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Niklas Plattenteich: „Ich habe mir Zeit gelassen und mich stetig weiterentwickelt“

Vor dreieinhalb Jahren spielte Niklas Plattenteich noch in der Regionalliga Süd beim TSV Schott Mainz. Im April 2023 schloss sich der langgewachsene Abwehr- und Eckenspezialist dem Zweitligisten Großflottbeker THGC an, schaffte mit dem Hamburger Team den Sprung in die Erstklassigkeit. Aber gemeinsam ging es im Sommer 2025 auch wieder runter. In diesem Sommer nun wechselte der 26-Jährige zum Deutschen Meister Hamburger Polo Club. Was er sich davon versprochen hat, wie er seinen Einstand beurteilt und wie es ist, plötzlich mit Weltstars wie Tom Craig, Tim Brand, Kane Russell oder Weltmeistern wie Paul Kaufmann, Justus Weigand und Joshua Onyekwue Nnaji tagtäglich zu tun zu haben, verrät er im Gespräch mit DHZ-Mitarbeiter Julius Hayner.

Herr Plattenteich, Ihre Mannschaft ist weiterhin ungeschlagen und hat am vergangenen Samstag auch das Hamburger Derby beim Club an der Alster mit 2:1 gewonnen. Wie zufrieden sind Sie und Ihr Team mit dem bisherigen Saisonverlauf?

NIKLAS PLATTENTEICH: Punktetechnisch sind wir auf jeden Fall sehr zufrieden. Gerade zu Beginn hat unsere Defensive noch zu wünschen übriggelassen, da wir haben schon einige Gegentore kassiert. Offensiv waren wir dagegen schon gut unterwegs. Dass wir mit dieser Punkteausbeute und sogar einem Spiel weniger an der Tabellenspitze stehen, ist vor dem Hintergrund der kurzen Vorbereitungszeit mit der gesamten Mannschaft und des neu formierten Teams natürlich richtig cool. Dass es in der Hinrunde so gut laufen würde, war nicht unbedingt abzusehen.

 

Das Spiel bei Alster war bis in die Schlussphase offen. Nach dem 0:1 hat Polo die Partie noch gedreht und Kane Russell kurz vor Schluss den Siegtreffer erzielt. Was zeichnet die Mannschaft momentan aus, dass Ihr solche engen Spiele auf Eure Seite ziehen könnt?

Zuletzt war vor allem unsere Defensivleistung stark. Gerade in den Schlussminuten haben wir häufig alles wegverteidigt und reingeworfen. Dazu kommen unsere sehr guten Strafecken mit Kane, der dann trifft und auch die Stecher vorbereitet. Das trägt natürlich dazu bei, dass wir Spiele gewinnen. Manchmal reicht dann kurz vor Schluss eben auch eine Strafecke, um eine Partie für sich zu entscheiden.



Wenn man auf die bisherigen Ergebnisse schaut, waren einige Partien ziemlich knapp. Ist es für Euch als neu zusammengestellte Mannschaft besonders wichtig, schon früh in der Saison solche engen Spiele zu gewinnen - auch für das Selbstvertrauen und den Zusammenhalt?

Auf jeden Fall. Solche Siege können nie schaden. Für unsere Entwicklung wäre es aber auch nicht schlimm gewesen, wenn das eine oder andere Spiel in die andere Richtung gekippt wäre. An solchen Situationen wächst man ebenfalls. Trotzdem ist es natürlich geiler, immer die nächsten drei Punkte zu holen. Man merkt, dass man sich auch in engen Spielen aufeinander verlassen kann. Solche Erfolgserlebnisse helfen auf Dauer mehr, als wenn man jede Woche knapp verliert.

 

Polo wird immer mehr zum „König der Ligaphase“. Gibt es innerhalb der Mannschaft inzwischen ein gewisses Selbstverständnis, dass Ihr solche Spiele gewinnt?

Ja, das spürt man schon. Ich kenne den Vergleich zu der Zeit in der 1. Bundesliga mit Flottbek. Dort hatten wir auch viele gute Spiele, aber irgendwann machte sich in der Mannschaft trotzdem das Gefühl breit, dass es wieder eng werden und man das Spiel am Ende verlieren könnte. Und genau das ist dann häufig passiert. Dieses Gefühl gibt es hier gar nicht, dafür ist auch kein Platz. Wir haben genügend Spieler in unseren Reihen, die schon sehr viele wichtige Spiele absolviert und gewonnen haben. Die ziehen die Mannschaft mit ihrem Selbstverständnis und ihrer Siegermentalität nach vorne.

