im Bereich der Socials getan hat. Da haben wir mittlerweile eine sehr gute Reichweite, die auch den Profis von Dyn sehr viel Respekt abringt.

WELLEN: Als wir damals losgegangen sind, hatten vor allem Hanns-Peter Windfeder und ich die Vorstellung, dass wir sowas machen wollen wie eine Hockey-Sportschau. Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, ist das so ein Thema der Generation Ü60. Heute läuft vieles ganz anders. Also sichtbar machen geschieht eben nicht mehr, indem sich viele Leute zu einem festgelegten Zeitpunkt irgendwo einschalten, sondern darüber, dass wir zum Beispiel über die Social-Media-Kanäle tolle Dinge aus dem Bundesliga-Hockey möglichst weit und regelmäßig verteilen. Oft sind das nur kurze Videoclips. Aber das entspricht dem modernen Nutzerverhalten.

 

In der vergangenen Saison war ein Element dieser medialen Aktivitäten das „Hockey Fantasy“-Spiel. Derzeit ist das nicht mehr sichtbar. Sind es finanzielle Gründe oder andere Dinge, die Sie bewogen haben, das nicht fortzuführen?

WILHELM: Wir sind natürlich immer in der Abwägung, was wir uns leisten können und wollen. Wir haben uns jetzt ganz bewusst dazu entschieden, dass wir uns jetzt erstmal leisten, die Sonderumlage nicht mehr erheben zu wollen. Dementsprechend waren auf der anderen Seite auch Einsparungen notwendig. Fantasy-Hockey ist ein Projekt, das ich nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren will, sondern etwas, von dem ich glaube, dass es sich selbst tragen muss. Und diese Finanzierung haben wir bis jetzt eben noch nicht geschafft. Das Ziel bleibt ganz klar, es im Saisonverlauf hinzubekommen. Wir sind bekanntlich auch letzte Saison erst zur Rückrunde damit eingestiegen, und es war trotzdem gleich sehr erfolgreich. Außerdem sind wir mit den Entwicklern im Austausch und wollen Fantasy-Hockey inhaltlich weiterentwickeln, bevor es wieder angeboten wird.

Fanny Rinne am 11,. Oktober nach einem ihrer drei (!) verwandelten Penaltys im Bundesligaspiel Ihres TSV Mannheim Hockey gegen den Harvestehuder THC. Die Olympiasiegerin von 2004 spielt im fortgeschrittenen Sportleralter (46) inzwischen wieder regelmäßig in der Bundesliga und ist inzwischen auch Präsidiumsmitglied der Hockeyliga. Foto: Foto2press

 

Ein früh formuliertes Ziel der Hockeyliga war auch, einen Liga- oder Namenssponsor für die Bundesliga zu finden. Den gibt es noch nicht. Anfangs hieß es, dass man mit der Liga selber noch gar kein fertiges Produkt habe, das man entsprechend vermarkten könne. Wie weit ist man da noch entfernt?

WILHELM: Wie weit entfernt man von einem Abschluss ist, ist natürlich immer schwer zu sagen. Ich kann nur versichern, dass wir sehr intensiv daran arbeiten, einen zu finden und mit vielen auch jetzt aktuell im Gespräch sind. Das ist ein Thema, das uns permanent beschäftigt. Wir haben eine neue Zusammenarbeit im Bereich der Vermarktung, von der wir uns sehr viel versprechen, die auch bereits erste gute Ergebnisse generiert hat. Das Thema Liga-Sponsoring ist ein schwieriges, nicht nur für Hockey, da haben sich auch viele andere Ligen schwergetan oder tun es noch. Da reihen wir uns auch bei anderen großen deutschen Spielsportarten ein. Aber es ist natürlich ganz klar für uns als Liga ein ganz großes Ziel, das in den nächsten 12 bis 24 Monaten einzutüten, weil das ja auch einer der Bestandteile einer gesunden Finanzierung ist.

WELLEN: Aufmerksamkeit ist die Voraussetzung für künftige Erlöse. Und das ist ein Thema, was ja mindestens 20 Jahre zurückgeht. Also der Spielbetrieb auf nationalem Top-Level war ja im Hockey eigentlich nicht sichtbar. Und wir haben mit den Vereinen zusammen auch sehr daran gearbeitet, das sichtbar zu machen. Das ist für die vielen ehrenamtlichen Strukturen im Hockey, selbst in Clubs der 1. Bundesliga Feld, echt eine Herausforderung gewesen. Nehmen wir das Thema Streaming. Einen stabilen Stream hinzubekommen mit mehreren Kameraperspektiven, Regie und mit einem vernünftigen Kommentar, der mehr ist als Fanradio, das war schon echt eine Herausforderung. Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass wir dafür fast drei Spielzeiten gebraucht haben, das sauber hinzukriegen. Also auf eine vorzeigbare Form und Qualität zu heben, dass auch der Medienpartner Dyn zufrieden ist und die nicht peinlich ist im Vergleich zu anderen Sportarten. Man darf allerdings auch nicht vergessen, dass Volleyball, Tischtennis, Handball und Basketball als Hallen-Sportarten im kompakten Raum günstigere Voraussetzungen haben als Hockey mit einem sehr großen Spielfeld, wo sich die ohnehin kleinere Zuschauermenge ein wenig verliert, und einem kleinen Ball. Bei unserem Outdoor-Sport kann kaum „Hallen-Stimmung“ aufkommen. Insofern ist das alles nicht so einfach. Trotzdem sind wir inzwischen so weit, sagen zu können, dass wir jetzt eine stabile Grundlage haben, um die nächsten Schritte zu machen mit dem schon angesprochenen Vermarktungspartner.

 

Der Medienpartner Dyn ist seinerseits natürlich auch interessiert an einer Verbesserung des TV-Produkts Hockey. Wie ist da die Zusammenarbeit?

WILHELM: Der Austausch ist wirklich sehr intensiv. Unterstreichen will ich zunächst, dass wir unsere Vereine dafür sensibilisiert haben, was es überhaupt bedeutet, ein solches Signal zu produzieren. Es ist völlig klar, dass wir unsere gesetzten Ziele ohne mehr Aufmerksamkeit nicht erreichen werden. Und diese Aufmerksamkeit wird immer ein gewisses Produktionsniveau benötigen, egal zu welchem Anbieter man geht oder ob man es selbst macht. Das war ein enorm wertvoller Prozess und auch ein Prozess, der von Dyn wirklich mit viel Geduld begleitet worden ist und wo sie uns immer wieder Hilfestellungen gegeben haben. Auch auf die Bedürfnisse der Vereine ist dahingehend eingegangen worden, dass Dinge, die von Produktionsseite, also von Dyn und seinem Produzenten Spontent, zunächst nicht so gut funktioniert haben, angegangen und behoben worden sind, so dass wir jetzt ein Level haben, auf dem wir sehr solide die Spieltage der 1. Bundesliga produzieren können.

 

Der Vertrag mit Dyn läuft nach dieser Saison aus. Wie geht es weiter?

WILHELM: Wir sind in fortlaufenden Kooperationsgesprächen mit Dyn, weil die Medienpartnerschaft ja hoffentlich auch verlängert wird. Wir sind aber auch selber marktaktiv. Es gibt noch andere Medienpartner, die spannend sind, aber unser erster Ansprechpartner ist selbstverständlich Dyn, weil wir da eine tolle, vertrauensvolle Zusammenarbeit haben.

 

Mit Beginn der Saison 2026/27 wurde von Dyn ein spezielles Hockey-Abo eingeführt.

WILHELM: Es wurde offenbar doch festgestellt, dass das ursprüngliche Modell, ein Abo zu kaufen, um mehrere angebotenen Sportarten zu schauen, oft gar nicht die Interessen der Abonnenten trifft. Der Hockey-Interessierte will Hockey schauen und ist nicht oder nur kaum an der Basketball-Bundesliga oder an Tischtennis interessiert. Das ist dann vielleicht ein Nebenprodukt, aber es ist kein Anreiz, mehr Geld für ein Streaming-Abo auszugeben. Ich glaube, dass da noch großes Potenzial vorhanden ist, die Produkte noch besser zu schärfen und damit die Interessen der einzelnen User noch besser zu treffen. Aus dem bisherigen Dyn-Abopaket ist auch Handball herausgenommen worden. Weil sich die Kosten dort ziemlich erhöht haben, wollte man nicht alle in Sippenhaft nehmen, mehr zu bezahlen, nur weil Handball teurer geworden ist. Aber letztlich geht es auch auf die Marktanalyse zurück, die gezeigt hat, dass die Schnittmengen, auch andere Sportarten zuschauen zu wollen, sehr gering sind.