 

Niklas Plattenteich (in weiß; Mitte) zusammen mit seinen prominenten Polo-Mitspielern Tom Craig (links) und Kane Russell rechts) am 24. Oktober im Auswärtsspiel beim Club an der Alster. Foto: Tischler


Polo ist als Deutscher Meister in die Saison gegangen, hat im Sommer aber auch einige Spieler verloren, die den Verein in den vergangenen Jahren geprägt haben. Gleichzeitig sind mehrere Neue dazugekommen. Wie schnell hat sich diese neu formierte Mannschaft gefunden?

Das ging sehr schnell. Wir verstehen uns sowohl auf als auch neben dem Platz richtig gut und haben eine positive Grundstimmung. Man geht gerne ins Training, hat miteinander Spaß und sitzt danach auch noch zusammen. Wir neuen Jungs wurden sehr herzlich aufgenommen und schnell eingebunden. Natürlich ist die Frage, wie sich das auf dem Platz auswirkt. Man kann sich menschlich super verstehen und eine gute Zeit haben, ohne dass es sportlich sofort funktioniert. Bei uns haben sich aber auch auf dem Platz schnell die Rollen gefunden. Trotzdem haben wir noch Luft nach oben und sind längst nicht an unserem Leistungshöhepunkt angekommen. Dafür läuft schon sehr vieles sehr gut.


Sie sind im Sommer vom Großflottbeker THGC zu Polo gewechselt. Für Außenstehende war dieser Schritt vielleicht etwas überraschend. Wie kam der Wechsel zustande, und was hat Sie vor allem an der Aufgabe bei Polo gereizt?

Ich hatte schon länger damit geliebäugelt, dauerhaft in der ersten Liga zu spielen. Nach dem Aufstieg mit Flottbek und den Anfragen anderer Vereine war damals die Entscheidung, bei Flottbek zu bleiben. Ich wollte den Weg mit dem Verein weitergehen und gemeinsam erleben, wie wir uns in der ersten Liga schlagen. Nach dem Abstieg auf dem Feld und in der Halle habe ich dann intensiver darüber nachgedacht, wie es für mich weitergehen kann. Polo ist dann auf mich zugekommen. Ich musste nicht zu lange überlegen, weil ich richtig Lust auf diese Aufgabe hatte. Für mich ist Polo in Hamburg die professionellste Adresse und damit auch die größtmögliche Herausforderung. Bislang macht es mir richtig Spaß, und ich bin überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war.

Spürt man diesen besonderen Anspruch beim Deutschen Meister direkt?

Den merkt man schon. Ich wusste aber auch ziemlich genau, worauf ich mich einlasse. Natürlich gibt es Momente, in denen man denkt: Wenn wir jetzt jedes Spiel gewinnen müssen, ist die Stimmung sonst schlecht. Von außen erwarten viele viel von der Mannschaft und den einzelnen Spielern. Das ist aber nicht das, was einen dauerhaft beschäftigt. Wir lieben Hockey und haben einfach Spaß daran, gemeinsam auf dem Platz zu stehen. So soll es auch sein.


Sie sind als Kapitän von Flottbek zum Nachbarn gewechselt. Haben ihre Mitspieler und die Leute aus dem Verein ihnen diesen Schritt gegönnt oder gab es auch negative Reaktionen?

Mir gegenüber war zumindest niemand negativ. Die Reaktionen aus Flottbek waren sehr unterstützend. Man hat sich eher noch einmal für meine Zeit dort bedankt und mir viel Glück gewünscht. Auch die Mitspieler haben mir den nächsten Schritt gegönnt. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Natürlich ist es etwas anderes, wenn man sich als Spieler entscheidet, einen Verein zu verlassen, mit dem man sich über Jahre hinweg identifiziert und in dem man sich mit allem auseinandergesetzt hat. Ich hatte schon mit ein oder zwei negativen Rückmeldungen gerechnet, aber die sind ausgeblieben. Dass mir so viel Positives entgegengebracht wurde, ist ein schönes Gefühl und zeigt mir die Wertschätzung, die ich dort erfahren habe.



Sie haben ihre Hockeylaufbahn beim TSV Schott Mainz begonnen, später für Flottbek gespielt und sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet. Wenn Sie auf diesen Weg zurückblicken: Hätten Sie sich vor einigen Jahren vorstellen können, einmal beim amtierenden Deutschen Meister zu spielen?

Es war immer ein Traum, aber bevor ich nach Hamburg gekommen bin und noch in Mainz Regionalliga gespielt habe, hätte ich nicht unbedingt damit gerechnet. Ich hatte schon das Selbstvertrauen, dass ich langfristig das Potenzial für die erste Liga habe. Trotzdem kann auf dem Weg dorthin viel passieren: Verletzungen, berufliche Entscheidungen oder das Studium. Man weiß nie genau, wie sich alles entwickelt. Wenn ich zurückblicke, bin ich deshalb sehr froh, wie sich meine Zeit in Hamburg entwickelt hat und dass ich diese Schritte machen durfte. Es ist schon ein Traum in Erfüllung gegangen, jetzt beim Deutschen Meister zu spielen

 

Erstligaerfahrung sammelte Niklas Plattenteich (liegend; im Spiel gegen den UHC Hamburg) beim Großflottbeker THGC, mit dem er 2024 in die 1. BL aufstieg, aber 2025 auch wieder runter in die zweite Liga musste. Foto: Tischler



Was würden Sie vielleicht jungen Spielern in ihrer damaligen Situation mitgeben, die ebenfalls den Traum haben, irgendwann in der Bundesliga zu spielen?