 

Februar 2018: Am Schlusstag der 5. Hallen-Weltmeisterschaft sind 8300 Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle - Weltrekord für Hallenhockey. Diese Marke beim Hallen-Final-Four 2028 weiter nach oben zu treiben, ist ein ehrgeiziges Ziel der Hockeyliga. Foto: Imago

 

Wenn man auf die Geschichte der Hockeyliga blickt, dann gab es 2024 einen gewissen Aufstand einer Gruppe an Vereinen, die sich gegen die damalige große Erhöhung der Beiträge und auch gegen das eingeschlagene Tempo bei der Produktentwicklung gestellt hat. Ist das jetzt alles befriedet? Sind mittlerweile alle vom Weg überzeugt, den Sie da eingeschlagen haben?

WILHELM: Unsere 64 Clubs sind wirklich maximal heterogen, das geht vom Erstligisten, der mit Damen und Herren in der ersten Liga vertreten ist und regelmäßig um Titel mitspielt, bis zum Club, der der lediglich mit einer Mannschaft in einer 2. Bundesliga Halle dabei ist. Das heißt, wir werden nie schaffen, die alle gleich happy zu haben. Das ist eine Aufgabe, die man wohl nicht lösen kann. Aber was wir geschafft haben, sind diese intensive Austauschformate, in denen wir wirklich versuchen, alle Vereine aus allen Himmelsrichtungen, aus allen Leistungsklassen und vielleicht auch aus allen finanziellen Strukturen zusammenzubringen, dass wir dann auch wichtige Themen vordiskutieren. Und es dann nicht dazu kommt, dass man sich auf einer offiziellen Versammlung trifft und sich dort die Köpfe einschlägt, sondern im Vorfeld die Stimmung schon mitnimmt, eventuell gemeinsame Anträge erarbeitet und auch über intensive Gespräche viele Sachen abräumen kann. Ich glaube, wir haben faire Möglichkeiten für alle zur Teilhabe geschaffen, indem wir eine nationale Austauschgruppe geschaffen haben, die sich regelmäßig einmal monatlich trifft, und wir dann aber auch regionale Austauschgruppen haben, in denen wir dann gezielt zum Beispiel die Vereine aus dem Osten und dann über alle Ligen hinweg einladen. Das versuchen wir vierteljährlich zu machen. Das alles funktioniert sehr gut. Auch die Vereinsbesuche, für die wir uns Zeit genommen haben, sind sehr gut angekommen. Wir waren bei allen Feld-Erstligisten persönlich und haben mit allen Zweitligisten zumindest einen Videocall gemacht und haben versucht, dann ihre Strukturen zu verstehen und aufzunehmen, was sie beschäftigt und was sie von der Hockey-Liga wollen. Da haben wir einiges erreicht.

Und zum Punkt des Finanziellen. Wir haben es in dieser schwierigen Zeit nicht nur geschafft, unsere Mitgliedsbeiträge zu stabilisieren, sondern können auch auf die Sonderumlage verzichten. Ich glaube, dass es nicht alltäglich ist im aktuellen Umfeld. Wir sind da wirklich sehr kostensensitiv mit einem kleinen Team unterwegs. Ein Bundesligaspielbetrieb auf dem Niveau, wie wir ihn momentan anbieten, kostet halt ein bisschen was. Und wenn wir dieses Geld noch nicht ausschließlich übers Sponsoring generieren können, dann sind eben ein wichtiger Bestandteil die Mitgliedsbeiträge der Vereine.

WELLEN: Wir haben die niedrigsten Beiträge in der deutschen Sport-Community. Also 1.Bundesliga ist bei uns ungefähr nur etwas mehr als die Hälfte des Beitrages der 2. Handball-Bundesliga der Frauen. Ja, ich verstehe, dass so ein Vergleich manche nicht tröstet. Viele Vereine haben ehrenamtliche Strukturen und neben allen finanziellen Themen einen klaren Fokus auf Sport. Und das, was wir hier an übergeordneten Dingen machen, ist eine Investition und hat einen gewissen zeitlichen Horizont, der über ein Geschäftsjahr hinausgeht. Da ich selber auch in erster Linie Clubpräsident bin und lediglich in zweiter Linie das Amt bei der Hockeyliga ausübe, verstehe ich auch, wenn manche sagen, dass sie sich langfristige Dinge im Moment nicht leisten können. Das war einer der wesentlichen Hintergründe damals. Und dann kommt natürlich auch dazu, dass so eine Community natürlich auch persönliche Befindlichkeiten hat, dass Verantwortungen und Ämter in den Clubs wechseln können. Für uns ist und bleibt es eine ganz wichtige Aufgabe, diese sehr heterogene Szene so gut es geht zusammenzubringen und das zu einer Produktentwicklung auf einem nationalen Level zu machen.

 

Was hat es denn mit dem Projekt 49ing auf sich? Was bringt es, was kostet es, und wie realistisch ist es, dass es im deutschen Hockey kommt?

WELLEN: Im Kern geht es darum, dass eine Datenanalyse-Software Hockey lernt. Und das hat ganz viele Aspekte, zum Beispiel auch sportliche. Im Eishockey ist das auf wirklich spektakuläre Art und Weise bereits gelungen, auch deshalb sind wir ja darauf angesprungen. Weil es ein großer technologischer Schritt, ein riesiger Entwicklungssprung für unseren Sport insgesamt wäre, kämpfen sehr drum, das hinzubekommen. Dann ist eine Frage, ob wir das alleine als Hockey-Bundesliga machen wollen. Oder mit dem DHB, oder mit anderen Kooperationspartnern, also mit den anderen Ligen, mit denen wir ja auch seit fünf, sechs Jahren schon kooperieren. Von einigen der Sportverantwortlichen gibt es die Aussage, dass so etwas ein wichtiger Vorteil im Konkurrenzvergleich sein kann. Und deshalb wollen wir erstmal prüfen, ob wir das alleine hinbekommen. An dem Punkt sind wir. Aber es ist auch wieder genau so ein Beispiel dafür, wo einzelne Vertreter in der Liga-Community sagen können: Finde ich ja nett, kann ich mir aber im Moment nicht leisten. Also geht es auch darum, wie man das finanzieren kann, ohne die Vereine herauszufordern.

WILHELM: Wir haben die Sache vor und auch bei der Bundesliga-Versammlung vorgestellt und waren auch sehr transparent, was die Kosten angeht. In der vorliegenden Form sprechen wir von 140.000 bis 150.000 Euro, um es über alle Ligen hinweg ausrollen zu können. Bei der Versammlung ist dann der Entschluss gefasst worden, dass wir uns mit diesem Thema der Datenanalyse weiter beschäftigen werden, aber auch schauen, ob es im Markt noch andere Anbieter gibt, die ähnliche Dinge anbieten, vielleicht kostengünstiger. Diese intensive Analyse des Marktes läuft noch. In diesem Zug testen wir im Moment zum Beispiel auch wieder mal automatisierte Kameras, was auch ein Thema zur Entlastung der Vereine beim Streaming ist. Wir haben auf jeden Fall die feste Überzeugung, dieses Projekt weiterverfolgen zu wollen, weil das eine Datenebene für die ganze Liga schaffen kann, die aus vielerlei Hinsicht hochinteressant wird.

 

Sie haben bei der Ligaversammlung das ehrgeizige Projekt in den Raum geworfen, bei der Hallen-DM 2028 für das „größte Hallenhockey-Event aller Zeiten“ sorgen zu wollen. Was schwebt Ihnen da für eine Größenordnung vor?

WILHELM: Die bisherige Rekordzahl liegt bei rund 8300 Zuschauer, das war bei der Hallen-WM 2018 in Berlin. Für DM-Endrunden oder -Endspiele dürften die bislang höchsten Zahlen deutlich darunter liegen. Im Moment in Frankfurt, wo wir bald zum fünften Mal mit unserem Hallen-Final4 sein werden, passen ungefähr 4500 rein. Wir schauen seit einiger Zeit nach Hallen, die mindestens das Doppelte fassen, und versuchen das frühzeitig hinzubekommen. Und dann wollen wir gemeinschaftlich mit der Hockey-Community versuchen, dieses Projekt über ein Jahr zu begleiten und wirklich alle dafür zu aktivieren, dass wir dieses ehrgeizige Ziel erreichen können.

 

Und was das Feld angeht, steht ja 2027 mit Hannover das erste Mal nach den bisher sich abwechselnden Ausrichterorten Bonn, Krefeld und Mannheim ein Wechsel in eine ganz neue Region an. Ein bewusstes Ziel, mal woanders mit dem Feld-Final4 hinzugehen?