Ganz wichtig ist, sich nicht zu viel Druck zu machen und zu denken, dass man sofort in der 2. oder direkt in der 1.Bundesliga spielen muss. Ich habe mir Zeit gelassen und mich stetig weiterentwickelt. Das hat für mich gut funktioniert. In Mainz habe ich in der 1. Regionalliga gespielt und bin dort trotzdem nicht stagniert. Ich habe mich weiterentwickelt und innerhalb der Mannschaft und des Vereins neue Rollen übernommen. Bei Flottbek war es ähnlich. Irgendwann hat es dann geklappt - bei mir eben mit 26 Jahren. Gerade bei jungen Spielern wird häufig viel Druck aufgebaut. Sie sollen möglichst früh bei diesem oder jenem Verein spielen, sonst sei der Zug abgefahren. Davon sollte man sich freier machen, auf sein Herz hören und darauf vertrauen, dass sich auch später noch Möglichkeiten ergeben. Man muss nicht schon mit 18 oder 21 alles erreicht haben.


Wenn man im Training plötzlich mit einigen der besten Spieler der Welt auf dem Platz steht: Staunt man da noch darüber, was die mit Schläger und Ball anstellen können, oder gewöhnt man sich schnell daran?

Es gibt immer wieder Momente, in denen man denkt: Wahnsinn, was mit Schläger und Ball alles möglich ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber auch an das Tempo und ist nicht mehr bei jeder Aktion überrascht. Die Jungs gehören schließlich zu den Besten der Welt und haben diese Qualität einfach. Es macht Spaß, gegen solche Spieler zu verteidigen und sich an ihnen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig muss man sich auch weiterentwickeln, wenn man auf diesem Niveau bestehen möchte.

Sie haben bislang auch jedes Spiel gemacht und sich damit schnell in der Mannschaft etabliert. Hatten Sie selbst damit gerechnet, so unmittelbar eine feste Rolle einzunehmen?

Ich bin schon davon ausgegangen, dass ich viel spielen würde. Das war mir im Vorfeld auch so in Aussicht gestellt worden, und ich wusste, wie der Kader zusammengestellt ist. Dass ich dann wirklich jedes Spiel mache und auch schon bei den Strafecken erfolgreich war, freut mich natürlich. Darüber habe ich mir vorher aber nicht allzu viele Gedanken gemacht.

Ich wäre nicht gewechselt, wenn ich mir diese Rolle nicht zugetraut hätte. Ich bin nicht zu Polo gegangen, nur um sagen zu können, dass ich beim Deutschen Meister spiele. Ich wollte auch weiterhin viel Hockey spielen und den Spaß am Spiel behalten.

Auch bei den Strafecken haben Sie bereits Verantwortung übernommen und getroffen. Wie viel Sicherheit gibt es Ihnen, dass sie auch in diesem Bereich gefragt sind?

Natürlich hilft es, wenn man auch bei den Strafecken etwas mitbringt. Damit hat man neben dem normalen Spiel noch ein weiteres Argument, um aufgestellt zu werden. Es hilft dem Trainer zu wissen, dass ein Spieler diese Qualität hat. Ich messe dem aber nicht übermäßig viel Bedeutung. Ich möchte der Mannschaft weiterhelfen. Wenn das auch über die Strafecken gelingt, ist das natürlich umso schöner.

 

Am kommenden Wochenende stehen mit den Auswärtsspielen beim Münchner SC und beim Berliner HC noch einmal zwei Partien an. Gerade auswärts gegen Mannschaften, die um wichtige Punkte kämpfen, können solche Spiele unangenehm werden. Worauf wird es in München und Berlin ankommen, damit Ihr Eure Serie fortsetzt?

Wir dürfen die Gegner auf keinen Fall unterschätzen. Das ist das Wichtigste. Wir müssen weiterhin gut verteidigen, defensiv stabil stehen und offensiv Vertrauen in unser Spiel haben. Die anderen Mannschaften wollen in jedem Spiel etwas Zählbares mitnehmen. Sobald wir anfangen, nachzulassen, kann so ein Wochenende schnell unangenehm werden. Wir müssen deshalb unsere positive Stimmung mitnehmen und in beiden Spielen über jeweils 60 Minuten Vollgas geben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!