WILHELM: Ja, wir haben versucht, uns auch mal wieder mehr in Richtung Norden zu orientieren. Hannover ist eine Stadt, bei der Sport super gut funktioniert. Das wissen wir nicht zuletzt jetzt von den „Finals 2026“ in 24 Sportarten von vielen anderen Großveranstaltungen der letzten Jahre. Mit dem DHC haben wir da einen engagierten Verein mit einer tollen Anlage gefunden. Die Detailplanung läuft bereits auf Hochtouren. Wir sind froh, dass das alles schon früh feststeht. Dass Hannover auch der Standort unseres größten Partners, das Volvo E.R.B. Autohaus, ist, hilft mit Sicherheit auch. Sehr gute Kontakte mit dem Land und vor allem der Stadt hatten wir bereits bei der Suche nach einer Hallen-Location. Da gab es klare Signale, dass sie solche Events in der Stadt haben wollen und die auch intensiv unterstützen wollen.

 

Kaum nach außen gedrungen ist bislang eine Neubesetzung im Hockeyliga-Präsidium. Mit Fanny Rinne als Vizepräsidentin ist da jetzt erstmals auch eine Frau und dazu eine prominente Hockeypersönlichkeit (Olympiasiegerin 2004) vertreten. Wie kam es dazu?

WELLEN: Also wir hatten schon sehr aktive Frauen von verschiedenen Vereinen in der Bundesliga-Community, auch in Arbeitsgruppen. Insofern gab es bei uns immer auch Frauen-Repräsentanz, aber eben nicht im Präsidium. Das dies jetzt nicht mehr ausschließlich männlich besetzt ist, tut der ganzen Sache natürlich gut. Zudem bringt Fanny ähnliche internationale Aktiven-Erfahrung auf höchstem Level ein, wie das bei Timo Wess der Fall war, der aus beruflichen wie persönlichen Gründen aus unserem Präsidium ausgeschieden ist.

WILHELM: Ich kannte Fanny relativ gut, weil wir gemeinsam am Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar gearbeitet und uns immer wieder auch über Spielsportarten ausgetauscht haben. Ich in meiner alten Rolle und sie dort als Laufbahnberaterin. Und als es eben dann darum ging, jemanden zu finden, der ähnliche Profile wie zum Beispiel die Verbindung von Bundesliga und Nationalmannschaften hat wie Timo Wess, fiel mir Fanny ein, und ich habe sie im Präsidium vorgeschlagen. Das fanden alle gut. Ich habe sie dann angesprochen, und sie sagte, dass sie große Lust hat mitzuarbeiten.

 

Lassen Sie uns zum Schluss noch über die Verlängerung der Kooperationsvereinbarung mit dem DHB sprechen. Da gibt es offenbar auch nach längerem Prozess noch keinen Abschluss. Woran hakt es?

WELLEN: Also wir haben eine Struktur, und wir glauben, dass wir hier erfolgreich unterwegs sind. Und wenn es Punkte gibt, wo man in der Zusammenarbeit mit dem DHB bestimmte Sachen auch verbessern kann, sind wir dafür offen. Wir sind auch bereit zu Gesprächen, wenn es um die Schaffung von Synergien, beispielsweise in der Vermarktung oder in der Medienarbeit angeht, bei aller Unterschiedlichkeit, die unsere verschiedenen Zuständigkeiten bedingen.

Wir sind jedoch nicht bereit, jetzt alles zurückzuführen in die Hände des DHB und der dort Verantwortlichen, wie manchem vielleicht vorschwebt. Wir gehen den eigenständigen Weg, wie das viele andere Spielsportarten machen. Auch die Frauen-Fußball-Bundesliga hat sich erst kürzlich vom Verband entkoppelt. Eigentlich war die vereinbarte Frist für den neuen Abschluss des neuen Kooperationsvertrages der 31.12.2025. Dass es dazu nicht gekommen ist, liegt - das sage ich ausdrücklich - nicht an uns.

 

Sollte es tatsächlich nicht zu einem Abschluss kommen, sehen die Regularien vor, dass die Hockey-Bundesliga dann tatsächlich irgendwann wieder zurückfällt, richtig?

WELLEN: So einfach ist das rechtlich nicht. Ich hoffe, und ich bin da auch zuversichtlich, dass wir das im Konsens regeln. Der Kooperationsvertrag sieht ein formelles Streitbeilegungsverfahren vor. Wenn es sein muss, führen wir sowas, aber das ist nicht unsere Haltung. Wir lösen das lieber durch Gespräche unter den Vertretern beider Seiten, die sich ja auch lange kennen und mögen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!